Führung

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Marx in Bonn

Am Sonntag, den 7. Juni, kamen ungefähr 20 Interessierte aus verschiedenen Städten im Umkreis von Bonn, darunter auch drei Kinder, zu einer Führung "Marx in Bonn" zusammen.

Korrespondenz

Ein Marx-Freund aus den USA, der seit einiger Zeit in Bonn lebt, hatte die Führung ausgearbeitet. Zwei Kolleginnen führten uns anhand dieser Ausarbeitung an verschiedene Stationen und erzählten kurzweilig aus dem Leben des jungen Marx in Bonn. Der Rundgang begann am Rande des Hofgartens unmittelbar vor dem Hauptgebäude der Universität Bonn, das ursprünglich ein Schloss des Kurfürsten Friedrich Wilhelm war.


Die Teilnehmer erfuhren, dass Marx von 1835 bis 1836 und noch einmal von 1841 bis 1842 in Bonn lebte. Dass ihm nach seiner Promotion eine Wissenschaftslaufbahn als Professor aufgrund seiner rebellischen Haltung und als Atheist vom preußischen Staat verwehrt wurde, trieb ihn sozusagen aus dem damaligen Wissenschaftsbetrieb in den revolutionären Journalismus nach Köln.


In seinen Studienjahren lernte er auch die studentische Arrestanstalt, den "Karzer" kennen, weil er wegen nächtlichen Lärms, Trunkenheit und Säbeltragens nach einer Versammlung seiner Studentenverbindung verhaftet wurde. Die Universitäten hatten ein eigenes Strafverfolgungssystem, das die in der Regel der herrschenden Klasse angehörenden Studenten bewusst von den Normalbürgern absondern sollte.


Nur eine einzige Plakette (an dem Haus Stockenstraße 12) erinnert an die Jahre von Marx in Bonn, erfuhren die staunenden Teilnehmer. Marx passte den Regierenden offensichtlich nicht in ihr antikommunistisches Weltbild in der aufstrebenden Bundesrepublik Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Plakette wurde erst 1989 angebracht, im Jahr des Mauerfalls. Vielleicht war man der irrigen Annahme, dass Marx inzwischen unschädlich geworden sei.


Danach führte der Weg vorbei an dem schon zu Marx’ Zeiten unter dem Namen Ruland existierenden Gasthaus. Der Name steht in großen Lettern an dem nicht mehr originalen Gebäude, das heute eine Pizzaria beherbergt.

 

Die letzte Station war der Marktplatz mit dem Rathaus, das nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg in alter Gestalt wieder restauriert wurde, heute aber nur noch zu Repräsentationszwecken dient. Allerdings ist die Rathaustreppe nicht nur durch die jedes Jahr an Karneval stattfindende „Erstürmung“ bekannt, sondern auch durch mehrere Erstürmungen rebellischer Jugendlicher Ende der 1960er und Anfang der 1970er-Jahre.

 

Der Rundgang endete im Biergarten am Alten Zoll (eine Festungsanlage am Rhein, von der aus bis ins 18. Jahrhundert, bewaffnet mit einer Kanone, kontrolliert wurde, welche Schiffe den Rhein rauf und runter fuhren, um je nach Ladung Zoll zu kassieren). Wir saßen unter einer riesigen Platane und mit wunderbarem Blick auf den Rhein und das Siebengebirge noch längere Zeit bei Speis und Trank zusammen, bevor wir uns wieder – schlauer als vorher – nach Hause aufmachten.

 

Die zum Rundgang erarbeitete ausführliche Beschreibung in den politischen und weltanschaulichen Zusammenhängen und mit vielen weiteren Details wird demnächst als kleines Handout allen Teilnehmern und Interessierten zur Verfügung gestellt.

Text auf der Plakette

Karl Marx
Politiker und Philosoph
Wohnte während seines Bonner Studiums in den Jahren 1835/36 in der Josefstraße 29/31 und in der Stockenstraße 12. Zur 2000-Jahrfeier der Stadt Bonn, gestiftet von Eberhard Cockel und Iskra Zarkova