Glosse
„Make America Swamp Again“: Trump und das blaue Wunder
Ach, das schöne Washington. Das Lincoln Memorial, die Mall, der Reflecting Pool – ein Ort der Besinnung, der „Demokratie“ und vor allem: der Selbstreflexion. Donald Trump wollte dem Ganzen ein bisschen mehr „American flag blue“ geben.
Für den 250. Geburtstag der USA. Weil nichts so patriotisch ist wie ein Pool, der aussieht, als hätte Onkel Sam gerade eine Runde Schwimmen gemacht.
14 Millionen Dollar später – oder waren es 16? Wer zählt schon – strahlte der Pool in einem satten Blau. „Wunderschön, das stärkste Blau aller Zeiten“, twitterte der Präsident. „Niemand hat je so einen Pool gemacht. Die anderen Präsidenten? Total überbewertet.“
Zwei Wochen später: Der Pool ist grün. Nicht das frische Grün der Hoffnung, nein. Das matschige, algenverseuchte Grün eines vergessenen Gartenteichs. Dazu blättert die Farbe ab wie die Haut nach einem Sonnenbrand in Mar-a-Lago. Und plötzlich ist der Reflecting Pool nicht mehr ein Symbol für Reflexion, sondern für Reflexe – nämlich die von Trump, der sofort „Vandalen!“ brüllt.
„Sie sind nachts mit Messern gekommen! Schreckliche Leute! Wahrscheinlich Linke! Oder Chinesen! Oder beides!“, postete er. Fünf Festnahmen, sieben Verwarnungen, und die Beweise? „Kommt noch, vertraut mir.“
Klassischer Trump: Wenn etwas schiefgeht, ist es nie die eigene Idee. Nicht die Billigfarbe, nicht die falsche Firma („Green Water Solutions“ – wer denkt sich sowas aus?), nicht die mangelnde Planung. Nein, es sind die Saboteure. Die Sozialisten. Die Fake News. Die tiefen Staatsteiche.
Der Pool ist inzwischen ein perfektes Symbol für die ganze Präsidentschaft: Viel Tamtam, viel Blau, viel Versprechen – und am Ende schwimmt alles in der Brühe. Aber hey, vielleicht ist das der Plan. Ein grüner Pool als Mahnmal: Make America Swamp Again (Macht Amerika wieder zu einem Sumpf).
Man sagt, Wasser hat kein Gedächtnis. Dieser Pool schon. Und es erinnert sich an alles. Vor allem an den Mann, der es blau anmalen wollte – und dabei selbst baden ging.