Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff
Hantavirus – Gefahr einer neuen Pandemie?
Nach einem Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ ging das eher wenig bekannte Hantavirus viral durch die Medien. An der Infektion verstarben drei der etwa 150 Passagiere. Bei sieben weiteren Passagieren wurde das Virus laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigt, bei einem weiteren Fall gilt eine Infektion als „wahrscheinlich“.
Wie kam es zu dem Ausbruch?
An Bord kam das Virus offensichtlich durch ein Ehepaar, das sich am 1. April in Argentinien einschiffte und davor Südamerika für einige Monate bereist hatte. Beide verstarben, ebenfalls eine Frau aus Bayern. Wo sich das Ehepaar infizierte, ist unklar. Über 40 Hantaviren sind weltweit verbreitet und lösen neben grippeähnlichen Beschwerden Nieren- oder Lungenentzündungen oder lebensbedrohliche Blutungen aus. Anfang der 1950er Jahre erkrankten mehr als 3.000 amerikanische Soldaten am koreanischen Grenzfluss Hantan an schweren Fieber und hatten innere und äußere Blutungen. Holzarbeiter, die den Urwald roden, sind häufig davon betroffen. Natürliche Wirte sind infizierte Nager wie Ratten, Mäuse, seltener Maulwürfe und Fledermäuse. Die Viren werden über Speichel, Urin und Kot übertragen und sind mehrere Wochen stabil. Schutzmaßnahmen wie Handschuhe und Masken sind bei bestimmten Arbeiten sinnvoll. In den meisten Fällen können die Erreger mit Haushaltsreinigern inaktiviert werden. Es gibt keinen Impfstoff, lediglich die Symptome können behandelt werden. In den letzten zehn Jahren erkrankten in Deutschland pro Jahr zwischen 143 und 1.747 Menschen, weltweit sind es zwischen 10.000 und 100.000.
Die Bilder wecken Erinnerungen an die Covid-19-Pandemie
In der ARTE-Sendung „Im Fokus“ am 15. Mai entdeckten die Redakteure „die Angst vor der Pest“ in uns, um dann die Millionen Tote der Pest, Spanischen Grippe, von AIDS und Covid 19 vorzuführen. Eine unsinnige Verknüpfung, die Verunsicherung und Ängste schafft und von den wirklich bedrohlichen Entwicklungen ablenkt. Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit, Tropen-Institut-Hamburg, ordnete den Ausbruch so ein: „Das Geschehen auf der MV Hondius ist in dieser Form ungewöhnlich und muss sehr ernst genommen werden.“ Das auf dem Schiff nachgewiesene Andes-Virus ist die einzige Hantavirus-Art, bei der eine begrenzte Übertragung von Mensch zu Mensch möglich ist – „vor allem bei engem und längerem Kontakt“. (1) Von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit kann es 45 Tage dauern. Die Quarantänisierung der Passagiere nach der Evakuierung war vorsorglich richtig. Das Universitäts-Spital Zürich, Referenzlabor für Hantaviren, wies die genetische Stabilität der Andes-Variante nach. Bislang sind keine gefährlicheren genetischen Varianten bekannt. Evakuierung und Quarantäne wurden professionell durchgeführt. In Gaza können Zehntausende von einer solchen Versorgung bisher nur träumen.
Droht ein ähnliches Szenario wie zu Corona-Zeiten?
Eine Pandemie wie beim SARS-CoV-2-Virus ist beim Andes-Virus sehr unwahrscheinlich. Der entscheidende Unterschied liegt in der Übertragbarkeit in der Allgemeinbevölkerung. Das SARS-CoV-2 hatte sich effizient über die Atemwege verbreitet, auch durch Menschen ohne Symptome. Andes-Virus wird erst übertragen, wenn schon Symptome da sind, sodass Vorbeugemaßnahmen möglich sind. Es ist gefährlich wegen der Schwere der Erkrankung.
Corona-Leugner und Impfgegner wittern Morgenluft. Sie verbreiten in Social Media, das Hantavirus sei eine Nebenwirkung des Covid-19-Impfstoffs von Pfizer. Als „Beweis“ beziehen sie sich auf eine von Pfizer erstellte Analyse über gemeldete Nebenwirkungen. Die Meldung von Hantavirus-Lungeninfektionen bedeutet weder, dass sie durch den Impfstoff verursacht wurden, noch dass es sich um anerkannte Nebenwirkungen handelt. Für Impfgegner aber das gefundene Fressen für ihre bekannten Fälschermethoden. Nach der Impfkampagne wurden keine steigenden Fallzahlen beim Robert-Koch-Institut gemeldet.
Zoonosen nicht unterschätzen!
Ebola, SARS, Dengue-Fieber, Malaria, das Nipah-Virus, aber auch die klassische Grippe und Masern sind viel tödlichere Zoonosen als das Hantavirus. Die WHO rief aktuell wegen des Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo und in Uganda eine internationale Gesundheitsnotlage aus. Das Virus wird durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. In den Jahren 2014 und 2015 waren bei einem Ausbruch der Zaire-Variante in Westafrika mehr als 11.000 Menschen gestorben. Aktuell sind 246 infiziert und 80 Menschen gestorben. Gegen die jetzige Bundibugyo-Variante gibt es keinen Impfstoff.
Zoonosen und globale Umweltkatastrophe
Die Weltgesundheitsorganisation zählt jedes Jahr rund 200 Ausbrüche von Viruserkrankungen, vor allem in Afrika. Ihre Erreger haben die Artengrenze übersprungen. Durch die Zerstörung natürlicher Ökosysteme, den Verlust biologischer Vielfalt, illegalen Wildtierhandel, zunehmend engen Kontakte zwischen Wild- und Zuchttieren ist auch unsere Gesundheit in Gefahr. Zusammen mit imperialistischen Kriegen, der Kommerzialisierung und der Zerschlagung öffentlicher Gesundheitssysteme durch reaktionäre bis faschistische Regierungen entwickeln alte und neue Erreger eine ungeahnte Zerstörungskraft. Der Kampf gegen Pandemien „ist also untrennbar verbunden mit dem Kampf gegen Umweltzerstörung und gegen die kapitalistischen Verhältnisse, welche die Einheit von Mensch und Natur zerstören.“ (2)
Beim 22. internationalen Pfingstjugendtreffen (22. bis 24. Mai) wird der im Oktober stattfindende internationale Umweltratschlag vorgestellt. Eine gute Gelegenheit, auch das Thema Umwelt und Gesundheit zu diskutieren.