Veranstaltung mit Stefan Engel

Veranstaltung mit Stefan Engel

"Wir haben es im Weltmaßstab mit einem vorrevolutionären Gärungsprozess zu tun"

Weit über 200 Personen verfolgten interessiert den Vortrag von Stefan Engel, dem Leiter der Redaktion Revolutionärer Weg. Er stellte populär und verständlich die Lehre von der Denkweise dar. Nicht im luftleeren Raum, das betonte er, sondern in enger Verbindung mit der gegenwärtigen Entwicklung.

Von Agathe Czylwick
"Wir haben es im Weltmaßstab mit einem vorrevolutionären Gärungsprozess zu tun"
Gesprächsrunde mit Stefan Engel im Hugo-Hauer-Café (rf-foto)

Das Zentralkomitee der MLPD ist zu der Einschätzung gekommen, dass wir es im Weltmaßstab mit einem vorrevolutionären Gärungsprozess zu tun haben. Die Krisenhaftigkeit des Kapitalismus mit der akuten Weltkriegsgefahr, der fortschreitenden Umweltkatastrophe, der Entwicklung zum Faschismus hat zu einer tiefen Vertrauenskrise unter der Bevölkerung geführt und treibt die Leute auf die Straße.

 

358 Millionen Menschen beteiligten sich weltweit an Streiks und Demonstrationen. Die Bevölkerung geht zu offener Aktivität über, besonders auch in den USA. Hier hat bei den Leuten in der Denkweise eine Veränderung stattgefunden. Das ist ein vorrevolutionärer Gärungsprozess, der der akut revolutionären Situation vorausgeht. Die Menschen wollen nicht mehr in der gleichen Weise leben wie bisher und die Regierung kann nicht mehr so regieren wie bisher. Das ist auch heute schon so.

 

Die Grundlage dafür ist die wachsende Einheit von objektiver Entwicklung und wie sich das subjektiv im Denken der Leute widerspiegelt. Wir stellen auch fest, dass der Antikommunismus an Wirkung verliert. Die MLPD wird zu Schulungen eingeladen, die Arbeiter sprechen wieder vom Klassenkampf und die Unvereinbarkeits-Beschlüsse gegen die MLPD stoßen auf Kritik bis hinein in den Gewerkschaftsapparat.

 

Was ist nun die Denkweise? Das Bewusstsein behandelt den Inhalt, wie man die Wirklichkeit beurteilt. Mit einer Denkweise, die nur an sich denkt, wird man niemals ein proletarisches Bewusstsein erreichen. Wie einer denkt, drückt sich im Denken, Fühlen und Handeln aus. In der Denkweise schlagen sich verschiedene Einflüsse nieder. Das praktische Handeln ist die höchste Stufe der Denkweise. Es gibt nur den Kampf zwischen der proletarischen und der kleinbürgerlichen Denkweise. Die kleinbürgerliche Denkweise wird umso wirksamer, je mehr sie sich mit proletarischen Elementen tarnt. Das muss man durchschauen. 

 

Eine neue Qualität im Bewusstsein bringt auch eine neue Quantität hervor. Am Anfang waren es nur wenig Antifaschisten, dann kam die Remigrationsdebatte und die Proteste schwollen an. Daraus ergab sich wieder eine neue Qualität in der Zusammenarbeit mit den verschiedensten Organisationen.

 

Was machen wir nun mit diesem Gärungsprozess? Wir müssen bewusstseinsbildende Arbeit machen. Die Bündnisarbeit auf der Grundlage des Kampfes muss weiterentwickelt werden. Auch mit bürgerlichen Organisationen, auch mit der katholischen Kirche. Dann brauchen wir eine Höherentwicklung der Kampfformen. Die Kämpfe müssen international koordiniert werden.

 

Die Organisiertheit in der Partei, im Rebell, in den Selbstorganisationen der Massen muss höherentwickelt werden, auch die Einheit zwischen Partei und Massen zum Beispiel durch Tanzveranstaltungen und unsere Kulturarbeit. Entscheidend ist die neue Qualität der Jugendarbeit. Wir müssen ran an die Leute, dürfen uns nicht unter Wert verkaufen. Wichtig ist auch die Konzentration der Kräfte und die Entwicklung der internationalen Solidarität.

 

Vor allem brauchen wir eine populäre Überzeugungsarbeit. Die Rote Fahne wird von den Menschen schwer verstanden. Die Sprache ist oft ledern und viele Artikel sind langweilig. Nach den Parteitag wird die Rote Fahne auf den Kopf gestellt. Die Lehre von der Denkweise muss unter die Leute.

 

In der Diskussion sagt ein Kollege: Die Massen wollen nicht mehr in der alten Weise leben. Das sieht man zur Zeit in Bolivien. Hier gibt es einen Generalstreik. Unter anderem Bergleute fordern die Absetzung des Präsidenten. Da sieht man, wie schnell so eine Entwicklung vor sich gehen kann.

 

Ein anderer Kollege schlägt vor, dass man den Vortrag von Stefan am besten gleich auf der Homepage veröffentlicht, damit darüber diskutiert werden kann. Stefan antwortet darauf, dass man das jetzt erstmal alles richtig verarbeiten muss und dass man dann überall Veranstaltungen macht und die Fragen weiter diskutiert. Wir werden natürlich weiter auf Demos gehen, aber wir werden uns Zeit nehmen, um das zu verarbeiten.

 

Eine Kollegin betonte, dass wir ja nicht kämpfen um das Kampfes willen, sondern dass wir unser Ziel Sozialismus erreichen wollen. Eine andere Besucherin teilt die Kritik an der Roten Fahne, dass sie schwer verständlich sei. Natürlich braucht man auch Fachbegriffe.

 

Stefan betont, dass es nicht nur um die Verbesserung der Roten Fahne geht, sondern überhaupt um unser Auftreten unter den Massen. Wir müssen alle dazu lernen. Stefan fordert alle auf, ihre Kritiken vorzubringen und an der eigenen Selbstveränderung zu arbeiten.

 

"Selbstveränderung ist schwieriger als Revolution. Jetzt machen wir erstmal Selbstveränderung, dann machen wir Revolution."