"Manifest der Frauen Russlands"

"Manifest der Frauen Russlands"

"Häusliche Gewalt" - nur eine Ablenkung vom Krieg?!

Auch, wenn das Manifest der Frauen Russlands alles ziemlich moderat klingt und sicher nicht revolutionär ist, einiges davon stellt das Gerede auch Putins selbst ziemlich offen infrage, und das zieht die Leute an. Die Reaktionäre und Faschisten hingegen sind außer sich.

Von fu
"Häusliche Gewalt" - nur eine Ablenkung vom Krieg?!
Die Gegner des "Manifests der Frauen Russland" nutzen ihre Reichweite und die Billigung der Regierung für eine üble Hetze gegen die Initiatorinnen und Unterstützerinnen. (Bild: Mohammad Akbari; Lizenz: Pexels)

Das Manifest hebt sich von dem völlig verhetzten Tonfall der gesellschaftlichen Debatte ab und sinkt nicht auf das Niveau der heimlichen Demagogen des Kreml, der "Traditionalisten". Was vor dem Hintergrund der "Neuen Leute" natürlich nicht wirklich infrage gestellt wird, ist das russische imperialistische System - ja, in einigen Passagen machen sich die Autorinnen sogar opportunistisch gemein mit dem Chauvinismus ("Heute, während Männer die Grenzen verteidigen, schützen Frauen ein gemeinsames Zuhause."). Diese Traditionalisten sind jedenfalls trotzdem außer sich.

 

Ein Beispiel dafür ist der Moderator der bekannten Sendung "Soloev Live" Sergei Karnaukhov, der klagt: "Wieder werden diese belanglosen Fragen über häusliche Gewalt und über die übermäßigen Rechte von Frauen, Abtreibungen durchzuführen, aufgeworfen." Er findet, dass das Thema häusliche Gewalt "derzeit nicht zur Sprache kommen sollte", und bezeichnete die Frauenrechte als "liberale Agenda" und "unbedeutende Fragen". An Goryacheva gerichtet sagte er, dass "Strafverfahren gegen euch eingeleitet werden sollten". Und wo er schon mal dabei war, schlug er auch vor, Abtreibungen zu verbieten und nur in Ausnahmefällen nach einer Beratung bei Vorliegen strenger medizinischer Indikationen durchzuführen. Wie um sicherzugehen, dass Frauenverachtung als sein Motiv nicht in Zweifel gezogen werden kann, begründet er das: "Dann werden die Frauen einfach ihren Verstand behalten und nicht in Hinterhöfen herumstöbern."

 

Karnaukhov ist natürlich ein moralistischer Söldner, aber mit ihm steht auch die russisch-orthodoxe Kirche gegen das Manifest: Der stellvertretende Vorsitzende der Synodenabteilung des Moskauer Patriarchats für die Beziehungen zwischen Kirche und Gesellschaft und den Medien, Vakhtang Kipshidze, sagte, die Kirche sei enttäuscht von Versuchen, das Recht auf eine zugängliche Abtreibung attraktiv zu machen und behauptete, so etwas untergrabe die Würde der Frauen - und nicht etwa die Hetze eines Karnaukhovs.