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Mercedes-Arbeiter marschieren zur Center-Versammlung

Mercedes-Benz, Cannstatter Tor: Vor einem großen Transparent, auf dem stand, „Ohne Streik wird sich nichts ändern“, und offensiven Kurzansprachen von Mitgliedern der Vertrauensleutekörper sammelten sich über 100 Kolleginnen und Kollegen. Das sorgte für eine kämpferische Stimmung, um zur Halle zu laufen, in der die Center-Versammlung stattfand.

Von wb

Im Verlauf schlossen sich weitere Kollegen an. Für eine wachsende Zahl von Arbeiterinnen und Arbeitern ist klar, dass es sich bei der Forderung des Vorstandes nach einem Zurück zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich und der Verschiebung des sogenannten „Trafo-Bausteines“, der eine 18-prozentige Lohnsteigerung im Juni vorsah, um einen „Frontalangriff“ handelt.


Manche glauben aber, dass es letztlich nicht so heiß gegessen wird, wie gekocht. „Die Zeichen stehen auf Kampf“, wie das Extra der Kollegenzeitung „Stoßstange“ titelte, finden deshalb viele richtig. Allerdings muss dabei noch einiges geklärt werden, wie in den Gesprächen mit MLPD-Aktivistinnen und ‑Aktivisten deutlich wurde: angefangen von der Frage, dass jetzt der Zeitpunkt für den Kampf richtig ist, bis hin zu der, dass das auf Tarifrunden beschränkte Streikrecht in Deutschland selbständige Kämpfe notwendig macht. Dafür steht die MLPD mit ihrem Know-how, weshalb ein Kollege zusagte, hier mit uns aktiv zu werden.


Die Centerleitung versuchte, den weitgehenden Angriff als gemeinsam zu meisternde Anpassung an die weitgehenden Veränderungen in der wirtschaftlichen und politischen Weltlage zur Verbesserung der Konkurrenzfähigkeit zu verkaufen. Dazu gab es immer wieder mal Pfiffe oder Zwischenrufe; insbes. als der Centerleiter die Nullrunde für die Führungskräfte als solidarischen Beitrag darstellte. Was früher vielleicht noch die Gemüter besänftigt hätte, erntete dieses Mal nur höhnisches Gelächter und Zwischenrufe wie „Eure Taschen sind doch eh schon voll“.


Ein Vertrauensmann setzte sich kämpferisch und selbstbewusst mit den Angriffen auseinander. So z. B., dass der Trafo-Baustein verschoben werden soll. Der Tarifvertrag lässt das zu, wenn ein Unternehmen wirtschaftliche Schwierigkeiten hat. Davon kann aber bei Mercedes keine Rede sein. So bekamen im letzten Jahr die Aktionäre 3,3 Milliarden an Dividende. Der Kollege zeigte sich auch empört darüber, dass Mercedes den Vorreiter zum Schleifen der hart erkämpften 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich machen will. Wir brauchen doch gerade eine Arbeitszeitverkürzung, um den weiteren Personalabbau zu vermeiden!

 

Eine Vertrauensfrau lehnte es ab, den Kampf um die Konkurrenzfähigkeit zu unserer Sache zu machen. Tatsächlich gibt es tiefgreifende Veränderungen. Dazu zählen die Probleme in China. Es sind die Geister, die Mercedes selbst rief. Für uns bestehen die Veränderungen z. B. in den steigenden Kosten für das Leben. Die Produktivitätsoffensive ist in Wirklichkeit eine Ausbeutungsoffensive. Und der Standard, den wir in Deutschland haben, ist das Ergebnis einer starken Arbeiterbewegung. Sie hat die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und die 35-Stunden-Woche erkämpft. Das lassen wir uns nicht mehr wegnehmen, sondern verteidigen diese sozialen Rechte mit der gleichen Härte!


Die Kollegin setzte sich auch mit dem Faschisten Oliver Hilburger von „Zentrum Automobile“ auseinander, der vor ihr redete. Er schob das aggressive Vorgehen Chinas auf die angeblich dort noch herrschende, sozialistische Planwirtschaft. Hier spricht der aggressive Antikommunismus dieser faschistischen Kräfte. Sie wissen sehr wohl, dass es sich beim heutigen China um ein imperialistisches Land handelt, um die Alternative des Sozialismus schlecht zu machen. Die Kollegin endete mit Passagen aus der kämpferischen Erklärung der Vertrauensleute zur Vorbereitung des politischen, gewerkschaftlichen und selbständigen Kampfes. Diese ist unter der Masse der Kollegen noch gar nicht bekannt.


Die Versammlung wurde nicht beendet, sondern nur unterbrochen. So sollen in dieser Woche „Betriebsrats-Infos“ vor dem Tor stattfinden.