Volkswagen
Dreister Generalangriff auf Belegschaften – jetzt darf kein Auto mehr vom Band rollen!
Jetzt ist die Katze aus dem Sack! VW-Vorstandschef Oliver Blume hat Anfang der Woche die Top-Führungskräfte über einen bisher nicht gekannten Generalangriff auf die Belegschaften informiert und sie auf seine radikalen Pläne eingeschworen. Bis zu 100.000 der weltweit rund 650.000 Arbeitsplätze stehen auf der Abschussliste.
An jedem VW-Arbeitsplatz hängen aber mindestens fünf andere. 500.000 Jobs sind akut gefährdet. Gleichzeitig verkündet auch Mercedes heute eine Ausbeutungsoffensive gegen die Belegschaften (siehe aktuellen Bericht).
Die Schließung der Werke in Emden, Zwickau, Hannover (Nutzfahrzeuge) und vor allem Audi Neckarsulm soll konsequent durchgezogen werden. Rote Fahne News und die Kollegenzeitung „Vorwärtsgang“ haben die ganze Zeit auf diese Horrorpläne hingewiesen. Klassenkämpferische Kollegen haben Vorstandsvorsitzenden Blume auf der Betriebsversammlung noch vor kurzem konfrontiert mit den durchgesickerten Plänen. Doch Blume schwieg. Er hatte nicht einmal den Mumm, der Belegschaft seine Pläne ins Gesicht zu sagen. Es wurde geleugnet, dementiert und als Panikmache verunglimpft. Aber es war alles richtig!
Ein hochrangiger Manager gibt offen zu: „Klar ist bei dem Ausmaß, dass es nicht ohne betriebsbedingte Kündigungen gehen wird.“ Das wäre ein Novum und gab es in diesem Ausmaß seit Jahrzehnten nicht in der Autoindustrie in Deutschland. Das zeigt, was die Kolleginnen und Kollegen von den Versprechungen des Vorstands halten können: Standortsicherung und Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen waren zugesagt – jetzt ist davon keine Rede mehr. Das ist offener Tarifbruch und Verrat an den Zusagen von 2024/2025.
Die Pläne sollen am 9. Juli im Aufsichtsrat besprochen und verabschiedet werden. Bis dahin mauert der Vorstand: „Kein Kommentar“. Ein Sprecher: „Die zu Grunde liegenden Sachverhalte werden in den zuständigen Gremien besprochen und verabschiedet.“ Die Belegschaften gehören also nicht zu den zuständigen Gremien und werden mal wieder ausgebootet. So liegen die Machtverhältnisse in Deutschland. Für die Belegschaften gibt es keinen Grund abzuwarten. Der Kampf um jeden Arbeitsplatz und Ausbildungsplatz muss sofort und nachdrücklich geführt werden!
Es geht VW nur um den Maximalprofit. Das ist aber kein Ausrutscher, sondern typisch für das Ausbeutersystem Kapitalismus!
Blume hatte Bundeskanzler Friedrich Merz bereits im Vorfeld über die drohenden Einschnitte informiert. Die stecken also unter einer Decke. Dass Regierung und VW hier zusammenarbeiten, macht deutlich: Wir Arbeiter müssen gegen die Ausbeutung durch Regierung und Monopole kämpfen.
Auch andere Konzerne haben ähnliche Pläne in der Hinterhand. Kurz vor Redaktionsschluss informierten Arbeiter Rote Fahne News über Angriffe der Mercedes-Kapitalisten auf die Arbeiter. (Mehr dazu hier). Wenn VW mit seinen Plänen durchkäme, wäre das ein Dammbruch für den Generalangriff auf die Arbeiterklasse!
Klassenzusammenarbeit gescheitert
In der Aufsichtsratssitzung am 9. Juli steht auch die Neugliederung bzw. Zerschlagung des Konzerns auf der Tagesordnung. Die Kernmarke VW soll verselbstständigt werden. Unter einer Holding sollen die Marken (Audi, Porsche, VW, Traton) gleichberechtigt hängen. Damit würde das VW-Gesetz ausgehebelt, das dem Land Niedersachsen ein besonderes Mitspracherecht sichert. Klassische Standortpolitik und „sozialer Arbeitgeber“ VW – alles passé. Die Klassenzusammenarbeitspolitik ist offen gescheitert.
