Abzocke und Rüstung
Die dunkle Seite von Spotify
Musik. Sie begleitet uns durchs Leben. Sie läuft beim Sport, beim Kochen, unterwegs – egal ob in der Bahn oder im Auto und natürlich beim Feiern. Nicht selten auch auf der Arbeit. 53 Prozent aller Musik wird heute gestreamt. Absoluter Branchenprimus ist dabei Spotify.
Für die jüngeren ist kaum mehr vorstellbar, dass man früher vor der Hifi-Anlage saß und aufwendig Mixtapes zusammenstellte. Über die Streamingdienste haben wir immer und überall Zugriff auf hunderte Millionen Lieder. Ein riesiger Fortschritt für den internationalen Austausch. Und im Grunde auch für kleine Bands und Künstler, ihre Werke dem weltweiten Publikum vorzustellen. Doch der Schein trügt. Denn der Kapitalismus schafft es, auch diesen Fortschritt mindestens zum Teil ins Gegenteil zu verwandeln.
Abzocke der Künstler
Der Gründer von Spotify, Daniel Ek, hat ein geschätztes Privatvermögen von 10 Milliarden US-Dollar. Und das kommt nicht von ungefähr. Spotify zahlt unter den Streaming-Diensten mit Abstand am wenigsten Geld an die Künstler. Wenn du ein Lied hörst, bekommt der Künstler dafür in etwa 0,3 Cent. Die Auszahlung beginnt überhaupt erst bei über 1.000 Streams pro Lied und dann werden davon noch Anteile durch die sogenannten Distributoren abgezogen. Im Vergleich dazu zahlt der Anbieter Tidal ca. 1 Cent pro Stream und Qobuz sogar 1,8 Cent pro Stream. Die Streamingdienste haben den Verkauf von Tonträgern als Einnahmequelle für Künstler zerstört. Und Spotify zahlt so wenig, dass im Grunde nur noch die wirklichen Stars damit ernsthafte Einnahmen generieren können.
Der unerhörte Reichtum von Daniel Ek beruht also auf Abzocke. Wo die Einnahmen für Tonträger bisher wenigstens zu einem guten Teil an die Künstler gingen, gehen sie nun an jemanden, der im Grunde nur die Plattform anbietet. Das wäre in etwa so, als ob Ebay fast die gesamten Einnahmen bekommt, wenn du dort deine Dinge verkaufst. Im übrigen ist das ein wesentlicher Grund dafür, dass die Preise für Live-Konzerte in die Höhe schießen. Bands brauchen professionelle Aufnahmen, um bekannt zu werden. Geld können sie aber im Grunde nur noch mit Konzerten verdienen. Der Widerstand dagegen wächst. Aber eine wirkliche Lösung haben Musiker im Rahmen des Kapitalismus auch nicht. Denn wenn man noch nicht wirklich bekannt ist, schadet man sich mit dem Rückzug von Spotify vor allem selbst, ohne dabei etwas zu erreichen.
Rüstung und Völkermord
600 Millionen Euro investierte Daniel Ek in die Münchner Firma Helsing. Dort fungiert er nun als „Co-Chairman“. Helsing entwickelt KI-gestützte Rüstungsgüter, unter anderem eine Kamikaze-Drohne, die in der Ukraine eingesetzt und von der Bundeswehr getestet wird. Früh kamen Vorwürfe auf, über Helsing würde Spotify den Völkermord an den Palästinensern unterstützen. Helsing widersprach und versicherte: „Das KI-Rüstungsunternehmen Helsing beliefert oder betreibt keine Projekte in Israel und hat dort auch keine operative Vertretung. Die Verteidigungstechnologie des deutschen Unternehmens ist ausschließlich für den Einsatz innerhalb der Grenzen von NATO-Staaten sowie zur Abwehr der russischen Aggression in der Ukraine zugelassen.“
Aber Helsing hat mehrere Direktverträge mit internationalen Rüstungskonzernen, die an Israels Völkermord mitschuldig sind, darunter Rheinmetall und Airbus. Die Tochtergesellschaft Airbus DS Airborne Solutions unterhält z.B. eine strategische Partnerschaft mit dem staatlichen israelischen Luft- und Raumfahrtkonzern Israel Aerospace Industries. In den USA liefen auf Spotify Rekrutierungsanzeigen für die faschistischen ICE-Milizen und der Konzern werte jede Kritik daran ab. In Israel lief über Spotify Werbung für den Gefängnisdienst in Israel. Dieser steht unter direkter Kontrolle des faschistischen Polizeiministers Ben-Gvir und ist für Folter, unmenschliche Haftbedingungen und sexuelle Gewalt bekannt. Öffnet man die Startseite von helsing.ai/de, prangt dort trotz alledem „Zum Schutz unserer Demokratie“.
Was tun?
Streaming ist natürlich nicht aufzuhalten und auch eine sinnvolle Sache. Der Boykott eines einzelnen Monopols wird auch die Machtverhältnisse im Kapitalismus nicht ändern. Es macht trotzdem Sinn, das eigene Spotify-Konto zu kündigen zu Tidal oder Qobuz zu wechseln und auch im eigenen Umfeld darüber zu sprechen. Warum sollte man das Geld weiter an das Monopol geben, dass den Künstler am wenigsten zahlt und in KI-Waffen investiert?
Noch wichtiger aber ist, dass sich das einreiht und verbindet mit dem gemeinsamen Kampf gegen Krieg, Aufrüstung und Völkermord. Auch unter Künstler gibt es dazu bemerkenswerte Initiativen. Über 1.000 Künstler, darunter Roger Waters, Peter Gabriel, Massive Attack und Macklemore unterstützen inzwischen die Initiative „no Music for Genocide“. Vorbild ist der Kampf gegen die Apartheid in Südafrika, bei der die internationale Bewegung damals soviel Druck ausübte, dass jede Kooperation mit dem Apartheids-Regime für Konzerne und Regierungen ein wirtschaftliches und politisches Risiko wurden.
https://bds-kampagne.de/spotify-entlarvt-profite-aus-apartheid-voelkermord-und-rassistisch-motivierte-deportationen/