Pressemitteilung
Pressekonferenz am 29. Mai: Freiheit für Eva Maria Michelmann und Ahmet Polad!
Am Freitag, dem 29. Mai, fand in Berlin erneut eine Pressekonferenz zur Kampagne "Freiheit für Eva Maria Michelmann und Ahmet Polad" statt. Rotraut Hake-Michelmann (Mutter) und Dr. Antonius Michelmann (Bruder) sowie Rechtsanwalt Roland Meister berichteten über die Ergebnisse ihres Besuchs beim Auswärtigen Amt und formulierten erneut ihre Forderungen.
Avin Hummitzsch, Sprecherin von People’s Bridge, veröffentlichte eine Zusammenfassung des Pressetermins. Rote Fahne News dokumentiert.
Am 29. Mai 2026 fand in Berlin die dritte Pressekonferenz im Falle der Verschleppung/Inhaftierung der Journalist:innen Eva Maria Michelmann und Ahmet Polad (Mehmet Nizam Aslan) durch die syrische Übergangsregierung statt. Teilnehmer:innen waren Rotraut Michelmann (Mutter von Eva), Dr. Antonius Michelmann (Bruder), Rechtsanwalt Roland Meister sowie als Moderatorin Avîn Hummitzsch von der Rojava-Solidaritätsstruktur „People’s Bridge“. Zuvor hatte ein Treffen mit dem Auswärtigen Amt stattgefunden. Die vorangegangenen Pressekonferenzen waren in Köln.
Die Pressekonferenz war gut besucht. Avîn Hummitzsch leitete die Pressekonferenz mit einer zusammenfassenden Darstellung ein. Sie gab Informationen darüber, unter welchen Umständen Eva und Ahmet inhaftiert wurden und dass Eva Michelmann bisher nur einmal von einer Vertreterin der deutschen Botschaft besucht wurde. Sie berichtete, dass seit der Veröffentlichung der Entführung am 28. Februar auf verschiedensten Ebenen gearbeitet wurde, um die Freiheit der beiden Journalist:innen zu erwirken. Die Initiative
„Freiheit für Eva und Ahmet“ habe zuletzt in Köln und Paris Mahnwachen gemacht und organisiere in ganz Europa jeden Mittwoch Proteste, die sie in naher Zukunft auch intensivieren werde.
Zu Beginn berichtete der Rechtsanwalt Roland Meister über das Treffen mit Vertreter:innen des Auswärtigen Amts. Dabei wurde die große Sorge um den Gesundheitszustand der Inhaftierten betont. Nach Angaben des Anwalts hat eine alawitische Journalistin aus Syrien berichtet, dass Eva Maria Michelmann systematischen Verhören und Folter ausgesetzt wurde. Ahmet Polad sei laut Zeugenaussagen schwer verletzt. Der Forderung, einer unabhängigen Ärztin einen Besuch bei Eva Maria Michelmann in Damaskus zu ermöglichen, sei die syrische Regierung bislang nicht nachgekommen, so Meister. Seit dem 23. April habe die syrische Regierung zudem keine weiteren Besuche des Auswärtigen Amtes zugelassen. Weder dem Auswärtigen Amt noch Anwälten in Damaskus sei ermöglicht worden, einen Besuch der beiden in der Haft zu organisieren. Erneut sei unklar, ob beide in Damaskus oder in Aleppo inhaftiert sind. Sie befinden sich also weiter in menschenrechtswidriger Incommunicado-Haft.
Er äußerte darüber hinaus Kritik an der Vorgehensweise der Bundesregierung und deren Auswärtigem Amt. Angesichts laufender Kontakte zwischen der Bundesregierung und Vertretern der syrischen Übergangsregierung sei es nicht nachvollziehbar, warum sich seitens der Bundesregierung nicht intensiver für die Freilassung eingesetzt wird. Die bisherige Vorgehensweise der „stillen Diplomatie“ sei auch intransparent. Die Rechtsgrundlage für die Inhaftierung von Eva Maria Michelmann sei weiterhin unbekannt. Die Bundesregierung müsse den politischen Druck erhöhen. Während kein weiterer Besuch seitens der deutschen Botschaft zugelassen und keine Informationen zum Gesundheitszustand gegeben werden, werden Sanktionen gegen die vormaligen HTS-Führer aufgehoben und der syrische Übergangspräsidenten Ahmad al-Shaara zu
internationalen Treffen, wie jetzt zum G7-Gipfel eingeladen.
Rotraut Hake-Michelmann, Mutter von Eva Maria Michelmann, unterstrich die Sorge der Familie um Eva Maria Michelmann und Ahmet Polad. Sie verwies darauf, dass Eva seit mehr als 130 Tagen inhaftiert sei. Kurdische Akteure hätten die Familien maßgeblich bei der Suche nach den beiden unterstützt, die 6 Wochen lang verschwunden waren. Erst nachdem feststand, dass sich beide Journalist:innen im Gefängnis in Aleppo befinden, sei es zu einem ersten und bislang einzigen Besuch einer Vertreterin der deutschen Botschaft gekommen.
Zudem zog Rotraut Michelmann Parallelen zum Fall der deutschen Theologin Elisabeth Käsemann,
die 1977 durch die Militärdiktatur in Argentinien ermordet wurde. Sie verwies auf die Kritik, dass
unzureichende diplomatische Bemühungen Deutschlands die Hinrichtung ermöglicht habe und
stellte die Frage nach dem Verhältnis zwischen wirtschaftlichen profitorientierten Interessen und
dem Einsatz für die Freiheit deutscher Staatsangehöriger. Der Vater von Elisabeth Käsemann fasste
es laut Rotraut damals gut zusammen, als er von ‚Mord durch unterlassene Hilfe’ sprach und damals
sagte, dass die ‚Produktion und der Verkauf eines Mercedes der Bundesregierung wichtiger
gewesen sei als die Freilassung seiner Tochter‘.
Abschließend verlas sie eine Erklärung der Eltern von Ahmet Polad, die betonten, dass
Journalismus nicht kriminalisiert werden dürfe und zur Unterstützung der Forderung nach der
Freilassung von Eva Maria Michelmann und Ahmet Polad aufriefen.
Dr. Antonius Michelmann hob die Bedeutung der öffentlichen Aufmerksamkeit hervor. Die Arbeit
von Unterstützer:innen, Journalist:innen, ehemaligen Betroffenen und Anwälten habe dazu
beigetragen, den Aufenthaltsort der beiden zu ermitteln. Auch hob er die wirtschaftliche
Verstrickung zwischen beiden Ländern hervor und beschrieb seine Fassungslosigkeit darüber, dass
der deutsche Staat nicht alle Hebel in Bewegung setzt, um Eva aus dem Gefängnis zu holen –
„obwohl es einen ganzen Katalog an Druckmitteln gibt“. Wenn dieser Fall zur „Chefsache“
gemacht würde, so Dr. Antonius Michelmann, wäre es ein leichtes Unterfangen, Eva bereits nächste
Woche in einen Flieger zu setzen.
Die Pressekonferenz endete nach Fragen der Pressevertreter:innen sowie Antworten des Anwalts,
der Familienangehörigen und der Moderatorin.