Nepal
Nepals Linke diskutiert vorrevolutionäre Gärung und schickt kämpferische Grüße an VW-Arbeiter
Monika Gärtner-Engel, Internationalismusverantwortliche der MLPD und Hauptkoordinatorin der revolutionären Weltorganisation ICOR, berichtet vor Ort aus Nepal:
Anlässlich eines Aufenthalts in Nepal wurde mir vom Generalsekretär der NCP (Mashal), Mohan Bikram Singh, eine Veranstaltung zum Thema vorrevolutionäre Gärung und Lehre von der Denkweise vorgeschlagen. Gerne stimmte ich zu und schickte wie verabredet meine geplante Rede vorab.
Ich erwartete eine Veranstaltung im Parteihaus der NCP (Mashal), wie ich sie früher schon erlebt hatte. Doch falsch geraten! Uns erwartete nur wenige Stunden nach der Ankunft im Flughafen eine von Mashal initiierte und vom Intellektuellenverband Nepals ausgerichtete Veranstaltung mit Vertretern fast sämtlicher relevanter linker Organisationen Nepals: UML, NCP, RCPN¹ und natürlich NCP (Mashal); weiterhin der Kampagne gegen Imperialismus und Analysten der politischen Entwicklung sowie namhaften Intellektuellen.
Im Zentrum stand meine halbstündige Rede. Dazu hatte jeder Parteivertreter zehn Minuten, seinen Kommentar abzugeben und seine eigenen Überlegungen vorzustellen.
Rund 110 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen, plus acht Fernsehsender und Social-Media-Influencer.
Ich referierte über die Entwicklung des imperialistischen Weltsystems mit den akuten Gefahren des Faschismus, eines Dritten Weltkrieges und der fortschreitenden globalen Umweltkatastrophe. Vor diesem Hintergrund berichtete ich von der neuen Qualifizierung der vorrevolutionären Gärung und ihrer wesentlichen Merkmale (mehr dazu hier), zog die Schlussfolgerung einer notwendigen neuen Qualität des proletarischen Internationalismus, der länderübergreifenden Koordination und Kooperation, wie mit der ICOR, des verstärkten Aufbaus revolutionärer und marxistisch-leninistischer Parteien und der Entwicklung der führenden Rolle der Arbeiterklasse. In diesem Zusammenhang berichtete ich von den aktuellen Entwicklungen bei VW.
Die vorher und nachher gehaltenen kommentierenden Statements waren sehr angeregt und positiv gestimmt zu dieser Debatte.
Der Vertreter der RCPN, Hemanta Prakash Oli, sagte zur Lehre von der Denkweise und der Charakterisierung der vorrevolutionären Gärung: "Die MLPD hat eine neue Theorie für eine neue Zeit entwickelt. Das ist gut. Lange wurde der Marxismus-Leninismus nicht weiterentwickelt. Alle sollten so arbeiten und wir sollten auf der ganzen Welt diese Theorie diskutieren und unsere eigenen Überlegungen beisteuern. Neue Zeiten erfordern neue Strategiediskussionen."
Es wurde aber auch kontrovers diskutiert: Der frühere Außenminister Nepals und Vertreter der UML, Pradeep Gyawali, kritisierte neben zahlreichen zustimmenden Aspekten, dass sowohl die USA als auch China als imperialistisch charakterisiert würden. China respektiere die Souveränität aller Länder, während die USA überall Kriege anzettelten. Leider gab es keine Zeit für freie Diskussion. Aber er äußerte das große Interesse, persönlich die Diskussion fortzusetzen.
Auch die anwesenden Vertreterinnen der Frauenverbände mehrerer revolutionärer Organisationen wünschen sich umgehend eine Diskussion darüber, was die vorrevolutionäre Gärung und die Lehre von der Denkweise für die internationale Frauenbewegung bedeuten.
Am Ende der Veranstaltung formulierte der Moderator, Ashok Samir Singh, im Namen aller herzliche kämpferische Grüße an die VW-Arbeiter und ermutigte sie, den Kampf aufzunehmen. Dafür gab es Beifall!
Im Anschluss an die Veranstaltung erklärten mir die Genossinnen und Genossen, dass die revolutionäre Bewegung in Nepal im Moment durch mehrere Spaltungen extrem zersplittert sei. Derartige Veranstaltungen (Interaktionen) zu den verschiedensten Themen seien ein wichtiger Schritt, diesen Zustand zu überwinden und sich zu vereinigen, was angesichts der reaktionären Entwicklung der Weltlage unverzichtbar sei. Eine wertvolle Anregung für die Revolutionäre der Welt.
Viele Grüße vom Dach der Welt.