Neue Studie

Neue Studie

Ein Drittel der heutigen Lebensräume von an Land lebenden Tierarten bedroht

In der bürgerlichen Klimaforschung gibt es bedeutende materialistische Erkenntnisfortschritte – und doch keine Allseitigkeit der Betrachtung. Das kommt in einer neuen Studie des Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) zum Ausdruck.

Von Dr. med. Dieter Stein
Ein Drittel der heutigen Lebensräume von an Land lebenden Tierarten bedroht
Unverzichtbare Insekten - Bienen beim Brückenbau (fotolia)

"Ein Drittel der Lebensräume von an Land lebenden Tierarten bis 2085 von multiplen Extremereignissen bedroht" - so titelt das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) in einer Pressemitteilung über eine neue Studie.

 

»Etwa 36 Prozent der heutigen Lebensräume von Landtieren könnten bis 2085 mehreren unterschiedlichen Arten von klimabedingten Extremereignissen wie Hitzewellen, Bränden oder Überschwemmungen ausgesetzt sein. ... Der Klimawandel und insbesondere Extremereignisse werden in der Naturschutzplanung immer noch stark unterschätzt. Dabei geht es um so viel mehr als eine schleichende Veränderung der Temperatur“, sagt Stefanie Heinicke, Leitautorin der Studie und Postdoktorandin am PIK.

 

Bereits eine einzige Hitzewelle, Überschwemmung oder ein Flächenbrand kann Tierpopulationen dezimieren. Wenn mehrere Arten von Extremereignissen aufeinanderfolgen, verstärken sich die Auswirkungen auf Arten und Lebensräume. Eine Population, die bereits durch eine Dürre geschwächt ist, kann einem nachfolgenden Waldbrand oft nicht standhalten.

Auswirkungen der Klimakatastrophe auf die Biodiversität

Die Forscherinnen und Forscher wählten einen neuartigen Ansatz, um die Auswirkungen des Klimawandels auf die Biodiversität zu untersuchen: Sie nutzten Ergebnisse von Klimafolgenmodellen, die unterschiedliche Daten zu komplexeren Klimawirkungen, über die reine Erwärmung hinaus, liefern – etwa Projektionen zu Überschwemmungsgebieten und Waldbränden.

Weitere Ergebnisse der Studie unter Leitung des PIK

In einem Szenario ungebremster Erwärmung stellte das Team fest, dass im Jahr 2050:

 

  • 74 Prozent der Lebensräume von Hitzewellen bedroht
  • 16 Prozent von Waldbränden gefährdet
  • Und 8 Prozent von Dürren und 3 Prozent von Flussüberschwemmungen betroffen sind.

 

Zu den betroffenen Gebieten gehören besonders artenreiche Hotspots im Amazonasbecken, in Afrika und Südostasien. „Dass Waldbrände in unseren Prognosen eine so dominante Rolle spielen, ist ein entscheidender Befund“, sagt Katja Frieler, Ko-Autorin der Studie. „Mir ist keine andere Studie bekannt, die die Gefährdung von Tieren durch Waldbrände so konkret prognostiziert hat. Zu erkennen, dass Feuer in vielen Regionen eine größere direkte Bedrohung darstellen als Dürren, schließt eine entscheidende Wissenslücke in der Forschung“, so Frieler.

 

Zweifellos handelt es sich – durch diese Studie – um bedeutende naturwissenschaftliche Erkenntnisfortschritte: im Wesentlichen, dass die globale Erwärmung über (direkt) aufeinander folgende Extremereignisse wie Dürren und Brände oder Dürren und Fluten zu einer beschleunigten Dezimierung (und Sterben?) vieler Arten führen wird.

Welche Maßnahmen und Lösungen bieten die Forscher an?

»Gelänge eine rasche Emissionssenkung auf netto-null und eine spätere Abkühlung des Klimas in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts, wären 2085 statt eines Drittels nur 9 Prozent der Lebensräume von an Land lebenden Arten von multiplen Extremereignissen betroffen. „Wir können einen großen Unterschied bewirken, indem wir die Emissionen ab heute so schnell wie möglich senken“, so Heinicke.«

 

Kurz zu diesem unsäglichen „wir“, als ob “wir alle in einem Boot sitzen“: Die einen sitzen in einem maroden (Rettungs-?)Kahn – und die andern in einer Luxusyacht. Zu den sogenannten „Netto-null-Emissionen“ machen wir das Fass nur so weit auf, als dass zu deren Erreichen die unterirdische CO2-Speicherung und der verstärkte Einsatz der Atomenergie vorgesehen ist. Hier wird der Teufel mit dem Belzebub ausgetrieben.

 

Zur Allseitigkeit der wissenschaftlichen Betrachtung trug bereits 2011 das Buch »Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution« bei: „Die rücksichtslose Ausbeutung der Naturressourcen als eine Quelle des Reichtums, auf einem Niveau der systematischen und allseitigen Zerstörung der lebensnotwendigen Einheit von Mensch und Natur, (wurde durch die Neuorganisation der internationalen Produktion, ab Beginn der 1990er Jahre) erstmals zu einem ökonomischen Zwang“ (S.190/191).

 

Dieses Zitat verdeutlicht, dass die „möglichst schnelle Senkung der Emissionen“ gesetzmäßig mit der Überwindung des imperialistischen Weltsystems verbunden ist. Für den gesellschaftsverändernden Umweltkampf, der von Religion, auch über bürgerliche Naturwissenschaftler, bis zur Revolution reicht, sind die Erkenntnisse dieser Studie dennoch sehr wertvoll.