Minenarbeiter an der Spitze

Minenarbeiter an der Spitze

Bolivien: Aufstandsähnliche Proteste mit den Bergarbeitern im Zentrum

Die bolivianische Hauptstadt La Paz ist seit Tagen durch entschlossene Straßenblockaden weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten. Auf den Zufahrtsstraßen aus El Alto und den umliegenden Regionen halten Tausende Demonstranten die Versorgungswege besetzt.

Von gis/pw
Bolivien: Aufstandsähnliche Proteste mit den Bergarbeitern im Zentrum

Dies ist Ausdruck berechtigten Zorns gegen eine Regierung, die ihre Wahlversprechen gebrochen hat. Seit Wochen wächst eine breite Volksbewegung aus Minenarbeitern, Transportarbeitern, indigenen Gemeinschaften, Bauern, Lehrern und weiteren Sektoren. Zehntausende beteiligen sich landesweit an den Kämpfen. Im ganzen Land gibt es Blockaden wichtiger Verkehrswege, die die Regierung massiv unter Druck setzen. Die Demonstrierenden fordern nicht weniger als den Rücktritt von Präsident Rodrigo Paz, der erst vor sechs Monaten angetreten ist. Im Mittelpunkt des Kampfs stehen die Bergarbeiter und der mächtige Gewerkschaftsdachverband COB, der einen unbefristeten Generalstreik ausgerufen hat.

Die Kraft der Bergarbeiter

Die bolivianischen Bergarbeiter, traditionell das Rückgrat der sozialen Kämpfe des Landes, spielen eine zentrale Rolle. In ihren blauen Overalls ziehen sie mit großer Entschlossenheit durch die Straßen, organisieren Blockaden und treiben den Protest voran. Ihre harte Arbeit unter gefährlichen Bedingungen hat das Land über Jahrzehnte geprägt – nun wehren sie sich entschlossen gegen eine arbeiter- und volksfeindliche Politik. Der Generalstreik des COB gibt der Bewegung Durchschlagskraft. Mit 16 Kernforderungen – darunter höhere Löhne, Schutz vor Privatisierungen, bessere Treibstoffversorgung und die Verteidigung nationaler Souveränität – vereint er zahlreiche Bereiche und verleiht dem Aufstand landesweite Stärke. Noch sind die Kämpfe nicht so breit wie 2003. Ihre Stärke liegt aber in der Dauer und Entschlossenheit

Bewaffnete Zusammenstöße

In La Paz und El Alto kam es zu heftigen Zusammenstößen, bei denen Demonstranten Steine, Dynamitpatronen und Feuerwerkskörper einsetzten, um sich gegen Polizeiterror zu verteidigen. Es gab Verletzte und Festnahmen. Bei Polizeieinsätzen mit Tränengas, Räumungen und Schlägen ziehen sich die Demonstranten meist nur kurz zurück, um sich dann neu zu formieren. Es gibt Berichte, dass Repression die Wut eher anheizt und mehr Menschen mobilisiert, statt sie einzuschüchtern. Mehrere Menschen starben, weil Blockaden die medizinische Versorgung behinderten – eine Tragödie, die viele der Wut auf die Regierung zuschreiben, die die soziale Krise verschärft hat. Viele Protestierende hatten Paz gewählt – nun fühlen sie sich verraten.

Von der Hoffnung zur Enttäuschung

Rodrigo Paz gewann die Wahl 2025 mit dem Versprechen „Kapitalismus für alle“. Nach fast 20 Jahren MAS-Regierung unter Evo Morales sollte ein neuer Weg eingeschlagen werden. Doch nach nur sechs Monaten zeigt sich: Die Treibstoffknappheit verschärft sich, Lebenshaltungskosten steigen, und „Reformen“ treffen vor allem die einfachen Menschen. Es gibt eine breite Massendebatte, dass dieser Kapitalismus nichts für alle ist, sondern den internationalen Monopolen Maximalprofite sichert, während für die Massen die Ausbeutung ins Unerträgliche wächst. Und über den Sozialismus als gesellschaftliche Alternative. Noch stehen bei vielen Aktionen Sofortforderungen im Zentrum. Es gibt aber vermehrt slogans wie "Viva la revolución“ oder den Ruf nach einem „popularen Aufstand“. Einige Anzeichen sprechen für eine revolutionäre Gärung in Bolivien inmitten einer tiefen politischen und wirtschaftlichen Krise.

Rolle von Evo Morales

Ex-Präsident Evo Morales, selbst ehemaliger Koka-Bauern-Gewerkschafter und erster indigener Präsident, unterstützt aus dem Untergrund in Chapare die Bewegung und fordert Neuwahlen. Zweifellos hat Evo Morales in seiner fast 14-jährigen Amtszeit die absoluten Armutszahlen gesenkt und große Fortschritte im Bildungs- sowie Erziehungswesen erreicht. Zudem stärkte er die Würde der jahrhundertelang gedemütigten indigenen Völker mit dem Konzept eines „plurinationalen Staates“. Diese Errungenschaften bleiben ein wichtiges Erbe. Doch auch er scheiterte letztlich am reformistischen Konzept des „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“, wie es besonders in Venezuela und Ecuador desaströs zusammengebrochen ist. Die sozialen Zugeständnisse konnten nur aus den schwankenden Erlösen der Rohstoffe finanziert werden – in Bolivien vor allem Öl, Gas und Lithium. Auch nach der Verstaatlichung erzwang diese Exportabhängigkeit weiterhin den Raubbau an den natürlichen Ressourcen. Statt zurück zum gescheiterten Weg des "Sozlalismus des 21. Jahrhunderts" - vorwärts zum echten Sozialismus!

 

Internationale Solidarität notwendig

 

Es ist eine Herausforderung für die Marxisten-Leninisten in Bolivien, diese Kämpfe revolutionär weiterzuentwickeln mit sozialistischer Perspektive.

 

Dagegen unterstützen faschistische Regierungen wie die von Milei in Argentinien oder Trump in den USA die Regierung in Bolivien – nach Gerüchten von Seiten Argentiniens sogar mit Waffenlieferungen. Kolumbien hingegen protestiert gegen die faschistischen Attacken auf die Protestierenden.

 

Die harten Kämpfe sind ein wichtiger Bestandteil des weltweiten vorrevolutionären Gärungsprozesses und sie brauchen unsere internationale Solidarität.