22. Internationales Pfingstjugendtreffen

22. Internationales Pfingstjugendtreffen

Wo spannende Gesprächsrunden auf zündende Rhythmen treffen

Nach der Eröffnung des 22. Internationalen Pfingstjugendtreffens ist bereits einiger Betrieb auf dem Platz.

Von ffz
Wo spannende Gesprächsrunden auf zündende Rhythmen treffen
Vor der Bühne (rf-foto)

An den Ständen und Treffpunkten ist ein buntes Kommen und Gehen. Die vielen schönen Angebote an Waren, fortschrittliche und revolutionäre Literatur, Kleidung mit Motiven aus dem Befreiungskampf von Palästina und Kurdistan, fortschrittliche Musik etc. sind gut besucht. Auch die Essensstände, egal, ob Brathähnchen, original Thüringer Rostbratwurst oder der Bayerische Biergarten, erfreuen sich großer Beliebtheit.

 

Wie die Mitglieder des Zentralen Koordinierungsausschusses bei der Eröffnung mitteilten, hat auch die Stadt Gelsenkirchen bei der Anmeldung anerkennen müssen, dass das Pfingstjugendtreffen "eine lange Tradition" und "Anziehungskraft über die Stadt hinaus" hat. Die Stadt erwähnte nicht, dass es sich beim Pfingstjugendtreffen in Gelsenkirchen auch um eine erkämpfte Tradition handelt: Über Jahre hinweg musste sich der Platz immer wieder erkämpft werden. Entsprechend dem internationalistischen Charakter wurden die internationalen Gäste - unter anderem aus Irland - begrüßt.

 

Seit über 40 Jahren steht das Pfingstjugendtreffen für die Zukunft der Jugend. Und das passt in die Zeit von Faschismus, Weltkriegsgefahr, Umweltkatastrophe und Angriffe auf die sozialen Errungenschaften. Denn hier finde man Antworten, Freunde und solidarische Moral.

 

Herzlich wurde den Aufbauhelferinnen und Aufbauhelfern gedankt, die seit Mittwoch dafür sorgen, dass der Platz jetzt so schön aussieht, wie er sich nun im Sonnenschein präsentiert.

 

Während um 17.15 Uhr als erste Veranstaltung des Pfingstjugendtreffen ein Gitarrenworkshop des Jugendverbands REBELL in dessen Zelt begann, startete im Bayerischen Biergarten die Gesprächsrunde "Was tun gegen Repression?". Ursprünglich vom Internationalistischen Bündnis Essen / Mülheim vor allem zur Repression gegen die Solidarität mit Befreiungskämpfen geplant, wurde die Gesprächsrunde nun um den Themenkomplex "Repression im Betrieb" erweitert. Es geht darum, von den eigenen Erfahrungen zu berichten, sie auszuwerten und sich künftig besser zu organisieren.

 

In der Diskussion sprach unter anderem Ahmad Othman aus Duisburg von seinen Erfahrungen in der Palästina-Solidarität. Ihm wurden unter dem abstrusen Vorwurf der "geistigen Terror-Unterstützung" allen Ernstes die Wohnung und der Arbeitsplatz von der Polizei durchsucht. Nach zwei Freisprüchen, erklärte die Staatsanwaltschaft nun, dass er mit bisher völlig straffreien Parolen, die auf vielen Demonstrationen zur Palästina-Solidarität skandiert werden, "Hamas-Propaganda" betreiben würde. Nichts liegt ihm ferner. Es ist einfach ein neuer Versuch der Herrschenden, die Solidarität mit dem berechtigten Kampf des palästinensischen Volks für Freiheit und Demokratie zu kriminalisieren.

 

Markus Stockert, Betriebsrat bei Thyssenkrupp Steel berichtete von seinem Fall. In der Diskussion wurde deutlich, dass Solidarität mit diesen Kämpfen gegen Repression elementar wichtig ist. Gabi Fechtner, Vorsitzende der MLPD, und Monika Gärtner-Engel, führten infolge über die Repressionen gegen sie aus: mit verdeckter Ausschreibung zur Fahndung und Ähnlichem - obwohl niemand von ihnen sich jemals etwas zuschulden hatte kommen lassen.

 

Owen Franke, US-Staatsbürger, der seit über dreizehn Jahren in Deutschland lebt und deutscher Staatsbürger werden will, berichtete vor den Anwesenden von seinem Kampf gegen die Gelsenkirchener Stadtbürokratie, die seine Einbürgerung allen Ernstes deshalb verhindern will, weil er der Rote Fahne Redaktion ein Interview zur Politik von US-Präsident Donald Trump gegeben hatte und weil er bei der Mediengruppe Neuer Weg arbeitet. Deshalb sei er eine Gefahr für die "freiheitlich-demokratische Grundordnung", so die Stadt. Dafür hatte er die volle Solidarität aller Anwesenden auf seiner Seite. Es wurde deutlich: Nur gemeinsam, mit viel Solidarität und organisiert kann man solche Kämpfe führen und gewinnen.

 

Das Auftaktkonzert wurde von  Anna Schmit, Vorsitzende des Jugendverbands REBELL und Tristan aus Duisburg eröffnet. Die Songgruppe des REBELL machte die Bühne mit dem Steigerlied bereit.

 

Stefan Engel, Schirmherr des 22. Internationalen Pfingstjugendtreffens, freier Publizist und Autor von Büchern der Reihe REVOLUTIONÄRER WEG, berichtete von der Geschichte der Pfingstjugendtreffens. Beginnend mit dem Pfingstjugendtreffen 1910 in Stuttgart bis hin zum Internationalistischen Kinderfest, dass die damalige Gruppe des Kommunistischen Arbeiterbunds Deutschlands, der Vorläuferorganisation der MLPD, vor über 40 Jahren initiiert hatte. In die Wege geleitet von Helga Janzik, der Streikführerin des ersten Putzfrauenstreiks Deutschlands. Die MLPD nahm diese Initiative Anfang der 1980er Jahre auf und kämpfte jahrelang gegen antikommunistische Verbote der Stadt Gelsenkirchen gegen die Pfingstjugendtreffen - erfolgreich. So können heute die Gäste auf der mittlerweile von vielen fortschrittlichen Organisationen, Einzelpersonen und Schirmherren getragenen Veranstaltung Freundschaft, Solidarität etc. erleben. 

 

Aktuell spielen die Gelsenkirchener Hip-Hoper von "House of Arts" und "Josito and the Kids", bevor Hozan Welat, "RAM" und "Rules of this Game" den Eröffnungsabend in der Nacht beschwingt und mit zündenden Rhythmen ausklingen lassen werden. Die Wiese vor der Bühne lebt. Wer noch Zeit übrig und Lust auf einen tollen Abend mit genauso tollen Leuten hat, ist herzlich eingeladen, aufs Freibad-Gelände im Revierpark Nienhausen nach Gelsenkirchen zu kommen.

 

Alle Beteiligten freuen sich bereits auf den morgigen ersten Tag. Die Rote Fahne Redaktion wird weiter berichten.