Audi Neckarsulm
Erfolgreiche Protestveranstaltung in Heilbronn
Trotz kurzfristiger Einladung – zwei Stunden zuvor über Rote Fahne News - kamen am Montag Abend 70 Leute zur Protestveranstaltung nach Heilbronn anlässlich der Polizeigewalt bei Audi in Neckarsulm ausgehend von der Audi-Geschäftsführung.
Rita Renner von der MLPD Heilbronn eröffnete die Veranstaltung und begrüßte die Besucher. Kurzfristig hatte das in Neckarsulm beliebte Brauhaus die Räumlichkeiten gerne zur Verfügung gestellt. Eine Polizeiwanne stand übrigens in der Nebenstraße.
Lisa Gärtner führte im Eingangsstatement aus, dass gesellschaftlich eine außergewöhnliche Situation herrscht mit der Umstellung auf Kriegswirtschaft, bisher ungekannter Hitze-Wetterlage und neuer Angriffe auf die Arbeiterschaft. Mehrere Konzerne kündigten aktuell Horrorkataloge an wie VW mit der Vernichtung von 100.000 Arbeitsplätzen und der Schließung von vier Werken. Das ist ein echter Generalangriff auf die Arbeiterklasse!
Die Kollegenzeitung „Vorwärtsgang" hatte über diese Pläne schon vor Wochen berichtet. Kollegen sagten heute am Tor: „Ihr habt das schon vor zwei Wochen gesagt, aber ehrlich gesagt habe ich nicht daran geglaubt. Und nun kommt raus, dass es stimmt." Das Vertrauensverhältnis zur Kollegenzeitung ist gewachsen.
Genau das macht VW so nervös. Lisa Gärtner berichtete vom Polizeieinsatz gegen die Verteiler der Kollegenzeitung. Aggressiv wurden Verteiler in Handschellen gelegt, eine Kollegin war über den Boden gezogen und anschließend mehrere Stunden ihrer Freiheit beraubt und erkennungsdienstlich behandelt worden. "Hier wurde einfach 1:1 der Auftrag von VW umgesetzt, die Verteiler zu kriminalisieren. Kein krimineller VW-Vorstand wurde im Abgasskandal so behandelt wie wir. Da sieht man, dass der Staat kein Sozialstaat ist und nicht über den Klassen schwebt, sondern Dienstleister der Monopolkapitalisten ist".
Eine starke Minderheit sagt im Gespräch, dass Streik jetzt die richtige Antwort ist. Lisa berichtete, dass jetzt der Vorschlag unter Kollegen diskutiert wird, ab 8. Juli konzernweit zu streiken. Lisa griff das auf und sagte, dass das genau das richtige Signal ist, um die Vorstandspläne zu Fall zu bringen. Dieser Gedanke muss jetzt im ganzen Konzern verbreitet werden, Kräfte dafür enger zusammengeschlossen werden und beraten und organisieren, wie man vorgeht. Denn es ist wichtig, nicht die Entscheidungen des Managements abzuwarten, sondern vorher die Initiative zu ergreifen und auch dadurch erst ein Faktor zu sein, der Einfluss nimmt.
Jetzt ist die Zeit der Selbstveränderung angesagt. Ein langjähriger Audi-Arbeiter, heute in Rente, fasste es so zusammen: "Das ist jetzt eine Zeit, wo man sich vorne hinstellen muss in die erste Reihe".
Lisa rief dazu auf, dass es jetzt nicht darum geht, nur an seinen eigenen Arbeitsplatz, seine Familie und sein Eigenheim zu denken, sondern an die ganze Stadt, die ganze Region, die ganze Arbeiterklasse. Um richtig kämpfen zu können, müssen auch die Betriebsgruppen der MLPD gestärkt werden. Sie ist die einzige Partei, die bundesweit in den größten Industriebetrieben Betriebsgruppen hat und eine echte Kampfpartei ist mit entsprechendem Know-how, wie man richtig kämpft. Dafür müssen die Kollegen auch mit dem Einfluss des Antikkommunismus fertig werden, was deshalb bewusst diskutiert werden muss.
In der Diskussion meldete sich eine junge Kollegin zu Wort, die berichtete, dass bereits eine erste kleine Pausenversammlung stattgefunden hat, um weitere Schritte im Kampf zu beraten, worauf die Vorgesetzten sehr nervös reagierten. Einer gewählten Jugendvertreterin wurde der Zugang zum Werk verwehrt mit der Begründung, es sei ihr regulärer freier Tag und die Arbeitsordnung verbiete ihr deshalb den Zugang. Welche Angst müssen diese Herren haben? Ein Rentner, der 40 Jahre im Werk gearbeitet hatte, berichtete, dass es noch nie so viele Kämpfe wie in den letzten Jahren gab und der Vorstand ziemlich in der Defensive ist. „Heute wurde die Wahrheit verhaftet" sagte er.
Viele Arbeiter aus anderen Industriebetrieben der Region beteiligten sich an der Diskussion. So ein Mercedes-Arbeiter: „Wenn die Kollegen hier den Kampf aufnehmen, dann kann davon ein Signal für weitere Belegschaften ausgehen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen". Eine junge Mutter sagte, dass es um die ganze Region geht. Wenn das Werk geschlossen wird, droht die Verwahrlosung. Sie rief dazu auf, ein „Widerstandskomitee" zu gründen, in dem sich die Familien zusammenschließen können, um den konzernweiten Streik zu unterstützen und ein Bindeglied zwischen den Streikenden und der Bevölkerung zu sein.
Die „Heldin des Abends" war Doris, eine der beteiligten verhafteten Verteilerinnen. Die 72-jährige, die wegen ihrer Verletzungen im Krankenhaus behandelt werden musste und gerade aus der Notaufnahme kam, berichtete unter Beifall, dass sie sich nicht einschüchtern lässt und wieder ans Tor gehen wird. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Abends waren sich einig: Das wird ein Nachspiel haben.
Ein Kollege, der bei Audi seine Lehre gemacht hatte, an die Genossen: "Am Wochenende war ich echt angepisst über die ganze Situation und die Drohungen. Ehrlich gesagt war ich auch angepisst, ob von dieser Partei etwa auch nichts kommt? Aber jetzt möchte ich euch herzlich gratulieren und finde es großartig, was ihr alle an diesem Tag auf die Beine gestellt habt. Weiter so!"
Alle waren sich einig, dass jetzt eine breite Öffentlichkeit hergestellt werden und bundesweit die Solidarität gegen die Kriminalisierung von Arbetersolidarität organisiert werden muss. Der VW-Vorstand darf mit dieser Repression und Kriminalisierung nicht durchkommen. Bei der Spendensammlung kamen 351,54 Euro für die finanzierung der Anwaltskosten zusammen.