Wuppertal
Leserbrief zu "Sozialabbau" und Kinderlosigkeit
Im Artikel „Italien: Rom - 15.000 gegen Aufrüstung und Sozialabbau“ auf Rote Fahne News am 27. Mai ist m.E. der Begriff „Sozialabbau“ irreführend und nicht korrekt. Im Artikel selbst gibt es auch keinen Hinweis, dass dieser bei der dortigen Demo verwendet wurde.
"Sozialabbau" ist ein bürgerlicher Begriff, mit dem die Lebenslüge vom Sozialstaat verdeckt werden soll, so als ginge es hierzulande sozial zu. Das wird jedoch erst im echten Sozialismus der Fall sein. Heute geht dagegen um die Kampf gegen den Abbau sozialer Errungenschaften mit gesellschaftsverändernder Perspektive.
Im Artikel zur Pflegefinanzierung "Kinderlose nicht bestrafen!" heißt es: „Kinderlose Menschen dürften nicht ohne Not diskriminiert werden.“ Das bezieht sich zwar offenbar auf die Aussagen von DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel, sollte aber m.E. in einem Artikel nicht unkommentiert übernommen werden. Abgesehen davon, worin eine solche Not bestehen soll, sollten wir uns grundsätzlich auf antifaschistischer Grundlage gegen die Diskriminierung von Menschen (also Benachteiligung, Herabwürdigung, Ausgrenzung usw.) positionieren: erst recht, wenn sich Menschen zur Kinderlosigkeit entschieden haben.
Das kapitalistische Ausbeutungssystem braucht eben die bürgerliche Familienordnung und zerstört sie gleichzeitig. Es steht allerdings in den Regierungssternen, ob die Belastung von Kinderlosen ein Anreiz ist und junge Leute dazu bringt, deswegen Kinder in die Welt zu setzen. So oder so, die Verantwortung für die Milliarden Kinder in der Welt - nicht nur für die „eigenen“ - ist eine besondere Herausforderung.