Donzdorf bei Göppingen
Breiter Protest gegen die Gründung des Landesverbands der Jugendorganisation der AfD
Etwa 750 Antifaschisten aus dem Spektrum von antikapitalistisch bis bürgerlich-demokratisch waren am Sonntag, dem 14. Juni in Donzdorf, einer Kleinstadt mit 9000 Einwohnern, um gegen die Gründung des Landesverbands der Jugendorganisation der AfD „Generation Deutschland“ zu protestieren.
Die AfD-ler wollten wohl im „ruhigen Hinterland“ ungestört tagen. Sie hatten aber die Rechnung ohne das „Offene solidarische Treffen Filstal“ und die Antifaschisten aus der Region gemacht. Mit ca. 100 Teilnehmern auf Seiten der AfD waren die Kräfteverhältnisse zwischen Antifaschisten und der „Generation Deutschland“ etwa 7:1. In den bürgerlichen Medien wurde dagegen vor allem über die AfD und kaum über den Protest berichtet. Diese Berichterstattung macht die AfD stärker als sie in Wirklichkeit ist. So jung waren die meisten Delegierten nicht und provokativ filmten sie ständig, geschützt von einem massiven Polizeiaufgebot, die Demonstranten. Die wiederum sorgten dafür, dass sie nicht ungestört tagen konnten. Gegründet haben sie ihren faschistischen Landesverband allerdings.
Die „Generation Deutschland“ ist eng verknüpft mit der AfD. Es gibt Doppelmitgliedschaft und finanzielle Abhängigkeit. Sie verknüpfen offen nationalistisch-völkische Rhetorik mit Methoden des modernen Faschismus. So sagte Sandro Scheer, AfD-Landtagsabgeordneter, in seinem Grußwort: „Der Mantel der Geschichte weht an uns vorüber, ergreifen wir ihn, halten wir ihn fest und lassen ihn nicht mehr los, ... bis die Zukunft unserer Heimat, bis die Zukunft unseres Volkes, bis unsere Nation, bis unser geliebtes deutsches Vaterland gerettet ist.“ Zugleich gab sich der neu gewählte Landesvorsitzende Benjamin Götze aus Schwäbisch Hall jugendfreundlich und modern. „Wir wollen weg vom verstaubten Image als Partei der alten Herren“ und: „Wir wollen eine selbstbewusste und ernst zu nehmende Jugend aufbauen“. Die völkisch-nationalistische Demagogie überließ er anderen und bot ein voll getarntes Programm an: Körperliche Fitness, einen Literaturkreis, sich zum Fußball treffen, Wanderungen und Zeltlager mit Actionspielen.
Sowohl das OST (Offenes Solidarisches Treffen) als auch ein breites Bündnis um das KGN (Kreis Göppingen Nazifrei) riefen zu Kundgebungen auf. Vor allem der direkt vor der Stadthalle gelegene Versammlungsplatz des OST füllte sich rasch mit überwiegend jungen Antifaschisten, die sich nicht mit der Losung zufriedengeben wollten „Nett hier – so soll´s bleiben. Demokratie verteidigen.“ Unter diesem Motto fand die zweite Kundgebung statt.
Schon die Genehmigung der Stadthalle durch die Stadtverwaltung Donzdorf für den Gründungsakt dieser faschistischen Jugendorganisation, die sich ausdrücklich am völkischen Höckeflügel der AfD orientiert, war falsch und wurde von den Kundgebungsteilnehmern angeprangert. Neben den antifaschistischen Parolen wie „Donzdorf nazifrei! Ob Ost, ob West – nieder mit der Nazipest! Siamo tutti antifacisti!“ gab es auch klassenkämpferische Parolen wie „Rassistisch, sexistisch, neoliberal – AfD - Partei fürs Kapital! Hoch die Internationale Solidarität! One Solution – Revolution!“ Vielen Antifaschisten ist mittlerweile klar, dass der Faschismus untrennbar mit dem herrschenden Kapitalismus verbunden ist und dieser überwunden werden muss.
Dass die Parole der sozialistischen Jugendbewegung „Jugend - Zukunft - Sozialismus!“ nur von einem Teil der Teilnehmer und Teilnehmerinnen mitgerufen wurde, zeigt, dass über die Alternative zur kapitalistischen Gesellschaft und den Weg dahin noch verschiedene Meinungen bestehen. Geht das über Transformation und antiautoritäre Strukturen oder braucht es den Klassenkampf und die sozialistische Revolution unter Führung einer revolutionären Partei?
Mit dem Verkauf des Rebell-Magazins und des Kampfprogramms gegen die Vorbereitung eines Dritten Weltkriegs brachten sich Rebellen und MLPD-Genossen in diese Auseinandersetzung ein.