Polarisierte Debatte
Vorsicht vor falschen Entwarnungen bei Klima- und Umweltkatastrophe!
Ein Papier des niederländischen Klimawissenschaftlers Detlef van Vuuren vom April, dass eine Erwärmung der Erde um 4,8 Grad bis 2100 unwahrscheinlicher geworden ist, löste eine polarisierte Debatte aus.
Er rechnet jetzt mit einer Erwärmung um 2,8 Grad, da Klimaschutzmaßnahmen greifen würden, vor allem durch Erneuerbare Energien (1). Reaktionäre und faschistische Leugner der globalen Umweltkrise nutzen die Veröffentlichung, die globale Umweltkatastrophe verächtlich als Panikmache abzutun.
Klimakatastrophe abgesagt?
Die bisherigen Klimaszenarien des Weltklimarates (IPPC) schätzen das Risiko der Erderwärmung einseitig mit der Entwicklung der Treibhausgase ab. Mit sogenannten Representative Concentration Pathways (RCP - Repräsentative Konzentrationspfade) wurden 2011 vier Projektionen der Treibhausgaskonzentration bis 2100 angenommen. Dies wurden in Beziehung zur Änderung der Energiebilanz der Erde (Strahlungsantrieb, Watt/m2) gesetzt. Der Pfad mit der höchsten Konzentration in der Atmosphäre von 1200 ppm CO2-Äquivalente und dem höchsten Strahlungsantrieb von 8,5 Watt pro Quadratmeter (RCP8.5) wurde jetzt als „sehr unwahrscheinlich“ erklärt. Für 2026 liegen die Schätzungen des Haupttreibhausgases CO2 bei rund 430 ppm, 55 Prozent höher als zu Beginn der Industrialisierung (1750).
Dazu Prof. Stefan Rahmstorf, Potsdam-Institut für Klimaforschung: „Dass die CO2-Emissionen nicht mehr so stark ansteigen wie 2011 im „worst-case“-Szenario (RCP8.5) angenommen, ist mindestens teilweise Erfolg der Klimapolitik. Es ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, aber keineswegs Grund zur Entwarnung“. (2) Was Rahmstorf als Erfolg der Klimapolitik nennt, ist bestenfalls ein Teilerfolg der weltweiten Umweltbewegung, keinesfalls ein Erfolg der Politik der meisten Regierungen. Auch wenn die Projektion von 2011 möglicherweise zu hoch war, führen die Konzerne doch die Welt mit der anhaltenden Verbrennung fossiler Energien weiter in den Abgrund. Das Pariser Abkommen von 2015 ist gescheitert, längst ist die Welt um 1,5 Grad heißer als zu Beginn der Industrialisierung. Selbst bei sofortigem Stopp aller Emissionen ist die Klimakatastrophe nicht mehr abzuwenden. Die Erderwärmung setzt unaufhaltsam Treibhausgase aus dem tauenden Permafrost frei. Wälder werden abgeholzt oder zu CO2-Quellen. Die globale Klimakatastrophe vertieft sich und forciert die Eigendynamik weiterer Merkmale der Umweltkrise und das Voranschreiten der globalen Umweltkatastrophe.
Die Unfähigkeit der bürgerlichen Umweltforschung zu treffenden Einschätzungen
Gerrit Lohmann vom Alfred-Wegener-Institut (Bremerhaven) stellt richtig fest, dass das Klimasystem nicht linear reagiert und irreversible Veränderungen reale Risiken sind. (3) Schon 1,5 Grad bedeutet: Hitzewellen, Dürren, Starkregen, ausgedehnte lange Waldbrände, massiver Gletscherschwund, Hitzetote, Ernteverluste und Schäden an Infrastruktur. Trotzdem reden die bürgerlichen Wissenschaftler weiter verharmlosend vom „Klimawandel“. Im Buch „Die globale Umweltkatastrophe hat begonnen“ kritisiert die MLPD die Verharmlosung der dramatischen Entwicklung durch den IPPC: „Weitere Hauptmerkmale der globalen Umweltkatastrophe und deren Wechselwirkung mit der Klimakatastrophe, die die Lage oft verschärfen, bleiben weitgehend ausgeblendet oder werden als nebensächlich abgetan“. (4) Die MLPD hat darin 2023 nachgewiesen, dass unter den 17 Hauptfaktoren der globalen Umweltkatastrophe bereits vier im Zustand der irreversiblen Entwicklung sind und deshalb die globale Umweltkatastrophe begonnen hat. Aktuell ist die MLPD zur Einschätzung gekommen: „Besonders Faschismus und Krieg haben dazu geführt, dass die globale Umweltkatastrophe sich nicht mehr am Beginn befindet, sondern dramatisch fortschreitet.“ (5) Von Entwarnung also keine Spur. Wie stark die Erde weiter aufgeheizt wird, wie weit die globale Umweltkatstrophe ausreift, hängt entscheidend davon ab, ob die Arbeiterklasse und die Massen die Rettung der Menschheit zu ihrer Sache machen.
Groteske Verdrehung von Ursache und Wirkung
Mit ihren reaktionären bis faschistischen Kampagnen haben unter der Führung von Donald Trump AfD, Bildzeitung und Co Lügen und Verunsicherung verbreitet und das Umweltbewusstsein zeitweise zurückgedrängt. Es beginnt sich wieder in verschiedenen Aktivitäten zu beleben. Aktuell hetzt Trump: „Endlich sind sie weg! Nachdem die Dummokraten 15 Jahre lang versprochen haben, dass der Klimawandel den Planeten zerstören würde, hat der oberste Klimarat der Vereinten Nationen gerade zugegeben, dass seine Prognosen FALSCH waren! FALSCH! FALSCH!“ Und die Bildzeitung titelt: „Klimawandel ist doch kein Weltuntergang“. (6)
Die Aktualisierung der Szenarien auf Grund neuer Erkenntnisse und der Durchsetzung von einigen Umweltschutzmaßnahmen durch die Umweltbewegung verfälschen diese Demagogen hämisch als völlige Entwarnung und als „Beweis“ für ihre Leugnung der globalen Umweltkatastrophe. Dabei sind gerade sie es, die jede Schutzmaßnahme attackieren, wieder Kohlekraftwerke und AKWs einführen wollen und damit die globale Umweltkatastrophe vertiefen.
Im Sozialismus ist Schluss mit Umweltzerstörung. Die antikommunistische Hetze von Karsten Hilse (AfD) im Bundestag (20. Mai), dass die globale Umweltkatastrophe eine Erfindung von Sozialisten und Kommunisten sei, ist ja wohl eine bodenlose Frechheit. Solchen Leuten, die die Welt in den Abgrund führen und die einzige Perspektive zur Rettung der Menschheit verunglimpfen, muss das Handwerk gelegt werden!