UN-Weltozeanbericht
Vereinte Nationen warnen vor „zunehmender Krise“ der Ozeane
Fünf Jahre lang haben fast 600 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus 60 Ländern an dem 1.300 Seiten langen dritten Weltozeanbericht (WOA III) gearbeitet. Sie warnen vor einer tiefen Krise der Weltmeere.
Die lebenswichtigen marinen Ökosysteme stehen kurz davor, unumkehrbare Kipppunkte zu erreichen oder haben sie bereits überschritten. Der Zustand der Meere verschlechtert sich laut dem Bericht rasant. Sie mahnen deshalb zum „dringendem Handeln.“
Dramatische Entwicklungen
Die Weltmeere und ihre Küstenregionen haben zentrale Bedeutung für das biosphärische System der Erde und sind eine unverzichtbare Lebensgrundlage der Menschheit. Eine dauerhafte Veränderung ist laut dem Bericht der Meeresspiegelanstieg, der sich von jährlich 2 Millimeter von 2015 auf 4,3 Millimeter im Jahr 2025 mehr als verdoppelt hat (jeweils durchschnittlich). Dreißig Klimakonferenzen endeten bisher im Desaster. Die Erde wird weiter aufgeheizt, damit schmelzen die Gletscher rasant und das erwärmte Wasser dehnt sich weiter aus. Immer mehr Länder sinken unter den Meeresspiegel.
Plastikmüll, vor allem Mikroplastik gefährdet inzwischen massiv das Überleben von 4 000 Tier- und Pflanzenarten im Meer. Öl-, Gas- und Chemiemonopole verhindern seit Jahren bei den Plastikkonferenzen die Einschränkung der wachsenden Kunststoffproduktion und sinnvolle Recyclingverfahren. Durch den Anstieg der Meerestemperaturen und die Übersäuerung durch den wachsenden Eintrag von CO₂ sind laut dem Bericht seit 1870 bereits die Hälfte aller Korallenriffe zerstört worden. Sie sind die Zentren der marinen Artenvielfalt, Laichgebiet und „Kinderstube“ für viele Meerestiere.
Marine Hitzewellen werden schon Mitte des 21. Jahrhundert im Jahresmittel 60 Prozent der Meere betreffen mit verheerenden Auswirkungen wie Fischesterben und den Totalverlust aller Korallenriffe. Mit der jetzt offiziellen Ankündigung des Wetterphänomens El Niño durch die Meteorologen droht, dass durch das bereits jetzt extrem aufgeheizte Klimafundament das kommende Jahr 2027 zum heißesten Jahr der Menschheitsgeschichte werden kann. Extreme Hitze, Dürren, Überschwemmungen und neue Temperaturrekorde der Meere wären das Ergebnis mit fatalen Folgen.
Die Aufheizung der Meere beschleunigt ihrerseits den mit der Klimakatastrophe kommenden Anstieg der Temperaturen in der Atmosphäre. Aktuell erleben wir in Deutschland bereits einen Vorgeschmack auf das, was die Wissenschaftler ankündigen – die zweite Hitzewelle des Jahres droht schon im Juni, die Rekorde zu brechen, während die heißesten Sommermonate uns noch bevorstehen.
Öl- und Gasmonopole: Treiber der Katastrophe
Die Offshore-Öl- und Gasfelder machen inzwischen fast ein Drittel der weltweiten Produktion aus. Ein Brennpunkt ist der beispiellose Ausbau von Infrastrukturen für Flüssiggas (LNG) im Korallendreieck in Südostasien. Das Korallendreieck erstreckt sich über sechs Nationen, darunter Indonesien, die Philippinen und Papua-Neuguinea. Es ist die Heimat von 76 Prozent aller weltweiten Korallenarten und sichert den Lebensunterhalt von 360 Millionen Menschen und stellt in der Region einen natürlichen Küstenschutz dar. Aber die Profitgier kennt keine Grenzen: 19 LNG-Terminals sind im Betrieb, geplant sind weitere 30 neue Projekte. Die dafür freigegebenen Gebiete überschneiden sich mit 210 000 Quadratkilometer Naturschutzgebiet, überlappen sich mit 24 Prozent der Korallenriffe, 22 Prozent der Seegraswiesen und 37 Prozent der Mangroven-Ökosysteme.¹
Anfang 2026 trat nach 20 Jahren Verhandlung das UN-Hochseeschutzabkommen in Kraft. Bis 2030 sollen 30 Prozent der Meeresflächen unter Schutz gestellt werden. Dieser immer wieder hochgelobte „Meilenstein“ interessiert die Monopole einen feuchten Dreck. Für ihre Profite zerstören sie die Meere.
Die Jagd nach Maximalprofiten macht diese Zerstörung heute zu einer Gesetzmäßigkeit: Die Expansionspläne der Öl- und Gasmonopole sehen die Steigerung der Förderung im Vergleich zu 2021 um ein Drittel vor. In den letzten drei Jahren gaben 15 Öl- und Gasmonopole jährlich 60,3 Milliarden US-Dollar für die Suche nach neuen Quellen aus, darunter zu mehr als 50 Prozent für gefährliche Ultra-Tiefsee-Projekte und Fracking.² Der auf dem COP28 in Dubai vereinbarte Fossilausstieg war nichts als Heuchelei und Lüge, um die Massen zu täuschen.
Klare Richtungsentscheidung notwendig!
Wie in so vielen Berichten der UN werden viele Fakten genannt und dringende Warnungen ausgesprochen. Über die Verursacher erfährt man nichts und die Entwicklung wird verharmlost. Stefan Engel kommt 2023 im Buch, „Die globale Umweltkatastrophe hat begonnen!“³, zu der Qualifizierung: „Die Weltmeere befinden sich in einem dramatischen Übergang zu irreversiblen Selbstzerstörungsprozessen mit kaum absehbaren Folgen für die gesamte Biosphäre.“ Diese Dramatik hat seither nur weiter zugenommen. Völlig lau endet der UN-Bericht damit, dass man Politikern nur die wissenschaftlichen Fakten vorlegen und ihnen nichts vorschreiben wolle. Dabei haben doch diese Politiker als Dienstleister der Monopole wissenschaftliche Erkenntnisse bisher in den Wind geschlagen.
Stefan Engel kommt hingegen zum Schluss: Die globale Umweltkatastrophe ist heute eine neue Gesetzmäßigkeit im imperialistischen Weltsystem geworden. Der Kampf für Umwelt- und Naturschutz muss deshalb eine Schule des gesellschaftsverändernden Umweltkampfes für den echten Sozialismus sein.