Mit Offenem Mikrofon

Mit Offenem Mikrofon

Gut 4.000 streiken – Kampfgeist bei Mercedes-Benz Bremen

Bremen, 3. Juli 2026. Heute legten gut 4.000 Kolleginnen und Kollegen des Mercedes-Benz-Werks Bremen für zwei Stunden die Arbeit nieder. Sie demonstrierten aus dem Werkstor heraus auf die Straße bis zu einer großen Kreuzung. Aufgerufen dazu hatten die IG-Metall- Vertrauenskörperleitung und der Betriebsrat. Bereits am Vortag waren ein Mobi-Video und Informationen an die Belegschaft verschickt worden.

Korrespondenz
Gut 4.000 streiken – Kampfgeist bei Mercedes-Benz Bremen
(rf-foto)

Zunächst hieß es, für die Dauer der Aktion müsse aus- und danach wieder eingestempelt werden. Diese Ankündigung wurde jedoch zurückgenommen. Ausdrücklich aufgerufen waren alle – auch Leiharbeiter, alle Bereiche, auch Führungskräfte. Noch in der Vorwoche hatten einige Leiharbeiter Bedenken geäußert, ob sie sich beteiligen sollten, unter anderem, weil sie Familie haben. Am Aktionstag selbst überwog jedoch die Stimmung: Wir machen alle mit – nicht zuletzt, weil man schließlich auch Familie hat. Verbreitet wurde außerdem die Zusage, dass niemand eine Abmahnung oder „Abmeldung“ erhalte. Das ist einerseits zu begrüßen, kann andererseits aber nicht die Bedingung für kommende Kämpfe sein.

 

Mit IG-Metall-Fahnen und Trillerpfeifen zog es durch die Hallen, wobei auch noch Unentschlossene überzeugt wurden, sich anzuschließen. Aus dem Tor heraus bildeten sich zwei Demonstrationszüge, die zu einer großen Kreuzung führten, wo eine Kundgebung mit Bühne stattfand. Die MLPD organisierte ein Offenes Mikrofon, vor allem während die Kolleginnen und Kollegen aus dem Werk kamen, aber auch während des Demonstrationszugs. Die örtliche Erklärung der MLPD wurde 570-mal verteilt, die Rote Fahne verkauft und einige neue Kontakte gewonnen. Angesprochen wurde durchgängig mit der Parole „Ab 8. Juli – Mitbestimmung durch Streik!“

 

Bei meist sonnigem Wetter herrschte eine gute, kämpferische bis feierliche Stimmung. Etwas Vergleichbares hat es bei Mercedes Bremen seit Jahren nicht gegeben. Mehrere Kollegen äußerten, das könne nur der Anfang sein: „Da kommt noch was“. Für den 8. Juli gab es Aufgeschlossenheit – aber auch Fragen, wer das organisiert und wie. Zur MLPD gab es Zustimmung und nur sehr wenig Ablehnung. Ein einzelner Betriebsrat forderte vergeblich, die MLPD-Fahne einzuholen.

 

Von Airbus war eine kleine Delegation anwesend. Von dort wird berichtet, dass die Beschäftigten zwar sehen, dass einiges in Bewegung kommt und es auch um sie geht, aber eine größere Beteiligung noch nicht vorbereitet worden war.

 

Unter den Rednern auf der Kundgebung war Bremens Bürgermeister und derzeitiger Bundesratspräsident Andreas Bovenschulte. Er versuchte, mehr schlecht als recht, mit Sozialchauvinismus gegenüber China zu punkten, und lobte den Wirtschaftsstandort als „Perle“ mit hoher Produktivität. Von den Sorgen der Kolleginnen und Kollegen war bei ihm wenig die Rede, Bundeskanzler Merz griff er gar nicht an. Eine Lösung hatte er ebenfalls nicht anzubieten. Klassenkämpferischer sprach Ute Buggeln von der IG Metall. Betriebsratsvorsitzender Michael Peters appellierte an die SPD: Wenn sie eine Arbeiterpartei sei, müsse sie die Beschäftigten unterstützen.