Bundesweiter Aktionstag bei Mercedes
„Bundesweit – Streikbereit!“
Am Vormittag hatte die IG Metall bundesweit zu Aktionen an den Mercedes-Standorten aufgerufen. Proteste, Kundgebungen, Demonstrationen und faktische Arbeitsniederlegungen fanden statt.
So kamen in Sindelfingen nach Angaben der IG Metall 20.000 Kolleginnen und Kollegen zum Protest. In Rastatt und Untertürkheim jeweils 2000, in Bremen 4000, in Düsseldorf 1500. Außerdem fanden Aktivitäten in Berlin, Hamburg, Kuppenheim und Germersheim statt. Es waren über 33.000 Beschäftigte beteiligt.
Korrespondenten berichten:
Mercedes Düsseldorf: Am Freitagmorgen protestierte die Belegschaft von Mercedes Düsseldorf eineinhalb Stunden vor Tor 1. Die Arbeit im Werk stand. Der Konzernvorstand hatte letzte Woche beschlossen, die Auszahlung des tariflichen „Trafobausteins“ von 18,4 Prozent eines Monatslohns auf nächstes Jahr zu verschieben. Zudem wurde die Arbeitszeit auf 40 Stunden pro Woche heraufgesetzt, ohne dass es mehr Lohn gibt.
Die Kollegen waren sehr kämpferisch. Auch alle Redner traten sehr kämpferisch auf, was bei den Kolleginnen und Kollegen gut ankam. Als Hauptrednerin war die IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner nach Düsseldorf gekommen.
Benner führte aus, dass die Belegschaften zwar in Werke gespalten, aber in der IG Metall vereint seien. Der Gedanke, dass die Autoarbeiter gemeinsam kämpfen müssen, ist richtig und fand viel Anklang. Sie kündigte auch einen heißen Sommer und einen heißen Herbst an.
Allerdings vertrat sie neben der klaren Ablehnung der Angriffe auf die Belegschaft den Schwerpunkt auf eine „politische Lösung“ gegen die stark subventionierten chinesischen Autos. Statt das Streben der Monopole nach immer höheren Maximalprofiten zu geißeln, forderte sie Subventionen und Schutz vor Billigimporten. Sie setzte damit stark auf die nationalistische Karte.
Das ist aber gerade jetzt kontraproduktiv, wo es auf den gemeinsamen Kampf der Arbeiter über Ländergrenzen hinweg ankommt. VW schließt auch in China Werke. Es ist Spaltung, wenn die Automobilarbeiter hier in Deutschland sich gegen ihre Kollegen in anderen Ländern ausspielen lassen. Es ist hier wie dort dasselbe System, das sie ausbeutet. Wenn sich die Arbeiter spalten lassen, haben sie verloren – vereint sind sie eine Macht.
Die MLPD, die heute als revolutionäre Arbeiterpartei fester Kern der Proteste war, steht dagegen für internationale Arbeitereinheit und Solidarität über Ländergrenzen hinweg. Dafür steht auch „Ab 8. Juli: Mitbestimmung durch Streik!“
Der Vertrauenskörpervorsitzende griff die Geschäftsführung in ihren Büros im Gebäude hinter der Bühne an. Auch die durch sie geschaffenen Arbeitsbedingungen: Für die Maschinen wurde in den letzten heißen Tagen für Kühlung gesorgt, für die Arbeiterinnen und Arbeiter nicht.
Unter den Kollegen gab es Diskussionen, ob die Aktion nicht ausgeweitet wird, auch um außerhalb des Werks Aufmerksamkeit zu erregen. Einer sagte: „Wir müssten die Aktion jeden Tag machen.“ Mehrere verabredeten sich zur Ruhrpott-Rebellion am Samstag in Duisburg. Eine Reihe Kollegen, auch Jugendliche, wollen engeren Kontakt zur MLPD und zum Jugendverband REBELL. Eine Reihe Parteiprogramme der MLPD machen jetzt die Runde.
Mercedes Berlin-Marienfelde: In Berlin war der Schlachtruf „Bundesweit – Streikbereit!“. Hier waren dem Aufruf der IG Metall etwa die Hälfte der Frühschicht gefolgt. Wir von der MLPD waren mit fünf Mann vor Ort, diskutierten die ZK-Erklärung „Die Arbeiteroffensive wird geboren – Ab 8. Juli Mitbestimmung durch Streik! – Kampf der Kriminalisierung der Arbeitersolidarität!“
In unseren Gesprächen mit den Kolleginnen und Kollegen war die Grundstimmung die, dass man unbedingt bundesweit und über Konzerngrenzen hinweg streiken muss – und dass der 8. Juli, der Tag vor der Vorstandssitzung von VW, genau der richtige Beginn ist: „Wenn sie damit durchkommen, ist das ein Angriff auf uns alle und der Startschuss für alle Konzerne.“ Auch hier muss geklärt werden, ob es um die Verteidigung des Standorts Deutschland geht, wie der Vertrauenskörperleiter vertrat, oder um den internationalen Zusammenschluss über Ländergrenzen hinweg, zum Beispiel in der internationalen Automobilarbeiterkoordinierung. Es gehört die Perspektive des Sozialismus dazu, die Stärkung der MLPD!
Mercedes Stuttgart-Untertürkheim: Die kämpferischen Reden der Funktionäre entsprachen der Stimmung der Demonstrantinnen und Demonstranten, die wir MLPD-Genossinnen und -Genossen bei den Gesprächen mit den Kolleginnen und Kollegen eindrucksvoll mitbekommen haben. Fast alle stimmten uns zu, dass mit diesem Protest „die Hämmer“ des Vorstandes nicht wegzukriegen sind. „Streik ist genau das Richtige.“ (Siehe hier die gesamte Korrespondenz)
Einig war man sich: Das hier war erst der Anfang! Und es tut Not, dass die Belegschaften in der Automobilindustrie konzernübergreifend kämpfen und streiken – gegen die Ausbeutung durch Monopole und Staat!
Wir rufen alle demokratischen, antifaschistischen und revolutionären Organisationen, die Gewerkschaften sowie alle solidarischen Menschen dazu auf, sich an die Seite der streikenden Kolleginnen und Kollegen in Neckarsulm zu stellen. Nur eine starke, organisierte und solidarische Bewegung kann den Angriffen auf Arbeitsplätze, soziale Rechte und demokratische Freiheiten wirksam entgegentreten.
Der Kampf um jeden Arbeitsplatz ist ein Kampf um unsere Zukunft!
Ab dem 8. Juli: Mitbestimmung durch Streik!