Interview mit einem ehemaligen Betriebsrat
Verbreitung und Diskussion des „Vorschlags für ein Kampfprogramm“
Paul, Rentner, über 40 Jahre in verschiedenen Betrieben der Metallindustrie als Produktionsarbeiter beschäftigt, zuletzt bei einem großen Automobilzulieferer, dort Betriebsrat und Mitglied der Vertrauenskörperleitung, parteilos, gibt Rote Fahne News ein Interview zum Vorschlag der MLPD für ein Kampfprogramm der Arbeiterklasse.
Rote Fahne: Du hast dich mit der Massenbroschüre der MLPD befasst, „Neue Perspektiven gefragt – Vorschlag für ein Kampfprogramm der Arbeiterklasse“. Wie fällt deine Beurteilung aus?
Paul: Die Arbeitsplätze der Belegschaften, besonders der Automobilindustrie, sind einer regelrechten Zangenbewegung ausgeliefert: Zwischen Strukturkrisen wie der E-Mobilität und Digitalisierung auf der einen Seite, den Folgen der Krise der Neuorganisation der internationalen Produktion auf der anderen Seite, werden zehntausende von Arbeitsplätzen zertrümmert. Zwar wehren sich die einzelnen Belegschaften, aber ihr Widerstand ist noch isoliert und insgesamt ungenügend entwickelt. Ein Hauptgrund dafür ist die mangelnde inhaltliche Klarheit in Zeiten immer komplizierterer, krisenhafter Entwicklungen: Wer ist Freund, wer Feind, welche Forderungen führen nach vorne, wie muss der Widerstand entwickelt werden, welche Organisationsformen brauchen wir? Darauf versucht der „Vorschlag für ein Kampfprogramm der Arbeiterklasse“, den die MLPD vorgelegt hat, Antworten zu finden. Leider wird der Charakter des vorliegenden Kampfprogramms als Vorschlag, als Diskussionsgrundlage nicht ausreichend herausgearbeitet. Trotzdem ist er ein geeignetes Mittel, um die Auseinandersetzung darüber in den Belegschaften voranzutreiben.
Rote Fahne: Welche Überlegungen hast Du Dir dazu gemacht, damit die Sache ins Rollen kommt?
Paul: Dazu ist es aber notwendige Voraussetzung, dass die Kolleginnen und Kollegen den „Vorschlag“ der MLPD kennen. Die Offensive des Kapitals erfordert eine offensive Antwort: Deshalb mein Appell an die MLPD: Nutzt die in zahlreichen Wahlkampagnen erworbene Kampagnenfähigkeit für eine taktische Offensive: zur massenhaften Verbreitung und Diskussion des „Vorschlags“ vor den Toren, insbesondere der wichtigsten Betriebe der Automobilindustrie und ihrer Zulieferer und in den Arbeiterwohngebieten! Denkbar wären Aktionswochen mit deutlich erhöhter Zahl der Verteiler vor den Werkstoren, Kurzkundgebungen, Plakatierung in den Wohngebieten. Um den „Vorschlag“ muss ein umfassender Diskussionsprozess organisiert werden: In erster Linie in den Belegschaften, den Gewerkschaften, mit Betriebsräten, Vertrauensleuten – bei Kollegen-Stammtischen, After-Work- Treffen etc. Auch andere fortschrittliche Kräfte sollten angesprochen werden, wie linke Gewerkschafts-Netzwerke, fortschrittliche Betriebsratslisten und migrantische und linke Organisationen. So hat Luigi Pantisano, Kandidat für den neuen Vorstand der Linkspartei, seine Mitglieder dazu aufgerufen: „Wir müssen raus aus den Kulturkämpfen und rein in die Werkstore“.