Jetzt muss auch Ahmed Polad freikommen
Eva ist frei!
Gestern Abend konnte eine Delegation aus Famlienangehörigen, engen Freunden und ihrem Anwalt die seit dem 18. Januar 2026 in Syrien verschleppte und inhaftierte Kölner Journalistin Eva Maria Michelmann in Berlin begrüßen und in die Arme schließen.
"Es war ein überwältigender Moment am Flughafengate, als wir Eva Maria begrüßen konnten, und einigen der Umstehenden standen die Tränen in den Augen. Monatelang wussten ja Familie, Freunde und Anwälte noch nicht einmal, ob sie noch lebt", berichtet Rechtsanwalt Roland Meister im Gespräch mit Rote Fahne News. "Und jetzt war sie da, freigekämpft durch eine riesige Solidaritätsbewegung in Deutschland und anderen Ländern, endlich von der reaktionären syrischen Übergangsregierung freigelassen nach 150 Tagen Gefängnis, Folter, unmenschlichen Haftbedingungen. Es geht Eva Maria den Umständen entsprechend gut. Erst allmählich wird ihr klar, wie unermüdlich für ihre Freilassung gekämpft wurde.
Monatelang engagierten sich Mutter und Bruder von Eva Maria, die Eltern von Ahmed Polad und ihre Anwälte unermüdlich für die Freilassung von Eva und Ahmed. "Der Mutter von Eva ist es sehr wichtig, dass jetzt der Kampf um die Freilassung von Evas kurdischem Journalistenkollegen Ahmed Polad und weiteren politischen Gefangenen in Syrien mit unvermindertem Einsatz fortgesetzt wird", so Roland Meister.
Aus allen gesellschaftlichen Bereichen kamen und kommen die Unterstützerinnen und Unterstützer des Kampfs für die Freilassung von Eva und Ahmed. "Bekannte Menschenrechtsorganisationen und internationale Journalistenverbände wurden als Mitstreiter gewonnen und schlossen sich an, darunter der Deutsche Journalisten-Verband (DJV), das Committee to Protect Journalists (CPJ), die International Federation of Journalists (IFJ) und viele andere. Die prominenten Unterstützer waren unentbehrlich.
Unersetzlich waren aber auch hunderte von Mahnwachen, Kundgebungen, Veranstaltungen, Leserbriefe, Artikel und Posts. Besonders setzten sich hier die Initiative "Freiheit für Eva und Ahmed" und People's Bridge ein. Die kurdische Bewegung, insbesondere die Frauenbewegung, bezog die Forderung nach Evas Freilassung immer ein, wenn sie eine Kundgebung für die Freiheit politischer Gefangener durchführte. Auf dem 22. Internationalen Pfingstjugendtreffen war die Solidarität mit Eva und Ahmed ein großes Thema. Courage-Frauen organisierten eine lebendige Gesprächsrunde mit 70 Besucherinnen und Besuchern. So freuten sich die Courage-Frauen gestern auch besonders: "Wir freuen uns mit der Familie, mit der Solidaritätsbewegung über diesen Riesen-Erfolg und haben Rotraut (Evas Mutter) zum Empfang ihrer Tochter Willkommensgrüße vom ganzen Frauenverband gesendet." Auch MLPD und REBELL waren mit praktischer Solidarität voll beteiligt.
So wurde systematisch ein richtig großer Druck aufgebaut: auf die syrische Al-Jolani-Regierung und auf die deutsche Bundesregierung und ihr Auswärtiges Amt. Zuerst musste überhaupt erstmal erzwungen werden, dass die syrische Regierung die Inhaftierung von Eva und Ahmed zugab. Nach einem ersten Besuch bei Eva im Gefängnis am 23. April durch eine Mitarbeiterin des Auswärtigen Amts war erstmal wochenlang wieder Funkstille. Es hieß, Eva werde konsularisch betreut. Aber die Bundesregierung hätte doch ganz andere Mittel in der Hand gehabt.
Den Durchbruch brachte schließlich die Pressekonferenz am 29. Mai in Berlin. Dort hatte Rotraut Hake-Michelmann gesagt: "Ich will nicht, dass meine Eva und Ahmet enden wie Elisabeth Käsemann: Ermordet durch ein brutales Regime, preisgegeben für Wirtschaftsbeziehungen durch eine deutsche Regierung. Meine Tochter lebt und die Zeit zu handeln ist jetzt!“ Und Rechtsanwalt Roland Meister forderte: „Wir erwarten, dass die Bundesregierung, das Auswärtige Amt und die EU ihre Bemühungen für eine Freilassung deutlich und nachvollziehbar intensivieren.“
Den Vergleich mit der Ermordung von Elisabeth Käsemann griffen etliche große Medien auf. Ab da kam Bewegung in die Sache. "Man merkte: Syrien wollte Eva Michelmann jetzt los werden". Die letzte Woche war dann auch vonseiten von Auswärtigem Amt und Bundesregierung nicht mehr von "stiller Diplomatie" geprägt, sondern von deutlich gesteigerter Aktivität.
Die Bundesregierung hatte ja freundschaftliche Beziehungen zum Al-Jolani-Regime gepflegt - und pflegt sie heute noch - und hat mit dafür gesorgt, dass der ehemalige Al-Nusra-Führer von der internationalen Terrorliste gestrichen und zum G7-Gipfel eingeladen wurde. Siemens Energy empfing Al-Jolani bei seinem BRD-Besuch und man vereinbarte Millionen für Energie- und Wiederaufbaugeschäfte, unter anderem im Bereich Stromerzeugung und Gas-Kraftwerke.
Eva und Ahmet wollten darüber berichten, wie die Al-Jolani-Regierung den erneuten Vormarsch des faschistischen IS gegen die demokratische Republik Rojava betreibt. Das könnte einer der Gründe für ihre Inhaftierung gewesen sein. Der Kampf für die Freilassung von Eva und Ahmed war bzw. ist Teil des Kampfes gegen Faschismus und Krieg. Der Vorgang bestätigt auch, dass Syrien kein Land ist, in das man Flüchtlinge abschiebt. Anerkannten Flüchtlingen wird Asyl und Schutz wieder entzogen. Das ist gerade am heutigen Weltflüchtlingstag bedeutsam.
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