IT-Artikel
Smartphones sicherer machen mit alternativem Betriebssystem
Smartphones sind aus der Sicht des Datenschutzes eine Katastrophe und für Spitzel aller Art - von Geheimdiensten über Tech-Monopole, ordinäre Kriminelle und den Ex-Freund mit dem Minderwertigkeitskomplex - ein gefundenes Fressen. Mit alternativen Betriebssystemen kann man zumindest dafür sorgen, dass die Geier für ihre Mahlzeit kämpfen müssen.
Denn der umfangreichste und konsistenteste Datenfluss geht direkt an die Hersteller der Betriebssysteme - das sind vor allen Dingen Alphabet (das Monopol hinter Google und Android) sowie Apple (verantwortlich für das iPhone und iOS). Vor allen Dingen Google lebt vom Handel mit den Daten seiner Nutzer. Diese Tech-Monopole kann man aussperren, indem man ein alternatives Betriebssystem benutzt.
Umrüsten eines Gebrauchtgeräts
Die Entwickler sind oft keine kommerziellen Betreiber, sondern kleine Teams, die ehrenamtlich oder spendenfinanziert arbeiten. Das schafft ein Problem bei der Zugänglichkeit: Diese Betriebssysteme (“Roms”) sind dafür gedacht, dass man sie sich selbst installiert. Das kann zwar auch ein Laie meistern, ist aber nicht ohne Risiko; schlimmstenfalls wird das Handy unbenutzbar (“Bricking”), da die Hersteller nicht vorsehen und sogar teils zu blockieren versuchen, dass man alternative Betriebssysteme auf “ihren” Geräten installiert - schließlich ist der Datenhandel ein relevanter Teil ihres Geschäfts. Dennoch lohnt es sich, bei den Entwicklern zu prüfen, ob es Varianten für ein altes Smartphone gibt, das ungenutzt in der Schublade schlummert. Das von der gleichnamigen Stiftung entwickelte e/OS/ ist in den letzten Jahren recht populär geworden und bietet sogar einen Installer. GrapheneOS gilt als eines der sichersten Betriebssysteme, weil es alle Apps von einander abschirmt und verhindert, dass sie Daten untereinander austauschen. Ein Klassiker ist LineageOS.
Es gibt viele kleine Läden, Enthusiasten oder sogar Benutzer-Gruppen in größeren Städten, die bereits vorhandene Smartphones oder Altgeräte direkt mit einem alternativen Betriebssystem ausstatten. Dabei ist es dann durchaus möglich, ein altes Smartphone, das wegen fehlender Updates oder unfreiwillig installierter Speicherfresser nicht mehr nutzbar war, für kleines Geld wieder zu beleben. Das ist in der Regel der günstigste Einstieg, wenn es möglich ist.
Angebote mit quelloffenen oder selbstentwickelten Betriebssystemen im Handel
Im Einzelhandel sind Smartphones mit alternativen Betriebsystemen selten zu bekommen. Dennoch gibt es einige wenige Marken, die Smartphones ohne Google anbieten, wenn auch fast ausschließlich über den Versandhandel. Am Nennenswertesten ist wohl Murena, die eine relativ große Auswahl an Geräten verschiedener Preisklassen anbieten. Neu auf dem Markt ist die deutsche Firma Volla, deren aktuell zwei Smartphones entweder mit dem hauseigenen Betriebssystem VollaOS oder einer Linux-Version für Smartphones (Ubuntu Touch) angeboten werden. Ebenfalls recht bekannt ist das PinePhone, das zuletzt mit einer Version von Manjaro Linux ausgeliefert wurde. Das fairphone legt mehr Wert auf auf eine Produktion aus “fairem Handel” und Nachhaltigkeit und ist sowohl mit Googles Android, als auch dem freien e/OS/ lieferbar. Oft haben die Handys solcher Hersteller, wie beim fairphone, weitere Vorteile wie einen wechselbaren Akku und sind auf Reparierbarkeit ausgelegt, sind im Verhältnis zur Leistung aber etwas teurer.
Android oder GNU/Linux?
Zu den Betriebssystemen kann man zusammenfassend sagen, dass Linux-Derivate die größte Kontrolle über das Gerät bieten, aber mehr Kenntnisse von dem Benutzer voraussetzen und oft nicht die selben Apps nutzen können, wie die auf Android basierenden, aber von allen Google-Diensten befreiten alternativen Betriebssysteme wie e/OS/ oder VollaOS. Dafür können Smartphones mit Linux tatsächlich je nach Kapazität auch als Desktop-Ersatz genutzt werden - dafür braucht das Smartphone einen USB-C-Anschluss, über den man mit einem Hub dann Tastatur, Maus und Monitor anschließen kann.
Wer die selben Apps weiter nutzt - muss gar nicht erst wechseln
Aber: Wenn man sich dann wieder Google-Dienste installiert und sich einloggt, ist die ganze Mühe umsonst. Der Wechsel des Smartphones oder Smartphone-Betriebssystems macht nur dann wirklich Sinn, wenn man sich auch von seinem Gmail-Konto verabschiedet und seine Cloud-Backups bei Google abzieht.
Mit einem neuen Betriebssystem darf man die Gefahr, die alleine von Apps ausgeht, nicht unterschätzen! Das Problem hat man mit einem neuen Betriebssystem noch nicht im Griff - installiert man unkritisch eine App, die Daten sammelt, passiert das auch weiterhin und die Daten landen auf dem Markt der Datenhändler. Generell sollte man sich also sehr genau überlegen, was für Apps man wirklich braucht und sich ansehen, welche Freigaben eine App verlangt. Insbesondere Standortdaten sollte man nur an Apps freigeben, die diese auch tatsächlich benötigen, und denen man vertraut. Und wenn man die Apps gerade nicht nutzt - GPS einfach mal abschalten.