Kriegsführung
Ukrainisches "Gefechtsführungssystem Delta" beschleunigt Informationsaustausch
Die ukrainische Staats- und Militärführung versucht, eine gewisse technologische Überlegenheit herzustellen - oder zumindest zu suggerieren. Das hebt die Moral und fördert den zunehmenden Rüstungsexport der Ukraine. Mit neuen Informationssystemen sollen schnellere Entscheidungen getroffen werden können.
Natürlich sind schnellere Entscheidungen bei den Frontkommandeuren so eine Sache, wenn der Oberbefehlshaber persönlich gerne einzelne Gefechte aus der Ferne seines sicheren Bunkers lenkt, aber auch hier sind Systeme wie "Delta" selbstredend ein Fortschritt.
Der Zweck des umfangreich gelobten, aber nicht näher erklärten Systems besteht in der Vernetzung zwischen verschiedenen Einheiten für einen Informationsaustausch in beinahe Echtzeit. Entdeckt beispielsweise eine Drohne eine Feindstellung, wird dies unmittelbar auch anderen Einheiten zur Kenntnis gebracht. Diese können dann auf Grundlage eines somit vollständigeren und aktuelleren Lagebilds idealerweise bessere Entscheidungen treffen. Gegenüber der Bild-Zeitung beschrieb der im Raum Pokrowsk eingesetzte ukrainische Oberst Wolodymyr Polevyi vom 7. Schnellen Reaktionskorps "Delta" als eine digitale Plattform, auf der „Aufklärung“, „Artillerie“, „Drohnen“ und „Geländekontrolle“ zusammengeführt werden. Auf digitalen Lagekarten werden diese Informationen dann dargestellt, Drohnenaufnahmen können direkt abgerufen werden.
Westliche Analysten des "Institute for the Study of War" (ISW) sehen in solchen Systemen einen Grund, dem ukrainischen Militär die überlegene Planung zu unterstellen. Das mag im Einzelfall stimmen, insgesamt aber zeichnen die permanenten Reorganisationen mit immer neuen Ernennungen und Abberufungen von operativen Führungsoffizieren von der ukrainischen Armee doch ein etwas anderes Bild. Das bedeutet aber nicht, dass für die Kampfführung nicht wichtig wäre, über aktuelle Informationen zu verfügen.
Während der Ukraine militärischer Erfolg versagt bleibt, hat sie zunehmend Erfolg als Rüstungsexporteur – was für ein Land im Krieg eine relativ beachtenswerte Entwicklung ist, wenn auch historisch nicht ohne Beispiel. Es ist auch ein Kennzeichen eines zunehmend imperialistischen Landes: Selbst im Zweiten Weltkrieg hatten sowohl das faschistische Deutschland, als auch das faschistische Italien eine nicht unerhebliche Menge der eigenen Rüstungsproduktion gewinnbringend an ihre Verbündeten exportiert und diese damit enger an sich gebunden. Im Fall der Ukraine ist deren unmittelbare Kampferfahrung gegen die Armee der russischen Föderation und die damit einhergehende Möglichkeit, die eigenen Rüstungsprodukte direkt unter Gefechtsbedingungen zu testen und weiterzuentwickeln, für ihre „Schutzmächte“ (vor allen Dingen Deutschland und Frankreich) von unschätzbarem Wert.