Georg Makowski zu Renten
Empfehlungen der Rentenkommission: Ein „unfassbares“ Gesamtkunstwerk
Meine Frau liegt mir ja immer in den Ohren, ich soll nicht immer die Bildzeitung lesen, sondern die Artikel auf Rote Fahne News. „Da ist aber mehr Sport drin,“ versuch ich mich immer rauszureden.
„Rote Fahne News erweitert Deinen Horizont“, meint sie. Also manchmal ist der mir aber zu groß. Gestern kam was zu den Renten. Als Rentner interessieren mich solche Artikel. Da muss ich mal ein Lob aussprechen: Die waren mit ihrer Einschätzung schneller als all die großen Blätter.
Hut ab. Interessehalber hab ich mir heute beim Kiosk außer Zigaretten und ein kühles Bier auch mal die Süddeutsche gekauft. Soll „anspruchsvoller Journalismus“ sein. War schon eine Überwindung, die schreiben immer so hochgestochen. „Merz und Bas: Vorschläge der Rentenkommission werden vollständig umgesetzt“ schreiben die. Wär’ ja mal was Neues, wenn die Regierung mit einer Stimme spricht. Für den Finanzminister und Co-Vorsitzenden der SPD, Lars Klingbeil, sind die „anscheinend einstimmig“ gefassten 33 Empfehlungen der Kommission schon „ein Wert an sich“. Ein recht bescheidener Maßstab zur Beurteilung ihrer Politik, finde ich. Das zeigt, wie tief die Regierung schon gesunken ist.
Kanzler, Arbeitsministerin und Finanzminister überschlagen sich beim Lob für die Empfehlungen der Kommission: „Diese Empfehlungen sind von allergrößter Bedeutung“ (Merz), „es ist ein Gesamtkunstwerk“ (Bas) und „eine gute Grundlage“ mit „unfassbarer Reichweite“ (Klingbeil). Also für mich ist das schon fassbar, was die wollen. Länger arbeiten, am besten bis Du in de Kiste springst, den Versicherungen und Banken unter die Arme greifen und dafür weniger Rente bekommen. Und das alles mit dem Versprechen, die Rente dadurch zu sichern und irgendwann mal wieder mehr Rente zu bekommen. In der Tat ist das „unfassbar“!
Überhaupt, wenn ich mir die Empfehlungen der Kommission anschaue, fällt mir der Vergleich mit einem Kunstwerk allerdings schwer. Haben wir nicht verdient, nach fast einem halben Jahrhundert Maloche, dass unsere Renten genauso steigen wie die Löhne und Gehälter? Und die sind eh schon viel zu niedrig. „Jetzt weißt Du auch, was die Bas unter ‚Kunstwerk‘ versteht: es ist die Kunst, uns Verschlechterungen mit der vagen Aussicht auf künftige Verbesserungen als was Positives zu verkaufen. So wie se dem Karl erzählen, die Vernichtung von hundert Arbeitsplätzen in seiner Bude sei was Gutes zur Rettung der Arbeitsplätze.“
„Aber es ist ja nicht alles schlecht, wat die vorschlagen. So sollen z.B. in Zukunft versicherungsfremde Leistungen aus der Staatskasse bezahlt werden und auch Abgeordnete künftig Beiträge zahlen müssen.“ „Das sind doch nur Feigenblätter, um das Gesamtpaket schmackhaft zu machen. Die haben nämlich Angst, dass den Arbeiterinnen und Arbeitern der Kragen platzt und nicht nur wie jetzt bei der Ruhrpott-Rebellion auf die Straße gehen, sondern die Brocken hinwerfen.“ „Meinst Du? Spricht deshalb die Bas davon, dass es kein ‚Rosinenpicken‘ gebe. Und der Klingbeil sogar nach dem Motto ‚Vogel friss oder stirb‘ die unwidersrpochene Zustimmung zu einer demokratischen Pflicht erklärt.“ „Da haste mal was richtig erkannt! Im übrigen bin ich auch gegen Rosinenpicken. Für mich gehört das gesamte Paket vom Tisch! Stattdessen sollten wir uns an der Ruhrpott-Rebellion beteiligen. Karl bringt seine Kumpels mit.“
Was bleibt mir anders übrig, als ihr mal wieder Recht zu geben, meiner Frau.