Berlin

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A100 stoppen: Aktiven Widerstand zu entwickeln ist nötig!

Wie SPD, Linke und Grüne die Massenbewegung gegen Deutschlands teuerstes Stück "Autowahn" in die Sackgasse führten, schildert anschaulich die Zusammenfassung von T. Trommer vom Aktionsbündnis A100 stoppen:

Korrespondenz

„...vor genau 17 Jahren, am Sonntag, den 17. Mai 2009, haben wir etwas geschafft, das viele für unmöglich hielten: Die Berliner SPD stimmte auf ihrem Landesparteitag mit 118 zu 101 Stimmen gegen die Verlängerung der A100 von Neukölln nach Treptow.

 

Vor der Max-Taut-Aula in Lichtenberg, wo der Parteitag stattfand, hatten wir unter dem Motto „Die A100 stinkt, Mediaspree stinkt uns schon lange – wir stinken zurück!“ eine große Protest-Grill-Demo organisiert.

 

Während wir draußen demonstrierten, geschah das Unglaubliche: Die Berliner SPD stimmte gegen die Verlängerung der A100! Zuvor hatte bereits Die Linke dagegen Stellung bezogen.


Nach Jahren intensiven Protests, der viele von uns an die Belastungsgrenze gebracht hatte – wie eine riesige Rad-Skater-Demo kurz zuvor –, schien der Erfolg endlich greifbar.

Ich erinnere mich noch genau an dieses Gefühl:

Wir haben den 16. Bauabschnitt der A100 gestoppt!
Eigentlich der perfekte Moment, um zu feiern. Doch so ganz sicher waren wir uns nicht. Ein leises Bauchgefühl blieb …

 

Denn trotz dieses politischen Erfolgs liefen die Planungen im rot-roten Senat hinter verschlossenen Türen weiter – wie 2006 von SPD und Linkspartei im Koalitionsvertrag beschlossen, ohne echte Bürgerbeteiligung und ohne Berücksichtigung der Beschlüsse ihrer eigenen Parteitage!

 

Es folgte ein bitterer Siegeszug fauler Betonpolitik:

 

  • 26. Juni 2010: Die Berliner SPD stimmt auf ihrem Landesparteitag mit 113 zu 108 Stimmen für den Weiterbau der A100, nach Druck von Klaus Wowereit.
  • 27. August 2025: Der 16. Bauabschnitt der A100 wird eröffnet – 3,2 Kilometer Asphalt für über 720 Millionen Euro (ursprünglich geplant: 312 Millionen). Das sind 225.000 Euro pro Meter.
  • Seitdem herrscht rund um den Treptower Park massives Verkehrschaos. Die Zahl der Verkehrsverstöße hat sich dort  vervielfacht.
  • September 2025: Ein fünfjähriger Junge wird in Friedrichshain durch den Ausweichverkehr der A100 auf seinem Fahrrad schwer verletzt.


Diese Erfahrung hat uns eines gelehrt: Ein politischer Teilerfolg reicht nicht aus.


Wenn wir uns zurücklehnen, rollen die Bagger weiter. Nur dauerhafter Druck von der Straße kann den Beton-Irrsinn stoppen. Und genau deshalb müssen wir wieder laut werden.“