Plattentipp
Kreator: „Krushers Of The World“ – Thrash Metal mit kritischem Biss
Wer mit Heavy Metal oder harter Musik grundsätzlich nichts anfangen kann, für den ist diese Platte von vornherein nichts. Für alle anderen könnte sich hier durchaus eine musikalisch wie inhaltlich interessante CD auftun!
Kreator aus Essen gehören, neben Sodom aus Gelsenkirchen, Destruction aus Weil am Rhein und Tankard aus Frankfurt am Main, zu den Gründungsvätern des deutschen Thrash Metal. Aber während die anderen genannten Bands eher über Unheimliches, Krieg und Party bzw. Alkohol singen, steht bei den Essener Arbeiterkindern seit Gründungstagen Kritik am kapitalistischen System, am Faschismus, an Ausbeutung, Umweltzerstörung etc. im Vordergrund. Zwar werden auch hier die Kritiken im Allgemeinen in Horrorgeschichten oder Endzeitszenarien gekleidet, sie sind und waren aber schon immer da. Songs wie „Civilization Collapse“ (vom Album „Phantom Antichrist“ aus dem Jahr 2012 mit Originalfotos von den damaligen Massenprotesten in Griechenland im Video zum Song), "Violent Revolution" (vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 2001) und "Hate über alles" (vom gleichnamigen Album 2022) sprechen da eine deutliche Sprache.
Das zeigt sich auch im Auftreten der Band: So stand Frontmann Mille Petrozza seinerzeit bei einem Auftritt in der Sendung Programa Livre im brasilianischen (!) Fernsehen unübersehbar in einem „Gegen-Nazis“-T-Shirt auf der Bühne – und das 1992, in der Hochzeit der sogenannten „Baseballschläger-Jahre“ in Deutschland.
Das alles setzt sich auch auf der aktuellen Platte „Krushers Of The World“ fort. Das Album ist eine Anklage an die Abgründe des kapitalistischen Systems, beschreibt seine Auswirkungen in der Zukunft, prangert die Ausbeutung des Einzelnen an, kritisiert Gier und Korruption etc. Wie gesagt: Das alles wird eher in schaurige Bilder gekleidet, was auch mit der Vorliebe Petrozzas für italienische Horrorfilme der 1970er- und 1980er-Jahre zu tun haben dürfte. Die Kritik bleibt außerdem im kleinbürgerlich-linken Bereich – das Ziel Sozialismus wird man hier nicht finden. Es ist aber durchaus bemerkenswert, dass in der aktuellen Zeit der Rechtsentwicklung eine Band, die in ihrem Genre mittlerweile zu den führenden Deutschlands – wenn nicht weltweit – gehört, exakt diesen Kurs fährt.
Dazu gehört, dass die verbliebenen Gründungsmitglieder, Sänger Mille Petrozza und Schlagzeuger Jürgen „Ventor“ Reil, angenehm auf dem Teppich geblieben sind. Während Petrozza sich neben einem Zweitwohnsitz in Berlin immer noch vor allem im Essener Stadtteil Altenessen zu Hause fühlt, in dem er als Bergarbeiterkind großgeworden ist, lebt Drummer Reil bis heute in Essen-Karnap.
Sowohl das Vorgängeralbum „Hate über alles“ als auch die aktuelle Scheibe gingen in den offiziellen deutschen Album-Charts direkt auf Platz zwei.
Wer mit dieser Art von Musik etwas anfangen kann, dem sei die Platte in jedem Fall ans Herz gelegt.