Im Gedenken an den Fernseh – und Theaterregisseur Klaus Emmerich
Die Bergarbeitersaga „Rote Erde“ war sein Ding
Am 27. Mai 2026 ist der Fernseh– und Theaterregisseur Klaus Emmerich im Alter von 82 Jahren gestorben.
Vielen Lesern wird sein Name erstmal nichts sagen, auch wenn sie den ein oder anderen Film von ihm im Kino oder Fernsehen mit Spannung oder Heiterkeit verfolgt haben. Zum Beispiel den Tatort „Morlock“ mit Götz George oder die Komödie „Pizza Colonia“ mit Mario Adorf als Kölsch sprechendem Italiener.
Einem Millionenpublikum wurde er jedoch bekannt durch die von ihm in den 1980er Jahren geschaffene Fernsehserie „Rote Erde“ I und II. Darin stellte er die Entwicklung einer Bergarbeiterfamilie im Ruhrgebiet in den Mittelpunkt ganz aus der Sicht der Arbeiter, die er unverkennbar und mit großer Empathie unterstützte. Damit schrieb Klaus Emmerich Fernsehgeschichte. Denn die Geschichte vom Leben und Arbeiten auf der fiktiven Zeche „Siegfried“ in den Jahren 1887 bis 1945 hielt damals das deutsche Fernsehpublikum in Atem. Am Schicksal dieser Familie bekamen viele Zuschauer erstmals mit, wer eigentlich durch harte und lebensgefährliche Arbeit unter Tage all das geschaffen hat, was in den Wirtschaftsteilen bürgerlicher Zeitungen als “Wirtschaftswunder“ eines Ludwig Erhard verfälscht wurde.
Und - zum Teil auch zum ersten Mal - sahen sie sich konfrontiert mit den harten Klassenkämpfen, die den Aufstieg des Faschismus in der Weimarer Republik begleiteten, und der verhängnisvollen Spaltung in der Arbeiterbewegung in Sozialdemokraten und Kommunisten, deren gemeinsame antifaschistische Aktion den Faschismus hätte verhindern können. Außergewöhnlich auch die Darstellung der Kommunisten: Sie erscheinen als die politische Kraft, die früh vor den Nazis warnte und die als Reaktion darauf von den Nazis als erste rücksichtslos verfolgt und in Konzentrationslager verschleppt wurden. Allerdings wird ihnen sehr subtil gleichzeitig ganz im Sinne der herrschenden Geschichtsdarstellung wegen ihrer systemsprengenden Radikalität die Hauptverantwortung für die Spaltung zugeschoben.
Insgesamt hat Klaus Emmerich mit dieser Serie jedoch ein wirklichkeitsgetreues Bild der Bedeutung und Rolle der Arbeiterklasse einem Millionenpublikum vor Augen geführt. Das unterstreichen auch die vielen Leserzuschriften, die bedauerten, dass noch bis 2007 keine DVD davon zu erwerben bzw. auch keine Wiederholung im Fernsehen zu sehen war.
Stellvertretend dafür eine Zuschrift von Friderun von Dechend vom 24.3.2007: „'Rote Erde' ist Geschichtsunterricht vom Feinsten. Schon deshalb sollte die Serie unbedingt wiederholt werden!“