"Deutsches Liedgut"
Ist die Bundeswehr etwa böse?
Im Volksmund gibt es seit dem 19. Jahrhundert den Spruch: „Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder.“ Oh je – seit 2017 hat die Bundeswehr kein Liederbuch mehr.
Hatte doch die damalige „Verteidigungs“-Ministerin Ursula von der Leyen das damals gültige Buch „Kameraden singt“ aus dem Verkehr gezogen. Begründung: In der Traditionssammlung militärischen Liedguts befänden sich Lieder, die „nicht mehr unserem Werteverständnis entsprechen“. Anlass war die Empörung über sich häufende faschistische Vorgänge beim Bund mit entsprechenden faschistischen Gesängen der Hitler-Armee aus diesem Liederbuch.
Gleich drei Lieder daraus belegte sie völlig zu Recht mit einem Verbot, darunter das "Panzerlied". Anfang der 1970er-Jahre hatten wir es als Rekruten bei der Formalausbildung, "im Gleichschritt marsch“, zu schmettern. Als einige von uns nicht mitsangen, kam prompt der Brüllbefehl: „Bewegen Sie wenigstens die Lippen.“ Angeregt durch das Lied verbreitete sich in der Truppe auch der zynische Slogan: „An die Zukunft denken, Särge schenken.“ Immerhin heißt es im Panzerlied: „Trifft uns die Todeskugel, ruft uns das Schicksal ab, dann wird uns der Panzer zum ehernen Grab.“
Welch bittere Wahrheit, als später mit dem Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan die ersten Soldaten in Särgen zurückkamen. Es wurde deutlicher, dass sie für Machtinteressen und nicht zum Schutz von Frauenrechten ihr Leben ließen. Diese Tatsache und solches Liedgut entsprachen wirklich nicht dem Werteverständnis der Masse der Bevölkerung.
Nun gab es das Liederbuch „Kameraden singt“ seit 1957. Enthalten sind Marschlieder, Lieder zum Heldentod, Lagerfeuerromantik, Frauenfeindlichkeit usw. usw. Es wurde zur Beeinflussung der Jugend immer wieder angepasst, mit Jugendfahrtenliedern, gängigen Schlagern. Die letzte Version von 1972 mit 192 Seiten enthält sogar das Lied „Über den Wolken“ von Reinhard May. Spätestens als der mit dem antimilitaristischen Lied „Nein, meine Söhne geb ich nicht“ aufwartete, entsprach auch dies nicht mehr dem Werteverständnis der Militaristen.
Fieberhaft arbeitet das Verteidigungsministerium schon seit über acht Jahren an einem neuen Bundeswehrliederbuch. Beteiligt an der „militärgeschichtlichen Einordnung 'der einzelnen Lieder sind u. a. das Streitkräfteamt, das Zentrum Innere Führung und das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr'.“ (Tagesschau, 6.3.2026)
Wie aber soll das Hauptproblem gelöst werden, junge Leute mit welchem Liedgut für den Bund zu begeistern. Immer weniger gängige Bands und angesagte Interpretinnen und Interpreten geben sich für Militarismus her. Da hilft vielleicht, Helene Fischers Ohrwurm umzudichten, in „Atemlos durch die Nacht - werden wir fit für den Weltkrieg gemacht". Oder lieber vom Welttrinkkulturerbe Ballermann: „Schatzi, schenk mir ein Foto“. Böse Zungen behaupten, von Militärgeistlichen, die sonst die Truppe segnen, sei der Liedvorschlag aus der Osterliturgie gekommen: „Oh Haupt voll Blut und Wunden“, was wegen Verstoßes gegen religiöse Gefühle berechtigt abgelehnt wurde.
Nun, die Bundeswehr wäre keine imperialistische Armee, wenn sie nicht doch noch siegreich ihr Liederbuch fertigbringen würde. Umso wichtiger ist der Auftrag, den das theoretische Organ der MLPD, REVOLUTIONÄRER WEG, schon 1981 gab, u. a.:
- „Kampf der Faschisierung der Bundeswehr!“
- "Kollege in Uniform, Kollege im Betrieb – gemeinsam gegen imperialistischen Krieg!“ (Bd. I, S.193).
Wie stolz können wir auf unseren Jugendverband REBELL sein, mit seinem Rebellischen Liederbuch. Es regt auch dazu an, selber Songs zu schreiben. Die lehrreichen und mitreißenden Lieder in diesem Buch zeigen einen kämpferischen Weg zu einer Welt ohne Faschismus, imperialistische Kriege und Unterdrückung, eine Zukunft in Völkerfreundschaft und ohne Ausbeutung von Mensch und Natur.