Völklingen und Berlin

Völklingen und Berlin

Stahlarbeiter demonstrieren für ihre Arbeitsplätze

Am Freitag, dem 12. Juni 2026, demonstrierten 8500 Stahlarbeiter in Völklingen für ihre Arbeitsplätze. Und ca. 1700 Kolleginnen und Kollegen (alleine 600 aus Salzgitter) aus 40 Stahlbetrieben sind in Berlin mit einer kämpferischen Demonstration zum Wirtschaftsministerium gezogen.

Korrespondenz
Stahlarbeiter demonstrieren für ihre Arbeitsplätze
Stahlarbeiter-Demonstration am 12. Juni in Berlin (rf-foto)

Stahlarbeiter in Schmelzermänteln oder als Wikinger mit der „Streikaxt“ und viele IG-Metall-Fahnen prägten das Bild. Dieser „Boxenstopp“ (Motto der Kundgebung) zeigte: Sie haben eine Wut auf die Bundesregierung, insbesondere auf Wirtschaftsministerin Katherina Reiche. Ein Kollege aus Salzgitter meinte: „Wie der Name schon sagt, macht sie Politik für Konzerne und Reiche, aber nicht für uns einfachen Beschäftigten!“ Ein anderer meinte: „Es ist geil, mit Kollegen aus den anderen Betrieben gemeinsam zu kämpfen. Wir stehen schließlich vor denselben Problemen!“

 

Kollegen aus Duisburg machten sich nachts auf den Weg, um pünktlich dabei zu sein. Azubis von Thyssenkrupp malten extra ein Transparent mit der Forderung zur unbefristeten Übernahme nach der Ausbildung. Oder ein Schild: „Rebellion gegen die Regierung und Stahlkonzerne!“ Dieser Protest richtete sowohl gegen die Bundesregierung als auch gegen die Vorstände der Stahlkonzerne. Ein kurzer Zwischenstopp bei der Charité Berlin wurde eingelegt und die volle Solidarität mit den Beschäftigten ausgesprochen. Gegen die Pläne der Regierung einen Kahlschlag im Gesundheitswesen.

 

Gleichzeitig kann man das Motto der IG Metall: „Unser Stahl. Deutschlands Stärke!“ nicht unterstützen. Gerade Jürgen Kerner vom IG-Metall-Vorstand spricht vom gemeinsamen Kampf mit den Stahlkonzernen für die besten Bedingungen zur Produktion und Subventionierung der Konzerne, für die Umstellung auf umweltschonendere Produktionsverfahren, wie z.B. Direktreduktion. Dazu fordert er weitere drastische Importzölle und Einfuhrbeschränkungen und eine Aufweichung der CO2-Reduzierung. Das sind sozialchauvinistische Töne, die zu kritisieren sind.

 

So durften neben kämpferischen Beiträgen aus verschiedenen Betrieben, auch die Arbeitsdirektorin von Salzgitter und der Arbeitsdirektor von ArcelorMittal sprechen. Sie jammerten über die Regierung, dass sie nicht langfristig ihre Maximalprofite absichern will. Dabei orientierten sie auf die „Resilienz“ und Bedeutung des Stahls für „Verteidigung“. Sie meinten die Kriegsproduktion, für die der ungehinderte Zugriff auf Stahl notwendig ist. Kein Wunder, dass dafür auch Kollegen von der Arbeit freigestellt wurden, um nach Berlin zu fahren.

 

Nicht wenige Kollegen wunderten sich, dass die überhaupt auf einer Arbeiterkundgebung sprechen dürfen, während sie in den Betrieben Tausende von Arbeitsplätzen vernichten. Es zeigt, dass unter den Stahlarbeitern und in der IG Metall weiter Klärungsbedarf besteht, dass Regierung und Konzerne in die Schusslinie genommen werden müssen. So vernichtet ThyssenKrupp - gedeckt mit dem Sanierungstarifvertrag - 11.000 Arbeitsplätze. Ein Kollege aus Duisburg meinte dazu in Berlin: „Dass Vorstände hier sprechen dürfen, ist eine Frechheit. Wir verzichten seit Anfang des Jahres auf Geld und der Konzern setzt seine Pläne zur Arbeitsplatzvernichtung ungehindert fort.“

 

Das gilt es jetzt weiter zu verarbeiten, dass die Konzerne nicht die Verbündeten der Arbeiter, sondern ihre Gegner sind. Und mit der Vorbereitung der Ruhrpott-Rebellion zu verbinden. Den Gedanken einer Rebellion gegen diese kapitalistischen Zustände fanden Kollegen aus Eisenhüttenstadt genau richtig. Sie wollen darüber in der Gewerkschaft beraten, dass auch bei Ihnen eine Rebellion organisiert wird. Dazu gehört auch die weitergehende Diskussion über selbständige und gewerkschaftliche Streiks und die sozialistische Perspektive.