Athen
Internationale Delegation der Gemeinschaft von Prosfygika in Brüssel
Eine Delegation von Prosfygika forderte bei einer Pressekonferenz in Brüssel den Stopp des EU-finanzierten Räumungsplans und Schutz für 400 Bewohnerinnen und Bewohner.
Rote Fahne News hat mehrfach über den Kampf der selbstverwalteten Community von Prosfygika in Athen für den Erhalt ihrer Häuser und Gemeinschaftseinrichtungen gegen die Räumungspläne berichtet, unter anderem hier: Solidaritätsproteste in Berlin zur Verteidigung der Community Prosfygika in Athen.
Anfang Juni fand im Zentrum von Brüssel eine Pressekonferenz statt, zu der die Gemeinschaft des besetzten Prosfygika und das Komitee zur Förderung und Verteidigung der Gemeinschaft aufgerufen hatten. Über 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie Journalisten aus fünf verschiedenen Ländern diskutierten über die Räumungspläne des griechischen Staates und den Kampf gegen diese Bedrohung. In den vergangenen 16 Jahren ihres Bestehens hat die Gemeinschaft des besetzten Prosfygika ein selbstorganisiertes und gemeinschaftliches Leben für über 400 Menschen aus mehr als 27 Ländern aufgebaut.
Vom 2. bis 5. Juni reiste eine Delegation der Gemeinschaft des besetzten Prosfygika nach Brüssel. Neben Gesprächen mit verschiedenen Mitgliedern des Europäischen Parlaments fand am 3. Juni eine internationale Protestkundgebung mit über 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus sechs verschiedenen Ländern statt.
Im Juni 2025 hatte die Regionalregierung von Attika eine programmatische Vereinbarung zur „Sanierung“ und Räumung von Prosfygika genehmigt. Das Projekt soll voraussichtlich rund 15 Millionen Euro an Fördermitteln aus europäischen öffentlichen Geldern erhalten. Im Februar 2026 gab die Europäische Kommission finanzielle Mittel für die Region Attika frei, um im Prosfygika-Komplex in Athen „bezahlbaren Wohnraum“ zu schaffen. Olga Nassis, Mitglied der Delegation, erklärte, dass diese Genehmigung auf einer schwerwiegenden Unregelmäßigkeit beruht: In offiziellen Dokumenten werden die Gebäude fälschlicherweise als ‚leerstehend‘ eingestuft. Indem sie die Bewohner auf dem
Papier auslöschten, haben die Behörden das Partnerschaftsprinzip umgangen und sich so der zwingenden Verpflichtung entzogen, die Betroffenen zu konsultieren.
Olga Nassis weiter: "In Wirklichkeit ist Prosfygika kein leerer Raum, sondern eine lebendige Gemeinschaft und das einzige existierende Modell für sozialen Wohnungsbau in Griechenland. Einem Land, in dem die Mehrheit der Bevölkerung mehr als 80 Prozent ihres Einkommens für Wohnkosten aufwendet."