Auswertung der GSA

Auswertung der GSA

Bedeutender Aufschwung der weltweiten Kämpfe im Mai 2026

Die Gesellschaft zur Förderung wissenschaftlicher Studien zur Arbeiterbewegung (GSA e. V.) erfasst und wertet die Kämpfe der Arbeiter und Volksmassen monatlich aus – auch gegen die Unterdrückung dieser Informationen durch die bürgerlichen Massenmedien.

Bedeutender Aufschwung der weltweiten Kämpfe im Mai 2026
1. Mai 2026 in Griechenland (rf-foto)

Im 1. Quartal 2026 erreichten die rund 57 Millionen an Streiks und Demonstrationen Beteiligten weltweit einen neuen Rekord. Im gleichen Zeitraum nahmen 2023 rund 35 Millionen Menschen an Kämpfen, Demonstrationen und Protesten teil. Mit rund 6,9 Millionen Beteiligten erfassten wir die höchste Teilnehmerzahl im Mai seit Jahren. Nicht nur der zahlenmäßige Aufschwung ist bemerkenswert. Auf allen sechs Kontinenten stehen die Menschen auf.

 

In den meisten Ländern waren die 1. Mai-Demonstrationen zunehmend von politischen und offensiven Forderungen geprägt. Schwerpunkte waren Proteste gegen Kürzungsprogramme der Regierungen – besonders in Form von „Arbeitsmarktreformen“ auf Kosten der Arbeiter. Protestiert wurde auch gegen die grassierende Arbeitsplatzvernichtung. Das war verbunden mit Forderungen nach höheren Löhne und besseren Arbeitsbedingungen. In den USA, wo der 1. Mai kein Feiertag ist, war eine Hauptparole der landesweiten Demonstrationen: „Workers Over Billionaires“ ("Arbeiter vor Milliardären").

 

In einer Reihe von Ländern richteten sich diese Streiks und Proteste für bessere Lebensbedingungen zunehmend gegen die gesamte Regierungspolitik und ihren oft faschistoiden Machtapparat. Besonders zugespitzt ist die Situation in mehreren lateinamerikanische Ländern. In Bolivien verschärfte sich die Polarisierung. Hetze und Unterdrückung durch die Herrschenden einerseits und unverminderte Proteste der Arbeiter- und Bauernbewegung. Die erweitere Vollversammlung des Gewerkschaftsdachverbandes Central Obrera Boliviana (COB) beschloss am 31. Mai, die Protest- und Blockademaßnahmen im Land aufrechtzuerhalten.

 

In Afrika verschärfte der Iran-Krieg die soziale Lage für die breiten Massen. Gegen das zunehmende Elend wächst der Widerstand. Ein Brennpunkt waren die Protesten gegen steigende Treibstoffpreise. So hieß es in Meldungen vom 20. Mai: „In den vergangenen Tagen setzte der Inselstaat der Komoren Preiserhöhungen für Kraftstoffe aus, nachdem es zu tödlichen Protesten gekommen war. Ein Streik von Minibusfahrern legte Mosambiks Hauptstadt Maputo lahm, nachdem die Dieselpreise um 46 Prozent gestiegen waren“. Streiks und Proteste in Afrika stiegen im Verglich zum April sogar sprunghaft von 8.820 auf 63.400 Beteiligte. Diese Entwicklung hält im Juni an.

 

Bemerkenswerte Entwicklungen zeichnen sich auch bei antimilitaristischen und antiimperialistischen Protesten ab. In Japan fand Anfang Mai die bisher größte antimilitaristische Kundgebung mit 50.000 Beteiligten statt. Ihr folgten noch drei Proteste mit insgesamt 20.400 Beteiligten allein in Tokio. In den Meldungen ist dazu von vielen örtlichen Aktionen die Rede. Auf jeden Fall entwickelt sich hier ein breiter Widerstand gegen den Kurswechsel zur offenen Kriegspolitik der Takaichi-Regierung. In Italien verbinden die Basisgewerkschaften in verschiedenen Aktionen den Protest gegen die Kürzungen im sozialen Bereichen mit dem Protest gegen gegen das Aufrüstungsprogramm der Meloni-Regierung.

 

Es gab in zahlreichen Ländern Demonstrationen zum Nakba-Gedenktag, organisiert von Palästina-Solidaritäts-Bündnissen. Mindestens elf Aktionen bzw. Proteste richten sich gegen den fortgesetzten Völkermord in Gaza. So in London eine sehr große Demonstration und sehr viele verschiedene Aktionen in Italien. Dort bringen die Basisgewerkschaften die Palästinafrage bei allen Kämpfen und Streiks ein.

 

Eine vielbeachtete Aktion der Umweltbewegung war die Sperrung der Brennerautobahn in Österreich für mehrere Stunden durch 5.000 Anwohner, die sich gegen die Auswirkungen vor allem des explodierenden Güterverkehrs auf Kosten ihrer Gesundheit wehren. Beachtlich war auch der Massenprotest in der Dominikanischen Republik gegen ein kanadisches Bergbauprojekt, was eine wichtige Wasserquelle bedroht. In den USA formiert sich lokaler Unmut gegen den Bau von Rechenzentren, weil sie so viel Wasser und Energie verbrauchen.

 

In Deutschland waren allein am 1. Mai rund 500.000 Menschen auf der Straße im Vergleich zu 400.000 im Vorjahr. Durchgängig wird berichtet, dass sich verstärkt junge Menschen aktiv beteiligten. Die Tarifauseinandersetzung wurden mit kämpferischen Warnstreiks begleitet – bei der Telekom, im Einzelhandel. Insgesamt nehmen knapp 87.000 an gewerkschaftlichen Streikaktionen teil. Das sind das Dreifache gegenüber dem Vormonat und das Doppelte zum Mai 2025.

 

Deutlich stiegen Proteste breiter Volksschichten an – nach unserer Erfassung beteiligten sich 216.000 gegenüber 157.000 im Vorjahr. So protestieren bundesweit die Sozialverbände zusammen mit Menschen mit Beeinträchtigungen gegen die „Sparpläne“ der Merz/Klingbeil Regierung. Dabei wurde der 1. Mai als Kampftag der Arbeiterklasse verstärkt genutzt, um über den gewerkschaftlichen Rahmen hinaus die eigenen Forderungen auf die Straße zu bringen.

 

An mehreren Orten haben die Faschisten mit eigenen Demonstration am 1. Mai zu provozieren versucht. Ihre bundesweite Mobilisierung blieb mit unter 1.000 Teilnehmern erheblich unter ihren Erwartungen. Ihr Auftritt stieß auf breite Empörung. Besonders in Essen stellten sich dem tausende Antifaschisten in einer bereiten Aktionseinheit entschlossen entgegen.

 

In ihrem Rote-Fahne-Interview Mai 2026 vom 19.5.26 fasst die Parteivorsitzende der MLPD, Gabi Fechtner, diese bemerkenswerten wesentlichen Veränderungen so zusammen: „Ein vorrevolutionärer Gärungsprozess ist im Gange“.