Wuppertal
Die Schändung der Gedenkstätte des KZ Kemna ist zwangsläufig politisch
Bereits am 30. Mai dieses Jahres wurden am Nachmittag zwei Bronzetafeln an der Gedenkstätte des KZ Kemna gestohlen. Der Runde Tisch fordert von der Polizei Wuppertal, dass die Möglichkeit eines politischen Hintergrunds nicht pauschal ausgeschlossen wird und ruft zu einem Ideenwettbewerb für eine Veranstaltung zum KZ Kemna in Radevormwald für die zweite Jahreshälfte auf.
Auch etwa 200 Menschen aus Radevormwald waren hier während der ersten Jahre des Terrors der Hitler-Faschisten unter widrigsten Umständen gefangen gehalten, misshandelt und gefoltert worden.
Das Mahnmal wurde zum 50. Jahrestag der Errichtung des Lagers gegenüber dem ehemaligen Fabrikgelände eingeweiht, wobei der Jugendring Wuppertal eine tragende Rolle hatte. Dieser erklärte nach der Tat völlig richtig: „Es steht für die Verantwortung, die Geschichte nicht zu vergessen.“ Barbara Herfurth-Schlömer, Theologin und Leiterin des Projekts für den geplanten Gedenk- und Lernort Kemna des evangelischen Kirchenkreises Wuppertal erklärte: „Wir verurteilen diese Tat auf das Schärfste. In einer Zeit, in der demokratische Werte und historisches Bewusstsein gestärkt werden müssen, ist ein solcher Vorfall besonders erschütternd." Der Runde Tisch gegen Rechts stimmt dem zu und erklärt: Die Schändung der Gedenkstätte ist objektiv ein Angriff auf die Erinnerung an den Hitler-Faschismus und die Würdigung seiner Opfer und des Widerstands.
Befremdlich finden wir die Reaktion der Wuppertaler Polizei: „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt liegen keine Hinweise vor, die auf ein religiöses oder politisches Motiv schließen lassen.“ Viel plausibler finden die Ermittler, dass es sich um Metalldiebstahl handele, denn die Tafeln waren aus Bronze und Bronze habe einen erheblichen Schrottwert.
Es ist erschütternd, dass die Polizei in einem Anschlag auf eine antifaschistische Gedenkstätte, die in der Vergangenheit schon das Ziel faschistischer Angriffe war, keinen Hinweis auf ein politisches Motiv zu erkennen imstande ist, und stattdessen (übrigens unseres bisherigen Kenntnisstands nach tatsächlich ohne Hinweis) einfach von einem Metalldiebstahl ausgeht – das Mahnmal also auf seinen Schrottwert reduziert. Wir fordern von der Polizei Wuppertal ernsthafte Ermittlungen, und das bedeutet auch einen möglichen faschistischen Hintergrund ernst zu nehmen!
Der Runde Tisch gegen Rechts hat bereits in der Vergangenheit Veranstaltungen im Zusammenhang mit dem KZ Kemna organisiert und sich aktiv an dem Gedenken beteiligt. Die Kemna ist Teil unserer Geschichte – Teil der Geschichte der faschistischen Unterdrückung und des antifaschistischen Widerstands im Bergischen Land.
Wir sehen uns durch diesen Anschlag herausgefordert, die grausame Wirklichkeit der faschistischen Diktatur nicht nur zu bewahren, sondern sie bewusster zu machen. Wir wollen für die zweite Jahreshälfte eine weitere Veranstaltung zum KZ Kemna organisieren und laden zur freiwilligen Mitarbeit ein und rufen zu einem Ideenwettbewerb auf – ob Jugendliche oder Senior:
Lasst uns gemeinsam dem Andenken an die Opfer und den Widerstand gegen den Faschismus die Geltung zu verschaffen, die sie verdient.
Alle zusammen gegen den Faschismus!
Eure Vorschläge und Ideen zu einer wirksamen und würdigen Aktion zum Gedenken an das KZ Kemna bitten wir Euch, per E-Mail an den Vorstand zu schicken.