Kampf um jeden Arbeitsplatz

Kampf um jeden Arbeitsplatz

Heute morgen mit dem "Vorwärtsgang" bei Audi-Neckarsulm

Heute zur Frühschicht verteilten wir die Kollegenzeitung Vorwärtsgang mit dem Aufruf: „Beispielloser Angriff! Jetzt gilt: Kein Auto, kein Getriebe, keine Achse verlässt die Werke! STREIK!“

bs

Diese Überschrift stellten wir in den Mittelpunkt unserer Ansprache und fragten: Was meinst du? „Ja das wäre jetzt richtig“, sagten recht viele. Für eindeutig mehr Kollegen als früher ist der Gedanke an Streik nicht mehr so aus der Welt. Ein paar Kollegen wollen das mit in die Hand nehmen.

 

Von einem Tor berichten Genossen: Vielen war klar, dass der Vorwärtsgang richtig liegt und die Beschwichtigungen falsch sind: „Die verarschen uns, die Schließung ist beschlossen“, meinte ein Kollege verbittert.

 

Aber es gibt auch Bedenken: „Es ist zu spät“, oder: „Ich glaube nicht, dass die das Werk schließen, das kann ich mir nicht vorstellen.“ Einer sagte: „Audi soll halt wieder bessere Autos bauen und die Produktion nach Deutschland zurückholen“. Einer fragte: „Was soll Streik bringen?“ Ein weiterer meinte: „Ich gehe sowieso in Rente.“ Doch es geht um den Klassenstandpunkt und um die Jugend. Soll man noch abwarten oder jetzt von den Klasseninteressen hin zur Arbeiteroffensive ausgehen – diese Diskussion muss geführt werden.

 

An allen Toren trat wenige Minuten nach dem Beginn des Verteilens der Werksschutz auf und versuchte uns einzureden, wir dürften hier nicht verteilen. Sie riefen die Polizei und fotografierten uns. Wir und auch die Kollegen ließen uns davon nicht einschüchtern. Außerdem ist längst geklärt, dass wir auf „für jedermann frei zugänglichem“ Gelände standen.

 

Ein junger Gewerkschafter, der auf dem Weg zu einem einwöchigen Seminar war, nahm gerne die Opel-Broschüre als Material mit. Er stimmte zu, dass gestreikt werden muss und meinte: „Der Betriebsrat muss das jetzt machen“, aber stimmte zugleich zu, dass das Betriebsverfassungsgesetz dies gar nicht erlaubt. Jetzt sind die Vertrauensleute der IG Metall gefordert. Von fortschrittlichen Betriebsräten kann man Solidarität erwarten.