Zwei Pressemeldungen
Wohnen in München
In München gibt es seit vielen Jahren eine Zeitung namens BISS. Das kommt von "Bürger in sozialen Schwierigkeiten".
Das Magazin wird von fest angestellten Verkäufern auf der Straße, an U-Bahnstationen und in Kneipen verkauft. Manche der Verkäufer leben auf der Straße, andere haben sich mit großer Mühe zu einer meist mehr als bescheidenen Unterkunft hochgearbeitet. Als vor einigen Jahren ein großes ehemaliges Frauengefängnis zur weiteren Verwendung ausgeschrieben wurde, hat sich BISS mit einem sorgfältig ausgearbeiteten Konzept beworben. Das BISS-Netzwerk wollte in der Immobilie ein Hotel betreiben, in dem junge Leute aus nicht gut betuchten Münchner Verhältnissen hätten eine Ausbildung im Hotelfachgewerbe machen können. BISS gewann die Ausschreibung trotz gegenteiliger Beteuerungen der Stadtspitze nicht. Ein Investor ließ das Gebäude erst jahrelang leerstehen und baute dann darin, ja was wohl, Luxus-Eigentumswohnungen.
Die neueste Ausgabe des BISS-Magazins widmet sich dem Thema "Bezahlbar wohnen". In der Kolumne "Wie ich wohne" erzählt eine dreiköpfige Familie von ihrer Unterbringung in einer Einrichtung für obdachlose Familien. "Es sind drei Betten in dem länglichen Zimmer mit Fenster, dazu ein Schrank und ein Tisch mit drei Stühlen. Für mehr ist kein Platz. Das Wohnungsamt hat uns hier untergebracht, nachdem unser Vermieter den Mietvertrag nicht verlängern wollte. Vier Jahre hatten wir in einer Wohnung gelebt, die auch nur ein Zimmer hatte, allerdings war der Schlafplatz durch einen Schrank getrennt und auch die Küche und das Bad waren separat. Hier müssen wir uns das kleine Badezimmer mit der Nachbarfamilie teilen. Die Gemeinschaftsküche ist für alle 21 Familien auf der Etage gedacht. Wie auch in den Hausfluren hängt hier ein langer, schmaler Papierstreifen von der Decke, an dem Hunderte verendeter Fliegen kleben."
Und jetzt die spannende Frage: Was kostet die Miete hier? Antwort: 575 Euro. Schon als Gesamt-Monatsmiete wäre das ein stolzer Preis. Aber es ist nicht die gesamte Monatsmiete. Es ist der Preis pro Person!
Im Jahresbericht des Gutachterausschusses der Stadt München geht es auch um Wohnen, weniger beengtes Wohnen. Die teuerste jemals in München verkaufte Eigentumswohnung hat eine Wohnfläche von 515 Quadratmetern, liegt mitten in der Altstadt und wechselte im vergangenen Jahr den Besitzer. Für 26,5 Millionen Euro, was einem Quadratmeterpreis von 51.450 Euro entspricht.
Diese Dekadenz schreit doch zum Himmel! Nein, nicht zum Himmel, dort hört sie keiner, sie schreit nach einem gesellschaftsverändernden Kampf um echten Sozialismus!