Briefwechsel

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KI: Es geht darum, unmittelbar produktive, heute vor allem einseitig spezialisierte Fabrikarbeit zu ersetzen

Die Rote Fahne Redaktion dokumentiert einen Briefwechsel zwischen einer Leserin und einem Mitglied der Redaktionsleitung:

Die Leserin schrieb:

Liebe Genossinnen und Genossen, im Artikel zur Künstlichen Intelligenz heißt es: „Unter sozialistischen Bedingungen wäre es absolut zu begrüßen, wenn immer mehr Arbeit von Maschinen erledigt werden kann und sich die Menschen anderen Aufgaben widmen können.“

Ich habe Bedenken zur Absolutheit dieser Aussage, weil sie meiner Meinung nach die Arbeit geringschätzt.

  1. Arbeit ist ein fortschrittlicher und gesellschaftlich notwendiger Prozess. Der Sozialismus wird auch nicht nur aus der Distanz verwaltet und gelenkt. Der Mensch begreift in der Arbeit, wie Dinge entstehen, lernt die Bedeutung der Kontrolle des Produktes und der Überwindung von Problemen kennen, macht sich Gedanken usw. Die gesellschaftliche Entwicklung erfordert immer neue Dinge zu „erarbeiten“ mit neuen Anforderungen, die erprobt, erfasst, begriffen werden müssen. Das erfordert schöpferische menschliche Arbeit.
  2. Auch „gleichförmige“ Arbeit sollte man nicht geringschätzen – siehe die Bildunterschrift zu dem Bild mit den Tomaten-Arbeiterinnen. Ein großer Teil der Arbeit wird früher oder später gleichförmig, das ist aber nicht identisch mit negativ. Wie stolz sind Arbeiterinnen und Arbeiter, wenn sie eine Arbeit aus dem Effeff hinbekommen, schnell, exakt, von bester Qualität, oder wenn sie ein Problem fast schon erahnen, bevor es sich richtig zeigt!
  3. Arbeit ist ein gesellschaftlicher Prozess mit anderen Menschen. Hier entstehen Kollegialität, Klassenstandpunkt, Kollektivgeist, Freundschaft, Solidarität.
  4. Der Sozialismus erzieht die Menschen dahingehend, dass im nachfolgenden Kommunismus die Arbeit für die Gesellschaft zum ersten Lebensbedürfnis wird. Wie soll das gehen ohne die Arbeit und die Freude daran?

Herzlicher Gruß

Die Antwort der Redaktionsleitung:

Liebe ..., in unserem Parteiprogramm haben wir uns zu der Frage bereits klar positioniert. Da heißt es auf Seite 16: "Die fortschreitende Umwälzung der ökonomischen Struktur des Kapitalismus verwandelt einen wachsenden Teil der Arbeiter vom spezialisierten Handlanger der Maschinen zu einem vielseitig ausgebildeten Überwacher und Dirigenten des komplizierten internationalistischen Produktionsprozesses." Und Karl Marx führte zur Zukunft der Produktionstätigkeit des Menschen bereits aus: "Die Arbeit erscheint nicht mehr so sehr als in den Produktionsprozess eingeschlossen, als sich der Mensch vielmehr als Wächter und Regulator zum Produktionsprozeß selbst verhält. … Er tritt neben den Produktionsprozeß, statt sein Hauptagent zu sein." (zitiert nach RW 26, S. 31)

 

Insofern ist der kritisierte Satz auf keinen Fall exakt. Es geht im Sozialismus / Kommunismus nicht darum, "immer mehr Arbeit" zu ersetzen, sondern darum, unmittelbar produktive, heute vor allem einseitig spezialisierte Fabrikarbeit zu ersetzen. Es geht auch nicht darum, sie per se "durch Maschinen" zu ersetzen, vielmehr soll gerade herkömmliche Arbeit an Maschinen durch höher entwickelte Maschinerie automatisiert und damit überflüssig gemacht werden. Das war möglicherweise die Intention des Autors bei diesem Satz – objektiv drückt er etwas anderes aus.

 

Durch die Rationalisierung und Automatisierung unmittelbar produktiver Fabrik- oder auch Dienstleistungsarbeit können sich die Menschen tatsächlich anderen "Aufgaben" widmen, die aber ebenfalls zum großen Teil schöpferische Arbeit sein werden: In der Überwachung der produktiven Anlagen, in der Weiterentwicklung des Produktionsprozesses, in der Rettung der Menschheit vor der globalen Umweltkatastrophe, in wichtigen anderen gesellschaftlichen Aufgaben, der Leitung und Organisierung des Staates (solange es ihn noch gibt), der allseitigen kulturellen und künstlerischen Betätigung sowie Ausbildung ihrer Fähigkeiten.

 

Die Arbeit wird nicht nur stets neben der Natur Quelle von neuem Wert und Reichtum sein, sie wird mit dem Übergang zur klassenlosen Gesellschaft mehr und mehr zum ersten Lebensbedürfnis der Menschen werden, wie du richtig schreibst – was sie natürlich in Ansätzen auch heute schon ist.

Herzliche Grüße