Kulminationen 2026

Kulminationen 2026

Vorboten eines Generalangriffs auf die Mercedes-Benz-Belegschaften weltweit?

Anfang Mai wurde Mercedes-Chef Källenius beim Gesamtbetriebsrat vorstellig und stellte dreiste Forderungen. Gerade erst vor einem Jahr wurde ein Krisenprogramm durchgepeitscht, dass jährlich 5 Milliarden Euro umverteilt. Und das angeblich Arbeitsplätze bis in die 2030er Jahre sichern sollte. Hat ja lange gehalten ...

Von der MLPD Stuttgart
Vorboten eines Generalangriffs auf die Mercedes-Benz-Belegschaften weltweit?
Das Daimler-Werk in Stuttgart-Untertürkheim (foto: MSeses (CC BY-SA 3.0))

Was Källenius genau will, ist noch nicht öffentlich. Offenbar fällt es der Management-Propaganda schwer, wie sie gegenüber den Kollegen den nächsten Angriff rechtfertigen soll. Der Gesamtbetriebsrat wies die Forderungen zurück und weigerte sich, die Hiobs-Botschaften selbst zu überbringen. Das ist richtig. Aber nicht richtig ist es, jetzt 1,5 Monate abzuwarten. Gerade wenn der Vorstand noch rumeiert, muss die Klarheit, das Selbstbewusstsein und die Front der Kollegen aufgebaut werden. 

 

IG Metall-Vertrauensleute aus Stuttgart malten zum 1. Mai ein Transparent: „Wir sind kampfbereit!“ mit dem Zeichen der Bundesstraße B10, die sie bereits 2004 selbständig besetzten. Das weist den Weg. Aber es ist auch 22 Jahre her, und es gilt, das Kämpfen wieder zu trainieren. Ein gewerkschaftlicher Kollege sagt: „Bundesstraße besetzen ist so Klimakleber-mäßig. Es trifft ja unschuldige Autofahrer.“ „Willst du im Pausenraum protestieren, Kollege? Straßen besetzen bedeutet zuerst, dass wir die Arbeit niederlegen. Das trifft den Vorstand als Verantwortlichen mit voller Wucht. Wenn wir dann demonstrieren, bekommt es die Republik mit. Und die große Mehrheit wartet doch darauf, dass endlich jemand in die Offensive geht gegen die Politik der Regierung und der Konzerne. Das können wir Mercedes-Kollegen. Das hat die Geschichte bewiesen. Die sogenannten Zukunftsvereinbarungen halten maximal ein Jahr. Mit unseren Streiks haben wir die 35-Stunden-Woche und die Lohnfortzahlung über Jahrzehnte verteidigt!“

 

Nun titelte die Stuttgarter Zeitung am 4. Juni 2026 „US-Gesetz bedroht Mercedes: Droht das Aus für den Konzern in Amerika?“ Ein Ausschuss des US-Repräsentantenhauses hat Ende Mai einen Gesetzentwurf beschlossen, dass scharfe Sanktionen gegen Autohersteller vorsieht, die zu mindestens 15 Prozent von „ausländischen Gegnerstaaten“ kontrolliert oder gehalten werden. Die größten Aktionäre bei Mercedes sind die Chinesen BAIC und Geely, die zusammen 20 % halten. Die Maximal-Sanktionen sehen ein Verbot von Produktion und Verkauf in den USA vor. Das wäre natürlich eine krass tiefe Verwerfung der globalen Produktion. 160.000 Arbeitsplätze hängen in den USA direkt und indirekt an Mercedes. Die USA ist der zweitgrößte Verkaufs-Markt für Mercedes-PKW.

 

Es deutet sich an, dass der Vorstand damit weltweit die Angriffe auf die Belegschaft rechtfertigen will. Nach dem Motto „Wir können auch nichts für den Druck der US-Regierung. Jetzt müsst ihr uns helfen, damit wir überleben.“ Und damit rechtfertigt man dann Arbeitszeitverlängerungen auf 40h-Woche, Verlagerungen von Produkten oder gar ganze Werkschließungen, worüber es Gerüchte (East London/Südafrika, ein Werk in Deutschland, Verkauf von Ludwigsfelde an einen Rüstungs-Konzern) gibt. Das werden die Mercedes-Kollegen nicht hinnehmen.

 

Zu den Hintergründen dieser Entwicklungen analysiert Gabi Fechtner, Vorsitzende der MLPD: „Die Neuorganisation der internationalen Produktion geriet mit dem Ausbruch der Weltwirtschafts- und Finanzkrise 2008 in eine offene Krise. Diese vertieft und verschärft sich beschleunigt. Die zwischenimperialistische Vernichtungsschlacht um Rohstoffe, Machtsphären und die Aufteilung von Einflussgebieten verschärft sich. Das ist letztlich die Quelle für den Übergang zu Faschismus, Krieg, sozialer Not und Umweltzerstörung. Einerseits brauchen die Monopole den offenen Weltmarkt und eine führende Stellung, um ihre Maximalprofite zu generieren. Andererseits wird der Weltmarkt immer enger und die Nationalstaaten der immer zahlreicheren imperialistischen Mächte setzen zunehmend auf Protektionismus, um die Interessen ihrer Monopole durchzusetzen. Dieser Widerspruch ist unlösbar für die Herrschenden und drängt zum nächsten gesellschaftlichen Schritt vorwärts, den vereinigten sozialistischen Staaten der Welt.“

 

Warum sollen die Kollegen sich jetzt an ihren in tiefen Strukturkrisen verstrickten Konzern ketten? Tatsächlich ist die - vermutlich aus dem Mercedes-Management eingeflüsterte - Zeitungs-Schlagzeile auch Panikmache. Zum einen berichten mehrere US-Medien (z.B. CNBC), dass der Gesetzentwurf viele Grauzonen beinhaltet, solche Gesetze oft nicht durchkommen und z.B. Volvo (auch im chinesischen Mehrheitsbesitz) gerade erst einen Deal zur Produktion in den USA geschlossen hat. Zum anderen wird eben, wie so oft bei Trump, gedealt. Hier die Peitsche, dort das Zuckerbrot der Unterordnung unter die faschistische Regierungspolitik. Und die will Mercedes offenbar mitmachen.

 

Im Januar 2025 traf sich Källenius mit dem heutigen US-Handelsminister Lutnick. Lutnick habe ihm vorgeschlagen „Mercedes in die USA umzuziehen“ und „ihm fast jede Standortbedingung geboten, von der mein Finanzchef nur träumen kann. … So ein Gespräch habe ich noch gar nie mit einem Politiker geführt.“ (The Pioneer, 28.1.26) Mercedes ist in einer Zwickmühle der imperialistischen Widersprüche zwischen den USA und China. Es deutet vieles darauf hin, das der Vorstand das voll auf die Belegschaften abladen will durch eine Erpressung. Nur wenn ihr euch mehr ausbeuten lasst, verlagern wir weniger in die USA. Umgekehrt wird den amerikanischen Kollegen Angst und Bange gemacht. Zudem zahlen die amerikanischen Steuerzahler für mögliche milliardenschwere Subventionen der US-Regierung an Mercedes.

 

Angesichts dieser globalen Verwerfungen im Kapitalismus sind die Mercedes-Kollegen gut beraten, den konsequenten Interessen der internationalen Arbeiterklasse zum Durchbruch zu verhelfen.