Westjordanland

Westjordanland

Faschist Smotrich kündigt an, den Beduinenort Chan al-Ahmar von der Landkarte zu streichen

Vor zwei Wochen hat Israels faschistischer Finanzminister Bezalel Smotrich die Räumung des Dorfes der Beduinen vom Jahalin-Stamm wenige Kilometer östlich von Jerusalem angekündigt.

Von gis

Es leben 45 Familien hier, darunter 180 Schulkinder. Vordergründig ist es ein primitiver Rachefeldzug: Die Palästinensische Autonomiebehörde habe sich für einen Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) in Den Haag gegen ihn eingesetzt, so Smotrich. Das sei eine Kriegserklärung. Er werde fortan alle Ziele angreifen, die in seinem Machtbereich lägen. Dieser umfasst auch die Zivilverwaltung im von Israel besetzten Westjordanland.

 

Chan al-Ahmar ist dabei nicht zufällig schwerpunktmäßig betroffen. Seit Jahren schon will die israelische Regierung Beduinengemeinden aus dem sogenannten E1-Gebiet vertreiben. Dann könnten die umliegenden israelischen Siedlungen, alle illegal auf palästinensischem Gebiet errichtet, miteinander verbunden, das Westjordanland zerschnitten und eine Zweistaatenlösung faktisch unmöglich gemacht werden, ein weiterer Schritt zum Ausbau des imperialistischen Staats Israel zur beherrschenden Großmacht im Nahen Osten.

 

Das Dorf wurde in den 1950er-Jahren gegründet, nachdem die Jahalin-Beduinen aus der Negev-Wüste vertrieben worden waren. Nach der Besetzung des Westjordanlands im Sechstagekrieg 1967 erkannte Israel Chan al-Ahmar nicht als Wohngebiet an, verweigerte den Anschluss ans Wasser- und Stromnetz. Seit 2009 wehrt sich das Dorf gegen Abrissanordnungen für die Hütten, die Klinik, die Moschee, die von Italien finanzierte Schule.

 

2018 entschied Israels Oberstes Gericht, dass die Bewohner umgesiedelt werden sollen. Seit dem erneuten Amtsantritt von Premier Netanjahu 2022 und seiner faschistischen Regierung wurde laut der Times of Israel der Bau von 103 neuen Siedlungen genehmigt – gemessen an der Gesamtzahl ein Anstieg von 78 Prozent in dreieinhalb Jahren, wie die israelische Organisation Peace Now dokumentiert. Seit 2018 wurden die Bewohner von 68 palästinensischen Gemeinden vertrieben, 59 davon allein seit dem 7. Oktober 2023.

 

Das Dorf Chan al-Ahmarist strategisch wichtig. „Das ist das einzige noch existierende Dorf auf der Strecke zwischen Jerusalem und dem Toten Meer. Das einzige palästinensische Dorf,“ so der Dorfsprecher. Sollte Israel es zerstören, würden die Siedlungen Kfar Adumim und Alon mit Ma’ale Adumim und einem Industriegebiet verbunden, es würde ein Gürtel gebildet, der Jerusalem von Osten her umschließt. Außerdem würde das Westjordanland in einen nördlichen und einen südlichen Teil zerschnitten.

 

Seit Smotrichs jüngster Ankündigung hat sich die Lage im Dorf erneut verschärft. Zionistische Siedler aus den umliegenden Orten sind ins Dorf eingefallen. Sie kündigen an, den Abriss zu unterstützen, sobald die Bagger anrückten. „Sie stehlen Tiere und Schafe, sie schlagen Kinder in der Schule, sie greifen die Lehrer an, sie sagen obszöne Dinge, drehen das Wasser ab und die Solaranlagen“, so ein Dorfbewohner. Chan al-Ahmarist darf nicht von der Landkarte verschwinden! Solidarität mit den Menschen dort und im gesamten Westjordanland!

 

Video der ARD-Korrespondentin Sophie von der Tann über die angekündigte Zerstörung des Beduinendorfs

 

Unterdessen setzt Israel auch im Gazastreifen seinen Vertreibungs- und Vernichtungsfeldzug fort. Seit die Waffenruhe offiziell in Kraft ist, wurden mehr als 900 palästinensische Männer, Frauen und Kinder von israelischen Militärs ermordet. Gleichzeitig starben lediglich vier israelische Soldaten. Netanjahu beansprucht, 70 Prozent des Gazastreifens dauerhaft zu besetzen.

 

Die weltweite Solidaritätsbewegung mit dem Überlebens- und Freiheitskampf des palästinensischen Volks muss mit aller Kraft verstärkt werden!