Hürtgenwald
Innenminister Reul probt das „einfache wegwerfen“
Immer neue heftige Waldbrände in NRW, anderen Bundesländern, EU-Ländern. Unter Experten gilt als gesichert, dass sich ein Wald – auch bei den jetzigen Hochtemperaturen – nicht selbst in Brand setzen kann.
Nun nimmt das Spekulieren und Rätseln über die Brandursachen zuweilen groteske Formen an. So wies NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU) darauf hin, dass es beim Feuer im Hürtgenwald Hinweise auf Brandstiftung geben könnte; es gebe aber keine gesicherten Erkenntnisse über Brandstiftung.
Und weil noch unklar ist, warum das Feuer ausbrach, warf sich Innenminister Herbert Reul mit seinem enormen Sachverstand vor die Fernsehkameras. Immerhin ist er ja seit 2024 Ehrenmitglied im NRW-Werksfeuerwehrverband und palaverte los: „Warum das Feuer ausbrach, ist unklar. NRW-Innenminister Herbert Reul vermutet menschliches Fehlverhalten als Ursache. Er sprach von 'irgendeinem Idioten', der den Großbrand verursacht habe. 'Darum muss man nachdenken, wie verantwortungslos die Leute in der Gegend rumrennen und einfach irgendwas wegwerfen', so der CDU-Politiker. 'Das ist das eigentliche Problem'."¹ Als wäre das Problem nicht, dass durch die Hitze und Dürre pulvertrockene Wälder und Wiese im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlich werden.
Natürlich ist es sehr problematisch und zu kritisieren, wenn sich Leute einfach ihres Abfalls, Kippen, Glasscherben usw. in der Natur entledigen. Das ist Ausdruck einer kleinbürgerlich-individualistischen Denkweise. Hier sind Bewusstseinsbildung und Handeln notwendig! Bürgerliche Politiker wie Reul, die verantwortungslos in der Gegend herum rennen und einfach mit irgendwelchen unbewiesenen Behauptungen um sich werfen und Betroffene kirre machen, sind da nicht hilfreich.
Was Minister Reul dagegen mit seiner verbalen Kraftmeierei betreibt, ist Ursachenvertuschung, Spaltung und Hetze. Sollen etwa die Betroffenen und mit großem Einsatz selbstlose Helfer jetzt danach suchen, wer unter ihnen oder Fremden den Brand gelegt haben könnte? Glaubt jemand allen Ernstes, dass die aktuelle Masse an Flächenbränden überall von „irgendeinem Idioten“ verursacht wurde? Zur Ursache globale Klimakatastrophe und den gigantischen Massen an noch funktionsfähiger Kriegsmunition im Boden des Hürtgenwaldes, hält sich Reul vornehm bedeckt.
Der Hürtgenwald war bekanntlich ein extremes letztes Schlachtfeld der US-Army gegen die Hitlertruppen am Ende des Zweiten Weltkriegs. Im Hürtgenwald brachten Einheiten der faschistischen Wehrmacht auch die sogenannte "Glasmine 43" zum Einsatz. Große Teile dieser "Antipersonenmine" bestanden aus Glas. Die Sprengkörper lassen sich selbst mit klassischen Metalldetektoren nur schwer oder gar nicht aufspüren. Eine vollständige Räumung des Kampfgebietes war deshalb nicht möglich. ²
Auch das nun im belgischen Grenzgebiet großflächig brennende Hochmoor- und Heidegebiet Hoher Venn war im Ersten und Zweiten Weltkrieg Aufmarschgebiet der deutschen Armee. Wie viel entzündbare Munition es wohl da noch gibt?
Da ist es doch beruhigend, dass es in ganz Deutschland wenigstens im Land Brandenburg drei ferngesteuerte Fahrzeuge speziell für Einsätze auf munitionsbelasteten Flächen gibt. Na klar, für so was muss die Bundeswehr mit Panzern usw. ran, ein ideales Training für Kriegszwecke. Und statt Löschflugzeuge bei Flächenbränden einzusetzen, muss auch hier die Bundeswehr mit Löschbeuteln an Hubschraubern ran. Denn in ganz Deutschland gibt es keine staatliche Löschflugzeugstaffel, nur im Harz ist ein einziges Löschflugzeug stationiert. Bei Großbränden müssten solche ggf. im europäischen Ausland angefordert werden. Aber da brennt momentan auch "die Hütte".
Da ist mit Nachdruck zum Wegwerfen zu empfehlen: Nehmt den imperialistischen Kriegsbrandstiftern und Umweltzerstörern die Welt aus der Hand – eh sie verbrannt! Weltweit vorwärts zum echten Sozialismus!