Briefwechsel zu „80 Jahre SED-Gründung“
"Leider kein Wort zu ehrlichen SED‑Mitgliedern, die für sozialistische Ideale eintraten"
Ende April 2026 veröffentlichten wir auf Rote Fahne News einen Artikel zum 80. Jahrestag der SED-Gründung.
Hier der Artikel, auf den sich der Breifwechsel bezieht: Vor 80 Jahren: Gründung der SED
Leserbrief aus Dresden
Liebe Freunde, vielen Dank für den Beitrag zum 80. Jahrestag der Gründung der SED. Viele wichtige Aspekte dazu werden in dem Beitrag festgehalten. Wirklich bedauerlich finde ich aber, dass kein Wort von einfachen, ehrlich überzeugten SED-Mitgliedern, die zwar den veränderten Charakter ihrer Partei nicht erkannten, aber bis zuletzt für ihre sozialistischen Ideale eintraten, verloren wird. Das Zitat: „Es war die ungenügende Festigung des sozialistischen Bewusstseins der Masse der Werktätigen und Parteimitglieder und die schwache demokratische Kontrolle über die Verantwortlichen in Leitungen, die es zuließen, dass die Bürokratie in Partei, Staat und Wirtschaft insgesamt kleinbürgerlich entartete und die SED auf den revisionistischen Weg lenkte“, stimmt zwar, aber für viele von ihnen ist eine Welt zusammengebrochen, als sie schließlich erkennen mussten, wie und wohin sich die SED entwickelt hatte. Das ehrliche Eintreten dieser Vielen darf doch nicht vergessen oder gar, durch Nichterwähnung, wie in dem Beitrag, weggeredet werden.
Der Autor antwortet (Auszug)
Tatsächlich wurde in der jungen DDR unter Führung der SED historisch Wichtiges geleistet. Auf dem Gebiet der DDR wurden 1946 unter dem Schutz der sozialistischen Sowejtuinion die Nazis aus ihren Ämtern als Lehrer und Richter usw. entfernt und den Kapitalisten die Verfügungsgewalt über die Großbetriebe und Banken entzogen. SED-Mitglieder standen auch an der Spitze der Aktivistenbewegung für den Aufbau des Sozialismus, an der sich bis Ende 1950 114 000 Leute insbesondere auch unter der Jugend und klassenbewusste Arbeiter beteiligten. ...
Natürlich gab es auch Genossinnen und Genossen in der SED, die in den 1950ziger Jahren meist mehr gefühlsmäßig bemerkten, dass in der Politik der "SED was nicht mehr stimmte". Sie waren aber durch die Verdrängung der weltanschaulichen Seite durch die SED, eine verbreite dogmatische Aneignung des Marxismus-Leninismus und der Geringschätung der dialektischen Methode ideologisch-politisch zu schwach, um den Verrat an den Grundsätzen des Sozialismus und die Restauration des Kapitalismus durch die SED spätetens seit 1956 zu erkennen. Sie haben sich pragmatisch angepasst oder wurden unterdrückt. ...
Die SED hielt zunächst an der Einheit Deutschlands fest und kämpfte darum. Mit dem Verrat an den Grundätzen des Sozialismus veränderte sich aber auch die Deutschlandpolitik der SED. Mit dem Bau der Berliner Mauer 1961 und die These der SED von den zwei deutschen Staaten verwandelte sie sich selbst zu einem Symbol der Spaltung Deutschlands. ...