Offener Brief
Nein zur Neuausrichtung des Programms des Westend-Verlags
Den folgenden Offenen Brief haben mehr als 30 Autorinnen und Autoren sowie das Netzwerk Kritische Kommunikationswissenschaft e. V. an die Verlagsleitung des Westend-Verlags gesandt. Sie kritisieren, dass diese das Spektrum der Veröffentlichungen des Verlags bis hin zur extremen Rechten ausdehnen:
Sehr geehrte Damen und Herren, wir, die Unterzeichnenden dieses Briefes, distanzieren uns hiermit von der Neuausrichtung Ihres Verlagsprogramms. Wir tun dies nun öffentlich, nachdem Sie auf unsere Aufforderung zu einem Gespräch mit keinem Wort eingegangen sind.
Wir haben in Ihrem Verlag unterschiedliche Sachbücher vorgelegt. Wir haben das im Sinne der Positionierung getan, die sich bis vor Kurzem auf Ihrer Homepage fand: „Wir verstehen uns ausdrücklich als Plattform für kritische, linke Perspektiven auf gesellschaftliche Entwicklungen – ohne Anspruch auf ideologische Geschlossenheit.“
Wir stellen mit Interesse fest, dass Sie diese Passage inzwischen gestrichen haben. Wir haben „Westend“ als Ort geschätzt, an dem sehr unterschiedliche Überzeugungen aufeinanderstießen, die allerdings in aller Regel von demokratischem Geist und dem Willen nach Verbesserung der gesellschaftlichen Verhältnisse geprägt waren. Wir haben im Sinne der Meinungsfreiheit selbstverständlich auch akzeptiert, dass Sie das Portfolio Ihres Verlages um Autoren wie Wolfgang Kubicki und Ulf Poschardt erweitert haben.
Mit der Veröffentlichung des von Pauline Voss und Julian Reichelt herausgegebenen Bandes „Links – Deutsch / Deutsch – Links“ haben Sie nun das Spektrum Ihrer Veröffentlichungen bis hin zur extremen Rechten erweitert. Dieses Buch ragt nicht nur dadurch heraus, dass Sie damit Ihren Verlag den Führungspersonen eines Portals zur Verfügung stellen, das Tag für Tag große Teile des demokratischen Spektrums verunglimpft. Der Band enthält zudem Texte von Autorinnen und Autoren, deren Positionen der AfD nahestehen, einer aus unserer Sicht demokratiebedrohenden Partei.
Wir erkennen ausdrücklich Ihr selbstverständliches Recht an, zu veröffentlichen, was Sie wollen, auch wenn Sie damit rechten Kulturkämpferinnen und -kämpfern eine weitere Plattform bieten.
Wir nehmen allerdings für uns das Recht in Anspruch, unsere publizistische Arbeit nicht in dieser ideologischen Nachbarschaft fortzusetzen.
Unterzeichnende:
- Bax, Daniel Bax
- Nils S. Borchers
- Christoph Butterwegge
- Giorgos Chondros
- Ely Maurice Conrad
- Tim Engartner
- Emran Feroz
- Alexander Glasner-Hummel
- Claus-Jürgen Göpfert
- Selma Güney
- Gregor Gysi
- Stephan Hebel
- Gudrun Hentges
- Ulrike Herrmann
- Lina Hille
- Heike Holdinghausen
- Bernd Hontschik
- Uwe Krüger
- Andreas Meißner
- Monika Morres
- Netzwerk Kritische Kommunikationswissenschaft e.V.
- Laura Porak
- Timo Reuter
- Kerem Schamberger
- Simone Schmollack
- Sebastian Sevignani
- Klaus-Dieter Stork
- Thomas Strohschneider
- Hendrik Theine
- Gerd Wiegel
- Jonas Wollenhaupt
- Andrea Ypsilanti