Erfurt
Widersetzen gegen den AfD-Parteitag: Haustürgespräche, Stadtversammlungen und morgen ein Mega-Zoom
Die Bewegung „Widersetzen“ ist ein breites, solidarisches Bündnis mit überparteilichem Charakter und entsprechenden Prinzipien. Formell verantwortlich ist die „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten“ (VVN-BdA).
„Es gibt keine Neutralität gegenüber dem Faschismus. Wer heute keinen Widerstand leistet, erwacht morgen in einer Diktatur.“ So heißt es auf der Homepage von „Widersetzen“. Die Bewegung ist im Kampf gegen den AfD-Parteitag in Essen vor zwei Jahren entstanden. Hauptmethode war und ist neben Demonstrationen der „zivile Ungehorsam“ – eben „widersetzen“. In Riesa im Januar 2025 wurde der AfD-Parteitag um Stunden verzögert und im November 2025 in Gießen war der Gründungskongress der AfD-Jugend um die Mittagszeit noch nicht beschlussfähig.
Die nächste Stufe ist Erfurt am 4. Juli, wo bis zu 60.000 Menschen sich dem Parteitag widersetzen werden. Dieser Parteitag fordert ganz besonders zum Widerstand heraus: Erfurt ist die Stadt, wo der Faschisten-Häuptling Björn Höcke Fraktionsvorsitzender im Landtag ist. Und das Datum des Parteitags liegt exakt 100 Jahre nach dem Thüringer Parteitag der NSDAP.
Bemerkenswert ist die Hinwendung von Widersetzen zur Überzeugungsarbeit unter der Bevölkerung. In Riesa war das noch ein Schwachpunkt, in Gießen wurden erstmals Haustürgespräche organisiert. Jetzt ist daraus eine Massenbewegung geworden. Bereits im April mit der bundesweiten Konferenz in Erfurt starteten Dutzende Aktivisten die systematisch organisierten Gespräche in den Wohngebieten. Anfang Juni waren bereits 5000 bis 6000 Gespräche geführt – mit guten Erfolgen. Ziel für Erfurt sind 60.000 Gespräche, damit würde die Mehrheit der Haushalte erreicht.
Daran beteiligen sich auch die MLPD und der REBELL, die im Stadtteil Rieth im Erfurter Norden die Verantwortung für die Koordinierung der Gespräche übernommen haben. Widersetzen macht in Erfurt und vielen anderen Städten Stadtversammlungen mit hunderten Teilnehmern.
In Erfurt ist zusätzlich ein eigenes, noch breiteres Bündnis entstanden: „Zusammenstehen“. Hier werden die öffentlichen Proteste in der Stadt am 4.7. koordiniert. So wird es Kundgebungen, Konzerte, Infopoints und Demonstrationen in der gesamten Innenstadt von Erfurt geben. Um 6 Uhr früh startet die erste Demonstration vom Hauptbahnhof zur Messe, wo der AfD-Parteitag stattfindet, um 10 Uhr die zweite.
Regelmäßig berichten bei „Zusammenstehen“ die Arbeitsgruppen für besondere Aufgaben oder für verschiedene Plätze in der Stadt bei gemeinsamen Plenen. Hier arbeiten unterschiedliche Parteien, Organisationen und Bewegungen zusammen, bis hin zu dem Bündnis „Weltoffenes Thüringen“, in dem auch Monopolkonzerne wie Carls Zeiss Jena vertreten sind. So werden am 4.7. auch alle Kirchen in der Innenstadt geöffnet sein, als Ruhe- und Schutzräume. Die MLPD hat im Rahmen des Bündnisses die Verantwortung für einen Hotspot übernommen.
Aktuelle Informationen zu widersetzen und zu den Protesten in Erfurt am 4. Juli gibt es beim „Mega-Zoom“ am 9. Juni um 19 Uhr – dazu ist eine Anmeldung über die Homepage von Widersetzen nötig. Es werden wieder Tausende Teilnehmer erwartet.