Briefwechsel
Antwort auf Leserbrief zu „Buckelwal in der Ostsee – Weckruf für den Meeresschutz!“
Am 28. April veröffentlichten wir auf Rote Fahne News den Artikel „Buckelwal in der Ostsee – Weckruf für den Meeresschutz!“
Eine Leserin kritisierte am 3. Mai: „Ihr habt eure Informationen für den Artikel verschiedenen Presseportalen entnommen. Es gab eine Forderung, der Natur ihren Lauf lassen. Sprich lasst den Wal doch sterben. Der Wal war schon vermarktet, wenn er tot ist. Keine der von euch genutzten Quellen, auf dessen Aussage Ihr den Artikel geschrieben habt, war je vor Ort oder hat den Wal gesehen. Meine Freundin steht im direkten Kontakt mit den Walrettern und kennt diese persönlich.“ Sie kritisierte die Aussage, dass die Rettungsaktion der Millionäre Tierquälerei sei und der Selbstinszenierung diene.
Der Autor antwortete am 13. Mai:
… Ich verstehe, dass Dir und deiner Freundin, wie Vielen, das Schicksal des Wal am Herzen liegt. Der Artikel richtet sich keineswegs gegen Rettungsversuche. Ob Rettungsversuche sinnvoll oder eine sinnlose Qual für das Tier bedeuten, muss im Einzelfall geprüft werden.... Bis Anfang April gab es fünf Rettungsversuche, die scheiterten.
Du kritisierst im Prinzip, dass wir uns nach diesen Erfahrungen und mit der Einschätzung für uns glaubwürdiger Experten gegen weitere Rettungsversuche aussprachen und dies als Tierquälerei bezeichnet haben. Du stellst die Quellen, auf die wir uns beziehen, in Frage, dass diese angeblich nicht vor Ort waren und den Wal nie gesehen haben. Das ist nicht richtig. Das Gutachten der Stiftung Deutsches Meeresmuseum und der Tierärztlichen Hochschule Hannover vom 7. April beruht auf Bild- und Videomaterial, auf vor Ort Begutachtungen, der Entwicklung des Zustands des Tieres und internationalen Strandungsrichtlinien. Die Einschätzung des Gesundheitszustandes und der Überlebenschancen wurde vom „Expertengremium Walstrandung“ der Internationalen Walfang Kommission (IWC SEP) geteilt. Weiterhin von langjährig erfahrenen Wildtier- und Meeres-Experten, wie Thilo Maak (Greenpeace), Dr. Kerstin Dörnath (Sachverständige Tierschutzgesetz) und dem Meeresbiologen und Wal-Forscher Fabian Ritter (Berlin). Die weltweit führende Organisation Whale & Dolphin Conservation (WDC) stellte ihre umfangreichen Erfahrungen mit Strandungen aus Amerika zur Verfügung, auf die wir uns auch bezogen. Die Entscheidung, keine Rettungsversuche mehr zu starten, entsprach einer nüchternen Einschätzung, um dem Tier Leid zu ersparen.....
Das Motiv der „Privatinitiative“, unterstützt von den Millionären Karin Walter-Mommert und Walter Gunz, bleibt indessen im Dunklen. Für Tierschutz haben sie sich bisher nicht engagiert. Im Gegenteil war Frau Walter-Mommert langjährige Geschäftsfrau im Trabrennsport, was in der Kritik von Tierschützern steht. Warum geben solche Leute 1,7 Millionen Euro aus? Ich denke, sie haben sicher Empathie mit dem Wal. Wenn sie aber trotz besseren Wissens solche „Rettungsaktionen“ durchführen lassen, treten andere Motive in den Vordergrund.
Mit ständigen Meldungen, zum Beispiel von BILD, wurde die Hoffnung Vieler auf ein „Happy End“ angeheizt und deren Gefühle für eine dubiose Sache missbraucht. Solche „Liebe“ braucht „Timmy“ nicht!. Vermehrte Laute wurden in der Presse als Überlebenswillen interpretiert. Dabei ist eher bekannt, dass Wale unter Stress und Lärm ihre Lautstärke und Häufigkeit erhöhen. Verschärfend zum Gesundheitszustand kam hinzu, dass er weiter Netzreste im Maul hatte, die nicht entfernt werden konnten. Es bleibt der starke Verdacht auf Selbstinszenierung und damit die Kritik der Tierquälerei. Ein Bündnis mit Walter-Mommert, Gunz, und den Hauptakteuren, die wissenschaftliche Erkenntnisse leugnen, muss abgelehnt werden. Mit Menschen, die mit ehrlichen Motiven, eine solche „Rettungsaktion“ unterstützen, muss selbstverständlich sachlich die Auseinandersetzung geführt werden.
Man darf nicht unterschätzen, dass zwei der „Walretter“ im unterschiedlich zusammengesetzten Team Unterstützer der AfD sind: Danny Hilse und Jens Schulz. Schulz, der die Aktion initiierte und koordinierte, tat sich bisher im Netz besonders mit faschistischen migrations- und islamfeindlichen Sprüchen hervor. Die amerikanische Tierärztin Jenna Wallace, Spezialistin für die Behandlung schwer erkrankter Meeressäuger, verließ das Team, da Hilse sich als Chef aufspielte und Chaos anrichtete. Es ging also nicht gerade professionell zu. Faschistische Akteure nutzen den Fall im Netz und vor Ort, um gezielt Stimmung gegen Behörden, Wissenschaftler und Medien zu machen. Das Narrativ: Der Staat lasse den Wal bewusst leiden, Experten seien inkompetent oder Teil einer Verschwörung. Aus Mitgefühl sollte Wut entstehen.¹ Morddrohungen an Fachleuten und Beteiligten, Anzeigen gegen Greenpeace oder eigenmächtige „Rettungsaktionen“ folgten.
Kritik an Staatsbürokratie, fehlende Empathie und Versagen beim Naturschutz ist berechtigt. Aber Vorsicht!, wenn sie von rechts, von falschen Freunden kommt! Das faschistische Magazin Compact titelte auf Youtube: „Ökoindustrie will den Wal schlachten!“ Und schließt daraus: AfD-Chefin Alice Weidel müsse Kanzlerin werden, „weil auch Alice Weidel liebt Tiere“.² Völlig verlogen! Ihr Programm ist extrem umweltschädlich und höchst gefährlich für den Bestand der Arten. Sie missbrauchen die Emotionen und berechtigte Kritiken der Menschen, um sich mit ihren faschistischen Lügen und der Leugnung wissenschaftlicher Erkenntnisse einzuschleimen.³ Eine Achse von rechts nach links zur „Rettung von Timmy“, was im Netz verbreitet wurde, darf nicht unterstützt werden. „Querfrontpolitik“ ist irreführend und gefährlich. Sie verstellt den Blick auf die wirklichen Ursachen der tragischen Strandung und den Weg zu ihrer Lösung.
Herzliche Grüße