wer in "unsere Sozialsysteme" einwandert

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Einige Gedanken zum Gesundheitswesen

Auf eine Frage der AfD-Bundestagsfraktion, warum nicht bei der Einwanderung in die Sozialsysteme gespart werde, antwortete die Bundessozialministerin Bärbel Bas: „Es wandert niemand in unsere Sozialsysteme ein.“

Von Günter Wagner, Hausarzt
Einige Gedanken zum Gesundheitswesen
Türme des Pharma-Konzerns Roche in Basel - seine Profite wachsen ins Unermessliche auf Kosten von Patienten und Beschäftigten im Gesundheitswesen (Foto: privat)

Wenn sie sich gegen die rassistische Demagogie der AfD wendete, dann hat sie recht. Aber sie hat in einem ganz anderen Sinn nicht recht: Die Monopole sind längst in unsere Sozialsysteme eingewandert. Es sind ihre Selbstbedienungsläden für maximale Profite.

 

Bei den täglichen Verordnungen von Medikamenten bekomme ich regelmäßig so einen Hals. Schon wieder sind die Preise gestiegen. Für Arzneimittel zahlte die GKV (gesetzliche Krankenversicherungen) 2025 55,2 Milliarden Euro, mehr als für die Behandlungen im ambulanten Bereich mit 50,3 Milliarden Euro. In zehn Jahren eine Steigerung von über 80 Prozent.

 

Hören wir dazu den Vorsitzenden von Roche, Daniel Steiner. Er beschwert sich über „pauschale Zwangsrabatte und willkürliche Abschläge“. Dreist behauptet er: „Gleichzeitig unterstützt unsere Branche das Gesundheitssystem schon heute durch verschiedene Rabatte mit fast 30 Mrd Euro pro Jahr.“ Das ist doch eine dekadente verkommene Moral. Erst erhöhen die Pharmamonopole willkürlich massiv die Preise, dann wird generös ein Rabatt eingeräumt, der wohl schon vorher im Preis einkalkuliert war. Und für diese Schmierenkomödie will der feine Herr Steiner auch noch gelobt werden!

 

Die Preise für patentgeschützte neue Medikamente haben sich laut Angaben der AOK seit 2014 verdreifacht. So werden zum Beispiel die Kosten für Antikörperpräparate in der Krebs- und Immuntherapie von Pharmakonzernen völlig willkürlich festgelegt und liegen oftmals bei ca.100.000 Euro pro Patient und Jahr. Diese undurchsichtigen Machenschaften werden durch dieselben Politiker gedeckt, die jetzt zum Sparen aufrufen! Zu Recht erwarten die Beitragszahler für ihr Geld eine umfassende gründliche Gesundheitsvorsorge, Betreuung und Behandlung. Nicht nur Pharma-, Geräte- und Ausrüstungskonzerne verdienen glänzend. Fast 40 Prozent der 1874 Kliniken in Deutschland sind inzwischen in der Hand privater Investoren wie Asklepios, Helios, Sana und Ameos.

 

„Das Pharmaunternehmen kann seinen Verkaufspreis für Arzneimittel zunächst frei bestimmen.“ (Bundesministerium für Gesundheit). Halt, rufen jetzt die Pharmamonopole, die Forschung ist so teuer. Dabei wird zumindest die Grundlagen-Forschung von unseren Steuergeldern bezahlt, während die Monopole den Maximalprofit einheimsen.
Habt ihr schon einmal von einem Landwirt gehört, der den Preis seiner Produkte „frei bestimmen“ kann? Und wenn es nur der Preis wäre, den er mindestens benötigt, um seine Kosten auszugleichen.

 

Was ist zu tun? Die Preise der Großgeräte-und Pharmaindustrie müssten massiv gesenkt werden - auf Kosten ihrer Profite. Durch konsequenten Ausbau der Prävention könnten viele Krankheiten vermieden und auch viele Gesundheitskosten eingespart werden – allein durch eine konsequente Vorbeugung von Adipositas und Diabetes könnten 40 bis 60 Milliarden Euro im Jahr an Gesundheitskosten vermieden werden. Die Prävention wird aber seit Jahren abgebaut. Dabei geht es nicht hauptsächlich um Einsparungen, sondern um eine höhere Lebensqualität.

 

Doch letztlich ist es so: Kapitalismus und Gesundheit sind auf Dauer unvereinbar. Es ist die Profitwirtschaft, die die Befriedigung der ganzen berechtigten Lebensbedürfnisse der Menschheit verhindert.