Filmfestspiele in Cannes
600 Filmschaffende kämpfen gegen rechte Meinungsmonopolisten
Zu Beginn der Filmfestspiele von Cannes veröffentlichten über 600 bekannte Filmschaffende eine Erklärung gegen den faschistischen Industriellen und Milliardär Vincent Bolloré. An der Spitze steht Juliette Binoche, Oscar-Gewinnerin, Präsidentin der Europäischen Filmakademie und Jurypräsidentin des Filmfestivals von Cannes 2025.
In der Erklärung der französischen Künstlerinnen und Künstler heißt es: "Wenn wir das französische Kino in die Hände eines rechts außen stehenden Besitzers geben, riskieren wir nicht nur die Vereinheitlichung von Filmen, sondern eine faschistische Übernahme der kollektiven Vorstellungskraft." (Spiegel, 18.05.2026)
Der Medienmogul verfügte daraufhin, dass alle Unterzeichner nicht mehr für seinen Medienkonzern Canal+ arbeiten dürfen.
Vincent Bolloré dominiert unter anderem den Radiosender Europe 1 und den Fernsehsender CNews. CNews geriet wegen der Verbreitung rassistischerer Meinungen in die Schlagzeilen. Bolloré hat jahrelang ein weitverzweigtes Mediennetzwerk aufgebaut, das bis in den Unterhaltungsmischkonzern Canal+ reicht. Canal+ ist einer der größten Geldgeber für europäische Produktionen und seine Tochtergesellschaft StudioCanal gilt als eine der einflussreichsten Produktionsfirmen in Europa. Sie ist sowohl im Bereich Kino aktiv als auch im Bereich Serien wie "Back to Black" oder "Paddington in Peru". Außerdem besitzt Bolloré eine eigene Kinokette. Die Unterzeichner der Erklärung von Cannes weisen darauf hin, dass der Medienmonopolist die gesamte Produktionskette von Filmen kontrolliert, von der Finanzierung über die Produktion bis hin zur Vorführung und zum Vertrieb.
Sein Medienimperium unterstützt in Frankreich ganz offen die Faschistin Marine Le Pen von Rassemblement National. Nicht nur bei der Parlamentswahl in Frankreich zieht der rechte Milliardär im Hintergrund die Strippen. Zuletzt investierte Bolloré in den traditionsreichen Literaturverlag Grasset. Da seine Gesinnung inzwischen bei den Kulturschaffenden und Journalisten allgemein bekannt ist und Bolloré den bisherigen Verlagschef Olivier Nora rausschmiss, kündigten 115 namhafte Schriftstellerinnen und Schriftsteller gemeinsam aus Protest gegen den „inakzeptablen Angriff“ von Bolloré.
In ihrer Stellungnahme heißt es, dass sie keine Geiseln eines Menschen sein wollen, „der Autoritarismus in der Kultur und in den Medien verbreiten will." (Spiegel, 18.05.2026) Der damit aufgebrochene regelrechte Kulturkampf in Frankreich ist Bestandteil der gesellschaftlichen Polarisierung gegen die Rechtsentwicklung.
Nicht nur in Frankreich hat sich eine Widerstandsbewegung gegen international operierende Medienkonzerne und Presseagenturen herausgebildet. Die Besonderheit dieser Medienmonopole ist, dass sie nicht bloß Maximalprofite erzielen wollen. Ihnen geht es um eine länderübergreifende Meinungsbildung und -manipulation, und zwar im Sinne ihrer rechten bis faschistischen Gesinnung, deren Kern der pure Antikommunismus ist.
Der mutige und unterstützenswerte Schritt der 600 Filmschaffenden in Cannes an die Öffentlichkeit zeigt, dass sich auch unter den Kulturschaffenden – ebenso wie in den USA unter Trump – ein Widerstand entwickelt gegen die Tendenz zum Faschismus entwickelt. Auch in Deutschland wächst der Widerstand gegen eine staatliche Ausrichtung nach rechts, wie sie Wolfram Weimer (Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien) betreibt, oder gegen die faschistische Kulturpolitik der AfD. Für die Stärkung dieses Widerstandes und die erfolgreiche Verhinderung von Faschismus und Krieg wird es darauf ankommen, dass sich die Kulturschaffenden auch mit anderen Widerstandsbewegungen und mit den Kämpfen der internationalen Arbeiterbewegung verbinden. Nicht zuletzt braucht der Kampf im Kulturbereich eine Orientierung auf die Freiheitsideologie des echten Sozialismus.