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Betriebsversammlung bei VW: Oliver Blume eiert herum

In den letzten Wochen drohte der VW-Vorstand der Belegschaft mit vier Werksschließungen und der Vernichtung von weiteren 42.000 Arbeitsplätzen. Direkt am Anfang der Betriebsversammlung am gestrigen 20. Mai antwortete die Betriebsrats­vorsitzende Daniela Cavallo darauf kritisch mit der erneuten Ansage, dass die IG Metall im Falle von Werksschließungen bereit ist, mit aller Härte dagegen anzukämpfen.

Korrespondenz
Betriebsversammlung bei VW: Oliver Blume eiert herum
(screenshot: Internationalistische Liste / MLPD)

Die weitere Kritik am VW-Vorstand verfolgte allerdings eine Argumentationslinie, die sich nach der guten alten Klassenzusammenarbeitspolitik zurücksehnt: Wir wollen mit unseren guten Autos wieder ein gutes VW‑Image in der Presse haben. Angeblich hätten die Kollegen die harte Gesamtsituation verstanden und „geliefert“. Damit meinte sie: durch Arbeitsplatzvernichtung. Die war allerdings alles andere als freiwillig.


Vostandsvorsitzender Oliver Blume überraschte in seiner Rede damit, die angedrohten Werksschließungen mit keinem Wort zu erwähnen, sondern das als verfehlten Journalismus darzustellen. Rudert da jemand angesichts der beginnenden Proteste gegen diese erneuten Drohungen zurück? Das wurde auch in der Aussprache direkt gefragt.


Blume lobte die Senkung der Fabrikkosten in 2025 um 15 Milliarden Euro, also die gesteigerte Ausbeutung und Arbeitsplatzvernichtung. Aber um handlungsfähig zu bleiben, würde das angesichts der geopolitischen Herausforderungen nicht ausreichen. Auch der Chef des Vertriebs von VW, Martin Sander, beschwor die weitere Senkung der Fabrikkosten, da die Autos der chinesischen Konkurrenten und auch von Tesla billiger wären. Als hätte die Preispolitik von VW etwas mit den Fabrikkosten zu tun – die Autos wurden vom VW-Vorstand ja auch nicht billiger gemacht, als 2025 die 15 Milliarden Euro aus den Kollegen herausgeholt wurden. Mit der Lüge von der Lohn-Preis-Spirale sollen wir für dumm verkauft werden.


In der Aussprache wurden Missstände in der Produktion angeprangert sowie die Jagd auf Kranke. Außerdem wurde kritisiert, dass VW statt 100 Prozent nur magere 20 Prozent für die Gedenkstätte Laagberg zahlen will, die an die Zwangsarbeiter im Hitler-Faschismus erinnert. Das bekam viel Applaus. Eine Unterschriften­liste gegen die Umstellung auf Kriegswirtschaft wurde von einem Kollegen vorgestellt. Ein Kollege prangerte das gesamte Ausbeutungssystem an, kritisierte den Vertragsbruch von VW, wenn es VW Sachsen doch nicht wie versprochen in den Haustarif integriert, und forderte einen Aktionstag und eine Vertrauensleute-Konferenz aller Standorte. Die Schwerbehindertenvertretung stellte die wichtige Frage: Hat VW eine soziale Verantwortung oder nicht?

 

VW verspürt, wie jedes Monopol, in seiner Aufholjagd im weltweiten Konkurrenzkampf keinerlei soziale Verantwortung, das wurde erneut durch das Auftreten des Vorstands und seine Pläne deutlich. Ebenso deutlich wurde aber auch seine große Nervosität: Aus Angst vor dem wachsenden Klassenbewusstsein der großen VW‑Belegschaft zögert er seinen Plan, Werke zu schließen, immer wieder hinaus. Jetzt heißt es für uns: Volle Arbeiteroffensive gegen diese dreisten Angriffe des VW‑Vorstands!