Gastbeitrag von Dr. Willi Mast in "Vorort"

Gastbeitrag von Dr. Willi Mast in "Vorort"

Giftmüllkippe am Grimberg-Hafen – was ist die Alternative zu kapitalistischer Politik?

Dr. Willi Mast ist Mitglied im Vorstand des überparteilichen Kommunalwahlbündnisses AUF Gelsenkirchen. Sein Gastbeitrag ist in der aktuellen Ausgabe der Stadtzeitung der MLPD Gelsenkirchen / Gladbeck, „Vorort“, erschienen.

1 Million Tonnen Giftmüll lagern seit Jahren am Grimberg-Hafen. (Der Hafen Grimberg diente früher vorwiegend zur Erzanladung für die Versorgung der Eisenhüttenwerke in Bochum und Gelsenkirchen. Er liegt am südlichen Kanalufer des Rhein-Herne-Kanals in Gelsenkirchen, nahe der Stadtgrenze zu Herne. Heute wird er von Baustoff- und Recyclingbetrieben zur Bearbeitung und Verschiffung ihrer Produkte genutzt, Anm. d. RF-Red.) Ein wildes Gemisch von Rostasche, Giftschlamm, Bauschutt etc. Völlig unklar, was damit passieren soll. RWE als Produzent der Rostasche, Remondis als Müllentsorger, die Firma Becker (inzwischen pleite), die RAG (ehemals Ruhrkohle AG, Anm. d. RF-Red.) als Grundbesitzer und die anderen Müllproduzenten laden wieder einmal alles auf die Kommune ab – Kosten von ca. 70 bis 100 Millionen Euro.¹


Von den gesundheitlichen Folgen der Gift- und Staubbelastung für die Anwohner und den längerfristigen Folgen für das Grund- und Oberflächenwasser ganz zu schweigen. Die Bezirksregierung Münster als Aufsichtsbehörde hat dem kriminellen Treiben jahrelang zugesehen. Und das städtische Umweltamt hat die jahrelangen Bürgerproteste und Kritiken von AUF im Umweltausschuss immer wieder abgeschmettert.


Es ist ein Paradebeispiel für kapitalistische Müllpolitik: Statt Müllvermeidung und Kreislaufwirtschaft – wachsende Berge von Müll und Giften, die sich in der Luft, im Boden, in den Gewässern, in der Biosphäre und im menschlichen Organismus anreichern. Statt schonendem Umgang und Recycling von Rohstoffen: Ausplünderung der letzten Ressourcen in aller Welt, bis hin zu den aktuellen Kriegen im Nahen Osten und in der Ukraine.

 

Es ist sehr aufwendig, aber wichtig, die Müllberge so weit möglich sicher zu entsorgen. Es geht aber auch um grundsätzliche Alternativen zur kapitalistischen Müllpolitik. Anregungen dazu gibt ein jetzt wieder aufgelegtes Buch zum Umweltschutz im früher sozialistischen China.


„Schädliches in Nützliches verwenden“, allseitige Verarbeitung und das Recycling von Abfällen, Schutz von Gesundheit und Umwelt haben Vorrang vor betriebswirtschaftlichem Nutzen, gigantische Projekte zur Wiederaufforstung der Wälder zur Begrünung von Stadt und Land – das damalige China war der praktische Beweis, wie sich die Einheit von Mensch und Natur schrittweise wiederherstellen lässt.


Als Chemie- und Energiezentrum mit bester Infrastruktur und mit vielen qualifizierten Arbeitern, technischen und wissenschaftlichen Fachkräften hat Gelsenkirchen eigentlich großes Potenzial, eine Modellregion für zukunftsfähige Energie- und Kreislaufwirtschaft zu werden. Das würde auch zahlreiche neue Arbeitsplätze bringen. Alle interessierten Mitbürgerinnen und Mitbürger, insbesondere auch umweltinteressierte Jugendliche, sind eingeladen, sich an dieser Zukunftsdiskussion des kommunalen Wahlbündnisses AUF zu beteiligen.


Hier geht es zur Website von AUF Gelsenkirchen.


Hier kann das im Text angesprochene wiederaufgelegte Buch „Umweltschutz im Sozialismus – China 1966–1976“ bestellt werden.


In Kürze findet in Gelsenkirchen eine Lesung aus dem Buch „Umweltschutz im Sozialismus – China 1966–1976“ statt. Mehr dazu hier.