Kämpferische Aktion von Milchbauern
Weltmilchtag, für viele Höfe ein Grund zum Feiern und Kämpfen
Am Sonntag machten über ein Dutzend Milchbauern im Landkreis Aurich durch eine kämpferische Aktion auf sich aufmerksam. Mit 14 Traktoren versprühten sie 30 000 Liter Milch auf einem Acker in Krummhörn.
Anlass war der bevorstehende Weltmilchtag am heutigen 1. Juni. Dieser wurde von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ausgerufen und erstmals 1957 veranstaltet. Die Älteren werden sich erinnern, dass es in der Zeit an vielen Kindergärten und Schulen staatlich geförderte Pausenmilch gab, wohl mit ein Grund zur Nähe des Weltkindertags. Auf Milchbauernhöfen in 30 Ländern wird der internationale Milchtag oft mit Hoffesten und Stalleinweihungen gefeiert.
In der Regel wird dieser Tag aber vor allem von der Milchindustrie für Werbezwecke benutzt. Von hundertprozentigen Verfechtern des Veganismus und bestimmten Tierschutzorganisationen wird er wiederum in eine Anklage gegen die Viehhaltung umgemünzt. Dabei spielt Milch für die Entwicklung des menschlichen Organismus seit tausenden Jahren in der Hauptseite eine positive Rolle. Sie liefert Kalzium für den Knochenaufbau und wertvolle Aminosäuren für die Struktur der Körperzellen. Das kann eine rein pflanzliche Nahrung nicht ersetzen. Zudem ist Weideland ein wichtiger Kohlenstoffspeicher.
Den meisten Milchbauern auf der Welt ist heute der Tag weniger ein Grund zum Feiern. Der Bundesverband deutscher Milchviehhalter (BDM) und das Europäische Milkboard (EMB) haben zu einem europaweiten Protest aufgerufen, die dramatische Lage der klein- und mittelbäuerlichen Betriebe in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Die Erzeugerpreise sind in ganz Deutschland seit Jahresbeginn im freien Fall bis auf nun unter 40 Cent/kg gesunken, und das bei reinen Produktionskosten von derzeit um 46 Cent/Kg. Die schon lange unüberhörbaren Mahnungen der Bauern an die politisch Verantwortlichen in Bund und Land blieben ungehört. Hans Leis vom Landesvorstand des BDM Bayern erklärte schon vor Wochen gegenüber Vertretern der Agrarplattform im Internationalistischen Bündnis: „In der aktuellen Krise hätte man bereits im Herbst handel und eine Mengenkontigentierung festlegen müssen. Aber da hieß es, das sei nur eine kleine Preisdelle, es sei nicht nötig, einzugreifen. Während Landwirtschaftsministerin Manuela Kanniber bei öffentlichen Talkshows sich als Kümmerin der Milchbauern auswies, blieb sie bei Bauernprotesten im März fern und erklärte, 'was wollt ihr, ihr habt doch gut verdient!'"
Tatsächlich war der Erzeugerpreis für kurze Zeit bis auf 60 Cent gestiegen. Für die Bauern gerade mal eine kleine Erholung, notwendige Investitionen vorzunehmen ... Den Hauptreibach haben die Aldi, Edeka, Lidl und andere gemacht. Karsten Hansen, der Bundesvorsitzende des BDM rechnete bei der Aktion in Krummhörn der anwesenden Presse vor: Die Bauern beklagen einen Wertschöpfungsverlust von über fünf Milliarden Euro seit dem letzten Jahr. Ein Betrieb mit einer Million Kilogramm Milchleistung verliere über 150 000 Euro im Jahr. Viele Betriebe leben von der Substanz. Wie viele Milchbauern sieht Hansen ein „Politikversagen“ als Ursache.
Das ist insofern richtig, da die herrschende Brüsseler und bundesdeutsche Agrarpolitik im Interesse der internationalen Agrar- und Handelskonzerne nicht eingeschritten war, als sich abgezeichnet hat, dass eine Über-produktion von nunmehr sechs Prozent an den Börsen zum Preisverfall führen musste. Eine Mengenregulierung könnte diesen Negativprozess abmildern. Mehr aber auch nicht, weil man die kapitalistischen Marktgesetze nicht außer Kraft setzen kann. Deshalb war es genau richtig, jetzt den Weg des Kampfes einzuschlagen und fortzusetzen.
Solidarität mit dem Kampf der existenzbedrohten milchbäuerlichen Betriebe: Verbraucherpreise runter und Erzeuger-preise rauf – auf Kosten der Profite der Konzerne!