Milliardengrab
Stuttgart 21 erneut gescheitert: Eröffnung Ende 2031
Die alten Ägypter brauchten 20 Jahre für den Bau der Cheopspyramide. Stuttgart 21 wird es mindestens auf 21 Jahren bringen.
Die Ägypter hatten es auch einfacher: Tausende Sklaven mussten „nur“ Millionen von Tonnen Steinblöcke aufschichten. Die Digitalisierung war noch kein Thema und es gab keine Kabel zu verlegen.
Bei Stuttgart 21 dagegen müssen jetzt Millionen Meter Kabel wieder aus den Schächten herausgezogen werden. Gerade erst unter Termindruck voreilig verlegt, passen sie leider nicht zur geplanten Digitalisierung. Diese muss in Verbindung mit dem Zugsicherungssystem ETCS für den Bahnknoten Stuttgart mit 500 km Strecke erst noch entwickelt werden. Nicht kleckern, sondern klotzen: So muss auch gleich das neue Funksystem „Future Railway Mobile Communication System“ her, noch nicht ausgereift und in ganz Europa nicht erprobt. Mit ETCS verbinden die S21-Betreiber die bange Hoffnung, eine engere Zugfolge hinzubekommen. Damit gestehen sie die Grundsatzkritik an der zu geringen Kapazität von S 21 ein.
Doch ist das schon Alles? Das Managermagazin zitiert aus einem internen Bericht vom 25. März an den Aufsichtsrat der Bahn über neue Unbill: „Es ist mit deutlichen Mehrkosten auszugehen“. 15 statt bisher 11,5 Milliarden stehen aktuell im Raum. Dazu gesellt sich eine lange Mängelliste: Probleme mit der Belüftung der Halle, mit der Notstromversorgung, Risse im Bodenbelag der Bahnsteige und ein zu kleines Technikgebäude. Die Abhängung der Zwischen- und Zugangsebene über den Gleisen wirft Fragen auf. Wieder ist es der Brandschutz, ohne konkrete Angabe. Ob die Stahl-Aufhängungen genügend, d.h. 90 Minuten gegen Feuer geschützt sind?
Die Krise der bürgerlichen Gesellschaftswissenschaften, der Religion und der Kultur
202 Seiten
19 €
Jetzt also die Bankrotterklärung: Eröffnung frühestens Ende 2031! Weitere fünf Jahre Fernwanderweg, Baustellen – und Verkehrschaos, weitere Jahre Milliarden Fehlinvestitionen wie in zusätzliche 24 km Tunnel. „Rechnet man die Folgeprojekte dazu, kommt man auf rund 25 Milliarden Euro“, so die SWR-Doku vom 11.06.2026. Damit hätte in ganz Baden-Württemberg der Bahnverkehr modernisiert und elektrifiziert werden können. Damit hätte man 20 Jahre lang kostenlosen Nahverkehr in Bus- und Bahn im Ländle haben können.
Was ist das für ein System, in dem solch eine ungeheure Verschwendung von Ressourcen ohne Nutzen für die Allgemeinheit herauskommt, wo die Verkehrspolitik von den Autokonzernen beherrscht wird und die lebenswichtige Infrastruktur Bahn in einen katastrophalen Zustand getrieben wurde? Ein System, für das im Größenwahn ein Immobilien- und Prestigeprojekt mit Lügen, Betrug, Trickserei und Gewalt gegen jede Vernunft und Kritik immer noch weiter durchgedrückt wird? Für die Ex-Kanzlerin Angela Merkel sollte Stuttgart 21 die Zukunftsfähigkeit Deutschlands beweisen, gegen Zweifel an die Zukunftsfähigkeit des kapitalistische Systems.
Und nun das Desaster. Das zeigt auch die Krise der Ingenieurwissenschaften. Unter der Prämisse des Profits und dem Druck des drohenden Prestigeverlusts geht die Beherrschung der ungeheuren Komplexität eines solchen Vorhabens verloren. In einem sozialistischen System kann eine umweltgerechte Mobilität für Menschen und Waren ganz anders allseitig geplant werden. Alles Wissen der Ingenieure, die Erfahrungen der Arbeiter und aller Fortschritt der Technik kann zum Nutzen von Mensch und Natur zum Zuge kommen. Gerade hier kann die Überlegenheit einer planmäßigen Wirtschaft ausgespielt werden.
Wie geht es im Widerstand weiter? Die „europäischen Fernwanderwege“, größter Ärger, die die Pendler zum täglichen Spurt zu den Zügen zwingen, müssen sofort geändert werden. Im Aktionsbündnis wird ausgearbeitet, wie man direkt zu den bestehenden Bahnsteigen gelangen kann. Weiter kämpfen wir darum, dass der Kopfbahnhof mit seine 16 Gleisen dauerhaft erhalten bleibt und gründlich saniert wird, ohne, mit oder mit Halb-Betrieb von S 21. Nur so kann ein künftig verdoppelter Bahnverkehr den Umstieg vom Auto bewirken. Den braucht es im Kampf gegen die Klimakatastrophe. Dabei vergessen wir auch die Forderung nach Nulltarif nicht.
Hier gibt es eine Beschreibung der Fernwanderwege am Stuttgarter Hauptbahnhof.