Leserbrief zu rassistischen Pogromen in Belfast
Rassistische Pogrome haben Wurzeln im loyalistischen Millieu
Ein Leser aus Cork in Irland schreibt zur Korrespondenz "Rassistisches Pogrom in Belfast und weiteren Städten", die am gestrigen Donnerstag, 11. Juni, auf Rote Fahne News erschienen ist:
Die Berichterstattung über die rassistischen Pogrome in Belfast ist grundsätzlich richtig und wichtig. Insbesondere die klare Verurteilung der faschistischen Gewalt und die Solidarität mit den Opfern verdienen volle Unterstützung.
Gleichzeitig erscheint es mir jedoch notwendig, den spezifischen nordirischen Hintergrund stärker herauszuarbeiten. Die aktuellen Pogrome entstanden nicht im politischen Vakuum. Ein erheblicher Teil der Mobilisierung ging von traditionellen loyalistischen Milieus und Gebieten aus.
Diese verfügen über eine lange Geschichte reaktionärer und sektiererischer Gewalt. Organisationen wie UVF (Ulster Volunteer Force, Anm. d. RF-Red.) und UDA (Ulster Defence Association, dito) führten während der Troubles jahrzehntelang Kampagnen gegen die katholische und republikanische Bevölkerung durch.
Besonders berüchtigt wurden die Shankill Butchers, eine loyalistische Mordgruppe aus Belfast, die zahlreiche katholische Zivilisten entführte und ermordete. Natürlich handelt es sich bei den heutigen rassistischen Angreifern nicht einfach um eine Fortsetzung dieser historischen Organisationen. Dennoch gibt es politische und soziale Kontinuitäten, die nicht ignoriert werden sollten.
Wer verstehen will, warum sich solche Pogrome gerade in bestimmten Stadtteilen und Regionen entwickeln konnten, muss auch die Geschichte des Loyalismus, des britischen Sektierertums und der faschistischen Strömungen innerhalb dieser Milieus berücksichtigen.
Gerade aus marxistisch-leninistischer Sicht wäre es hilfreich, die Verbindung zwischen der historischen Rolle loyalistischer Reaktion und den heutigen rassistischen Mobilisierungen genauer zu analysieren. Dadurch ließe sich die politische Einordnung der Ereignisse vertiefen, ohne den zentralen Charakter der aktuellen Gewalt als rassistisches Pogrom zu relativieren. Eine solche Ergänzung würde die ansonsten richtige Einschätzung des Artikels weiter stärken.