IG Metall und Betriebsrat haben zu Recht scharf reagiert. IG-Metall-Chefin Christiane Benner, Bezirksleiter Thorsten Gröger und Betriebsratschefin Daniela Cavallo erklärten gemeinsam: „Sollten solche Pläne vorangetrieben werden, werden wir mit aller Macht verhindern.“ Es braucht die volle Entfaltung der gewerkschaftlichen Kampfkraft – und darüber hinaus die Klassenselbständigkeit der Arbeiterklasse mit einem konzernweiten selbständigen Streik und breiter Solidarität aus anderen Autowerken und den Werktätigen in ganz Deutschland und international.
Das Scheitern des alten Geschäftsmodells „Weltauto“
VW reagiert provokativ auf die weltweit tobende Vernichtungsschlacht. Der Ausbau der weltweiten Kapazitäten auf jährlich 12 Millionen Fahrzeuge hat sich als völlig unrealistisch erwiesen. 2025 produzierte VW nur noch 8,98 Millionen Autos. Vor allem der Aufstieg chinesischer Konzerne wie BYD hat einen gnadenlosen Konkurrenzkampf entfacht. VW-Chef Blume hat das alte Geschäftsmodell „Weltauto“ (in Deutschland entwickelt, in Europa gebaut, weltweit verkauft) praktisch beerdigt und setzt stattdessen auf lokale Produktion in Schlüsselmärkten. Das zeigt die offene Krise der Neuorganisation der internationalen Produktion.
Wie das Handelsblatt nicht ganz falsch feststellt: „Die nahezu gleichen Probleme sollte bereits ein Sparprogramm 2024 lösen. Passiert ist seitdem in der Substanz eher wenig.“ Das lag an der hohen Kampf- und Streikbereitschaft der VW-Belegschaften 2024. Zehntausende beteiligten sich an Protesten und Warnstreiks. Die Extra-Ausgabe der Kollegenzeitung „Vorwärtsgang“ enthüllte die Emden-Schließungspläne – der Vorstand musste damals vorerst zurückrudern. Denn die so oft totgesagte Arbeiterklasse hatte ihr Haupt erhoben!
„Intelligente Lösungen“ = Rüstungsproduktion?
Blume spricht von „intelligenteren Lösungen“ statt reiner Stilllegungen. Das Beispiel Osnabrück zeigt, wohin die Reise gehen soll: Einstieg ins Rüstungsgeschäft (z. B. militärische Transportfahrzeuge, Komponenten für Systeme wie Iron Dome). Ein Kollege aus Braunschweig warnt zu Recht: „Manch ein Kollege glaubt noch, dass das unsere Arbeitsplätze rettet. Ich glaub denen gar nichts mehr.“ und selbst wenn: der Umstieg auf Kriegswirtschaft kann durch keinen fortschrittlichen Arbeiter unterstützt werden! Das erklärten auch zahlreiche Gewerkschafter der Autoindustrie.
Jetzt handeln: Ein Vertrauensmann aus Kassel: „Viele haben gedacht, wir hätten jetzt fünf Jahre Ruhe. Jetzt kommt der offene Tarifbruch. Da hilft nur Streik. Wir brauchen auch Versammlungen und Erklärungen dazu.“
Die Belegschaften können auf den Erfahrungen von 2024 aufbauen. Nachdem damals ein fauler Kompromiss vereinbart worden war, sagten viele zu Recht: „Wir hätten richtig streiken müssen!“ Dafür ist jetzt die Stunde gekommen. Wegen des eingeschränkten Streikrechts braucht es neben gewerkschaftlichen auch selbständige Aktionen.
Die MLPD schlägt dazu u. a. als Forderungen und Losungen vor:
- Demonstrationen, Betriebsversammlungen und öffentlicher Druck
- Keine heimlichen Verhandlungen hinter verschlossenen Türen
- Für harte gewerkschaftliche und selbständige Streiks!
- Für einen selbständigen konzernweiten Streik gegen Werksschließungen und um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz!
- Kampf, bis die Horrorpläne vom Tisch sind!
- Für die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich als Konzernvereinbarung!
- Umstellung auf Kriegswirtschaft ist keine Alternative für Arbeiter und Arbeiterinnen!
- Einbeziehung der Familien, der Frauen, der Jugend und Kinder, genauso wie der Kleingewerbetreibenden und anderer – die Regionen stehen auf!
- Für ein allseitiges und vollständiges gesetzliches Streikrecht!
- Vorwärts zur Arbeiteroffensive! Vorwärts zum echten Sozialismus!
- Stärkt die Gewerkschaften als Kampforganisationen! Werdet Mitglied in den Betriebsgruppen der MLPD!
Bei den anstehenden gewerkschaftlichen Kampftagen der Ruhrpott-Rebellion gehört der Kampf um jeden Arbeitsplatz auf die Straße.
Jetzt darf kein Auto mehr vom Band rollen!
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